Linolsäure































































Strukturformel

Struktur von Linolsäure
Strukturformel mit der Nummerierung ausgewählter Kohlenstoffatome
Allgemeines
Name
Linolsäure
Andere Namen


  • (cis,cis)-Octadeca-9,12-diensäure

  • (9Z,12Z)-Octadeca-9,12-diensäure (IUPAC)

  • Leinölsäure (veraltet)[1]

  • Telfairiasäure (veraltet)[1]

  • 18:2 (ω−6) (Lipidname)



Summenformel
C18H32O2
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit[2]


Externe Identifikatoren/Datenbanken




























CAS-Nummer
60-33-3


EG-Nummer
200-470-9

ECHA-InfoCard

100.000.428

PubChem

5280450

DrugBank

DB14104

Wikidata

Q407426

Eigenschaften

Molare Masse
280,45 g·mol−1

Aggregatzustand

flüssig



Dichte

0,902 g·cm−3 (25 °C)[2]



Schmelzpunkt

−7 °C[3]



Siedepunkt

230 °C (16 hPa)[2]



pKs-Wert


  • 4,77 (25 °C)[4]

  • 7,9[5]



Löslichkeit


  • praktisch unlöslich in Wasser[2]

  • gut in vielen organischen Lösungsmitteln[6]



Brechungsindex

1,467 (20 °C)[7]


Sicherheitshinweise









GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]

keine GHS-Piktogramme


H- und P-Sätze
H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C



Linolsäure, wissenschaftlich (cis,cis)-Octadeca-9,12-diensäure, ist eine zweifach ungesättigte Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen (18:2). Sie gehört aufgrund der Lage ihrer zweiten Doppelbindung zur Gruppe der Omega-6-Fettsäuren und ist von Linolensäure zu unterscheiden. Sie ist eine sogenannte Diensäure und eine Isolensäure weil die zwei Doppelbindungen durch eine Methylengruppe getrennt sind.


Der Name Linolsäure leitet sich vom lateinischen linum (griech. linon) für Lein (Flachs) und oleum „Öl“ ab.




Inhaltsverzeichnis






  • 1 Vorkommen


  • 2 Gewinnung und Darstellung


  • 3 Eigenschaften


  • 4 Biologische Bedeutung


  • 5 Nachweis


  • 6 Technische Verwendung


  • 7 Siehe auch


  • 8 Einzelnachweise


  • 9 Weblinks





Vorkommen |


Linolsäure kommt als Ester chemisch gebunden in vielen Triglyceriden vor, die Hauptanteil der natürlichen fetten Öle sind.[6]Traubenkernöl mit 58–78 % und Distelöl (Safloröl) mit 55–81[8] haben den höchsten Linolsäuregehalt aller Pflanzenöle. Auch in Hanföl (etwa 50 %),[9]Sojaöl (49–57 %), Baumwollsaatöl (45–58 %), Weizenkeimöl (40–55 %), Maiskeimöl (34–62 %), Sonnenblumenöl (20–75 %) und Rapsöl (18–30 %) finden sich hohe Anteile;[6] demgegenüber steht Olivenöl mit nur 3–20 % Linolsäuregehalt.[6]


Entgegen weitverbreiteter Anschauung enthalten diese natürlichen Fette und Öle keine freie Linolsäure, sondern deren Glycerinester.




Beispiel für ein Triglycerid, das reich an ungesättigten Fettsäure-Resten ist. Der blau markierte Fettsäure-Rest ist einfach ungesättigt und leitet sich von der Ölsäure ab, der grün markierte Linolsäure-Rest ist zweifach, der rot markierte Linolensäure-Rest ist dreifach ungesättigt. Die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen sind cis-konfiguriert. Im Zentrum ist schwarz das dreifach acylierte Glycerin erkennbar. Öle enthalten einen höheren Anteil an essentiellen Fettsäure-Resten (= ungesättigte Fettsäure-Reste) als Fette.[10]



Gewinnung und Darstellung |


Die Fettsäuren lassen sich durch alkalische Verseifung aus den Triglyceriden gewinnen, indem die entsprechenden Fette oder Öle mit Alkalien gekocht werden. Da die natürlichen Fette und Öle stets viele unterschiedliche Fettsäuren enthalten, schließt sich in der Regel eine destillative Trennung des entstandenen Gemisches an.


Kommerziell hergestellte Linolsäure hat einen Anteil von bis zu 67 %, daneben enthält sie ein Gemisch aus weiteren gesättigten und ungesättigte Fettsäuren, vor allem Ölsäure.[11]



Eigenschaften |


Reine Linolsäure ist eine farblose, ölige und fast geruchlose Flüssigkeit. Sie ist oxidationsempfindlich und altert an der Luft unter Gelbfärbung, die auf die Bildung von Hydroperoxiden zurückzuführen ist. Die molare Masse beträgt 280,45 g·mol−1. und die Dichte 0,9 g·cm−3.[6] Sie hat einen Schmelzpunkt von −7 °C und einen Siedepunkt von 230 °C.[2] Die Fettsäure ist sehr schlecht löslich in Wasser, jedoch gut in vielen organischen Lösungsmitteln. Chemisch gehört sie zu den hydrophoben Carbonsäuren, auffällig ist jedoch ihr von den anderen Homologen stark abweichender pKS-Wert von 7,9 (normalerweise zwischen 4,75 und 4,95).[5]



Biologische Bedeutung |


Linolsäure ist, ebenso wie α-Linolensäure, ein essentieller Nährstoff und muss deshalb mit der Nahrung zugeführt werden. Aus Linolsäure werden im Körper über die Zwischenstufe γ-Linolensäure (GLA) die in Entzündungsprozessen bedeutsamen Dihomogammalinolensäure (entzündungshemmend) und Arachidonsäure (entzündungsfördernd) synthetisiert.


Linolsäure ist ein regelmäßiger Bestandteil der menschlichen Haut, speziell der Epidermis. Die für die Regulierung des Wasserhaushalts entscheidend wichtige epidermale Barriere – als Struktur repräsentiert durch das Stratum corneum – besteht aus Ceramiden, freien Fettsäuren und Phospholipiden. Die Ceramide haben eine besondere Bedeutung für die Wasserregulierung. Das quantitativ bedeutsamste Ceramid ist Ceramid 1, dessen Hauptbestandteil Linolsäure ist. Linolsäure ist bei äußerlicher Anwendung in der Lage,



  • Hautreizung von außen (irritativer Kontaktdermatitis) entgegenzuwirken,[12]

  • chronischer Lichtschädigung der Haut entgegenzuwirken,[12]

  • im Rahmen der lichtgeschädigten Altershaut auftretende Flecken zurückzubilden,[12]

  • die Größe von Mitessern zu reduzieren.


Allerdings ist die Wirkung aufgrund der Molekülgröße nur bei bereits geschädigter Haut nachgewiesen.[12]


Linolsäure wird ohne vorgegebene Höchstkonzentration in Kosmetika eingesetzt.



Nachweis |


Der Nachweis und die Gehaltsbestimmung von Linolsäure wird in der Regel durch Gaschromatographie des Methylesters durchgeführt; ergänzend kann eine Trennung der ungesättigten Isomere mit Silbernitrat-Dünnschichtchromatographie erfolgen.[13]



Technische Verwendung |


Acylglycerine der Linolsäure und der Linolensäure werden als Zusatz zu Firnis und anderen trocknenden Ölen für Beschichtungen (Lacke u. a.) verwendet.



Siehe auch |



  • Konjugierte Linolsäuren – verschiedene Isomere der Linolsäure


Einzelnachweise |




  1. ab Walter Karrer: Konstitution und Vorkommen der organischen Pflanzenstoffe. Springer, 1958, ISBN 978-3-0348-6808-2 (Reprint), S. 310.


  2. abcdef Eintrag zu CAS-Nr. 60-33-3 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Dezember 2016 (JavaScript erforderlich).


  3. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 97. Auflage. (Internet-Version: 2016), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-338.


  4. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Dissociation Constants of Organic Acids and Bases, S. 8-51.


  5. ab Hans-Dieter Belitz, Werner Grosch, Peter Schieberle: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 6. Auflage, Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-73201-3, S. 168.


  6. abcde Eintrag zu Linolsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 22. Juni 2013.


  7. Datenblatt Linoleic acid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 29. Mai 2011 (PDF).


  8. Eintrag zu Safloröl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 22. Juni 2013.


  9. Eintrag zu Hanföl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 22. Juni 2013.


  10. Siegfried Hauptmann: Organische Chemie, 2. durchgesehene Auflage, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1985, ISBN 3-342-00280-8, S. 653–654.


  11. Stichwort „Linoleic Acid“ In: Hans Zoebelein (Hrsg.): Dictionary of Renewable Ressources. 2. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim und New York 1996, ISBN 3-527-30114-3, S. 92.


  12. abcd Jürgen Blecker: Chemie für jedermann. Compact Verlag, 2010, ISBN 3-8174-7856-9, S. 373 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 


  13. B. Breuer, T. Stuhlfauth, H. P. Fock: Separation of fatty acids or methyl esters including positional and geometric isomers by alumina thin-layer chromatography. In: J. of Chromatogr. Science. 25 (1987), S. 302–306.



Weblinks |


  • 3D-Abbildung der kristallinen Linolsäure-Konformation


 Wiktionary: Linolsäure – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen








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