Frédéric Chopin











Frédéric Chopin
Fotoportrait von Louis-Auguste Bisson um 1849



Chopins Unterschrift.svg








































































































































































































































































































Zeittafel
Zur Entstehungszeit der Werke Chopins siehe unten: Werke.
6. April 1807
Geburt von Ludowika, Chopins älterer Schwester.
22. Februar oder 1. März 1810
Geburt Fryderyk Chopins in Żelazowa Wola gegen 18 Uhr.
23. April 1810
Taufe Fryderyks in der Kirche Świętego Rocha i Jana Chrzciciela in Brochów.
September/Oktober 1810
Umzug der Familie Chopin nach Warschau.
9. Juli 1811
Geburt der Schwester Izabela.
20. November 1812
Geburt der Schwester Emilia.
1813
Chopins erste Klavierspielversuche.
1814
Tod des Großvaters François Chopin.
1816
Erster Klavierunterricht bei der Schwester Ludowika.
1817
Erster Klavierunterricht bei Wojciech Żywny. Erstes gedrucktes Werk – Polonaise g-moll (B. 1, KK IIa/1, Cho 161).
24. Februar 1818
Erster öffentlicher Auftritt auf einem Wohltätigkeitskonzert im Radziwiłł-Palais. Chopin spielt das Klavierkonzert g-Moll von Adalbert Gyrowetz.
26. Februar 1818
Chopin schenkt der Mutter des russischen Zaren bei einem Besuch im Warschauer Lyzeum zwei Kompositionen (die Polonaisen g-Moll und B-Dur).
1822
Erster Kompositionsunterricht; zur Vorbereitung auf das Konservatorium übernimmt Józef Elsner den Unterricht.
1823
Aufnahme in das Warschauer Lyzeums.
1825
Auftritt Chopins vor Zar Alexander I., der ihm einen Brillantring schenkt.
Juli 1826
Chopin verlässt das Warschauer Lyzeums ein Jahr früher ohne Reifeprüfung.
28. Juli – 11. September 1826
Reise nach dem Heilbad Bad Reinertz (heute Duszniki-Zdrój) als Begleiter der Schwester Emilia und der Mutter. Benefizkonzert für Waisenkinder.
Oktober 1826 – Juli 1829
Musikstudium am Konservatorium.
10. April 1827
Tod von Emilia, der 14-jährigen, jüngsten Schwester Chopins.
31. Juli – 19. August 1829
Reise nach Wien, Prag, Dresden.
11. August 1829
1. Konzert in Wien.
18. August 1829
2. Konzert in Wien.
21. – 24. August 1829
Besuch Prags nach der Abreise aus Wien.
26. August – 2. September 1829
Besuch Dresdens nach der Abreise aus Prag
1829/1830
Begegnung mit den romantischen Dichtern Stefan Witwicki, Bohdan Zaleski, Seweryn Goszczyński u. a.
17. März 1830
Erstes Konzert im Teatr Wielki in Warschau.
11. Oktober 1830
Abschiedskonzert im Teatr Wielki in Warschau.
2. November 1830
Abreise aus Warschau Richtung Kalisz.
5. November 1830
Abreise aus Kalisz, er verlässt Polen.
6. November 1830
Ankunft in Breslau und Auftritt am 8. November (Rondo aus dem e-Moll Klavierkonzert).
23. November 1830
Nach 8 Tagen Aufenthalt in Dresden und kurzem Aufenthalt in Prag Ankunft in Wien. Beginn des Novemberaufstands in Warschau.
23. November 1830 – 20. Juli 1831
Aufenthalt in Wien
11. Juni 1831
Auftritt Chopins in Wien (Konzert von D. Mattis).
20. Juli 1831
Chopin verlässt Wien und reist über Salzburg, München (Auftritt am 28. August 1831), Stuttgart und Straßburg nach Paris.
8. September 1831
Kapitulation Warschaus, während Chopins Aufenthalt in Stuttgart.
5. Oktober 1831
Ankunft in Paris.
7. Dezember 1831
Robert Schumann veröffentlicht in der „Allgemeinen Musikzeitung“ einen Artikel über Chopin.
25. Februar 1832
Erstes Konzert in Paris in den Salons Pleyel, Rue Cadet 9.
Januar 1833
Fryderyk wird Mitglied der Polnischen Literarischen Gesellschaft in Paris. Beginn der Freundschaft Chopins mit Bellini und Berlioz.
16. Mai 1834
Reise nach Aachen zum Niederrheinischen Musikfest. Besuch in Köln, Koblenz und Düsseldorf –Begegnung mit Felix Mendelssohn Bartholdy.
Sommer 1835
Reise nach Karlsbad, hier trifft er seine Eltern. Reise nach Dresden und Kennenlernen von Maria Wodzińska.
1. August 1835
Chopin erhält einen französischen Pass.
1836
Heimliche Verlobung Fryderyks mit Maria Wodzińska. Rückreise über Leipzig.
Treffen mit Robert Schumann.
Herbst 1837
Erste Begegnung mit George Sand in Paris bei einem Empfang im Hôtel de France.
1837
Fryderyk lehnt den Titel eines Hofpianisten des russischen Zaren ab. Lösen der Verlobung mit Maria Wodzińska.
7. Juli 1837
Chopin als Begleiter von Camille Pleyel für zwei Wochen in London. Treffen mit dem Klavierbauer Broadwood.
12. März 1838
Konzert in Rouen. Chopin spielt sein Klavierkonzert in e-Moll.
April 1838
Beginn der Liebesbeziehung mit George Sand.
18. Oktober 1838
Abreise George Sands mit ihren Kindern nach Mallorca, (Chopin folgt am 27. Oktober).
15. Dezember 1838
Umzug in die Kartause Valldemossa auf Mallorca.
13. Februar 1839
Abreise aus Mallorca.
24. Februar – 22. Mai 1839
Aufenthalt in Marseille
1. Juni–10. Oktober 1839
Chopins 1. Aufenthalt in Nohant.
1839, 1841–1846
Chopin verbringt sieben Sommer in Nohant
26. April 1841
Öffentliches Konzert Chopins in Paris nach sechsjähriger Pause. Konzertkritik von Franz Liszt in der „Gazette Musicale“.
3. Mai 1844
Tod des Vaters Mikołaj Chopin.
Ende Mai 1846 – 11. November 1846
Chopins letzter Aufenthalt in Nohant.
28. Juli 1847
Letzter Brief George Sands an Chopin. Ende der Beziehung
16. Februar 1848
Letztes Konzert in Paris im Konzertsaal der Salons Pleyel, Rue Rocheouart 20.
22. Februar 1848
Ausbruch der Februarrevolution in Paris.
4. März 1848
Letzte, zufällige Begegnung von George Sand und Chopin in Paris.
19. April 1848
Reise mit Jane Stirling nach England und Schottland.
23. November 1848
Rückkehr nach Paris.
29. September 1849
Der sterbenskranke Chopin bezieht die Wohnung in Paris, Place Vendôme 12.
17. Oktober 1849
Tod Fryderyk Chopins gegen zwei Uhr morgens in Paris, Place Vendôme 12.
30. Oktober 1849
Trauergottesdienst in der Kirche La Madeleine in Paris und Begräbnis auf dem Friedhof Père-Lachaise.
17. Oktober 1850
Auf dem Friedhof Père-Lachaise enthüllt Jean-Baptiste Auguste Clésinger das von ihm gestaltete Grabmal mit dem Medaillon Fryderyk Chopins.
1. März 1879
Bestattung von Chopins Herz in der Heilig-Kreuz-Kirche (Kościół Świętego Krzyża) in Warschau.
1927
Gründung des Internationalen Chopin-Wettbewerbs in Warschau.
1949
Chopinjahr aus Anlass seines 100. Todestages.
1960
Chopinjahr aus Anlass seines 150. Geburtstags.
3. Februar 2001
Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz des Erbes von Chopin.
2010
Chopinjahr aus Anlass seines 200. Geburtstags.

Fryderyk Franciszek Chopin (auch Szopen, Szopę und Choppen oder Frédéric François Chopin) (* 22. Februar oder 1. März 1810[1] in Żelazowa Wola, im damaligen Herzogtum Warschau; † 17. Oktober 1849 in Paris) war ein polnischer Komponist, Pianist und Klavierpädagoge. Sein Vater war Franzose, die Mutter Polin. Er besaß die polnische und ab 1835 auch die französische Staatsbürgerschaft. Chopin verbrachte die ersten 20 Jahre seines Lebens bis zur beruflich und politisch motivierten Abreise am 2. November 1830 in Polen und die letzten 18 Jahre ab Oktober 1831 überwiegend in Frankreich. Als Komponist schuf er fast nur Werke für Klavier. Schon zu Lebzeiten galt er als einer der führenden Musiker seiner Zeit. Sein Klavierspiel wurde wegen der Erweiterung und Ausnutzung der technischen und klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes, der Sensibilität des Anschlages, der Neuerungen im Gebrauch des Pedals und im Fingersatz als außergewöhnlich angesehen. Chopin wuchs in liebevoller, anregender häuslicher Atmosphäre auf. Seine lebenslange enge Bindung an Familie und Heimat waren bestimmend für seine Persönlichkeit. Der als Wunderkind geltende Chopin erhielt seine musikalische Ausbildung in Warschau, wo er auch seine ersten Stücke komponierte. Chopins Leben war geprägt von Krankheit. Er starb mittellos und auf die Hilfe von Freunden angewiesen 1849 im Alter von 39 Jahren in Paris, höchstwahrscheinlich an einer Perikarditis (Herzbeutelentzündung) als Folge einer Tuberkulose.


Chopins Kompositionsstil ist beeinflusst von der polnischen Volksmusik, der klassischen Tradition Bachs, Mozarts, Webers, Hummels und Schuberts, besonders aber vom Stil des Belcanto der zeitgenössischen italienischen Oper (Vincenzo Bellini). Von prägendem Einfluss war die Atmosphäre der Pariser Salons, in denen er häufig verkehrte. Hier entfaltete er seine Fähigkeiten in freien Improvisationen am Klavier, die oft zur Grundlage seiner Kompositionen wurden. Seine Neuerungen in allen Elementen der Komposition (Melodik, Rhythmik, Harmonik, Formen) und das Einbeziehen der polnischen Musiktradition mit ihrer Betonung des nationalen Charakters waren für die Entwicklung der europäischen Musik wichtig.


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Inhaltsverzeichnis






  • 1 Familie


    • 1.1 Geburt und Taufe




  • 2 Chopin in Polen (1810–1830)


  • 3 Chopin im Ausland (1830–1849)


    • 3.1 Chopin in Paris (5. Oktober 1831 – 17. Oktober 1849)




  • 4 Chopin und George Sand


  • 5 Die letzten Jahre (1847–1849)


  • 6 Chopin als Künstler


    • 6.1 Chopin als Komponist


    • 6.2 Chopin als Pianist und Klavierpädagoge


      • 6.2.1 Probleme der Aufführungspraxis






  • 7 Die Rezeption Chopins


    • 7.1 Kritik an Chopin




  • 8 Die Editionen des Chopinschen Werkes


    • 8.1 Historische Ausgaben (Auswahl)[84]


    • 8.2 Moderne Urtextausgaben


      • 8.2.1 Henle-Ausgabe


      • 8.2.2 Polnische Nationalausgabe


      • 8.2.3 Die Petersausgaben


      • 8.2.4 Bärenreiter-Ausgabe


      • 8.2.5 Wiener Urtext Edition






  • 9 Chopins kompositorisches Werk


    • 9.1 Werkbeschreibungen (Auswahl)


      • 9.1.1 Balladen


      • 9.1.2 Barcarolle


      • 9.1.3 Berceuse


      • 9.1.4 Etüden


      • 9.1.5 Impromptus


      • 9.1.6 Konzerte


      • 9.1.7 Krakowiak


      • 9.1.8 Lieder


      • 9.1.9 Mazurkas


      • 9.1.10 Nocturnes


      • 9.1.11 Polonaisen


      • 9.1.12 Préludes


      • 9.1.13 Rondos


      • 9.1.14 Scherzi


      • 9.1.15 Sonaten


      • 9.1.16 Tänze


        • 9.1.16.1 Bolero


        • 9.1.16.2 Bourrée


        • 9.1.16.3 Écossaises


        • 9.1.16.4 Tarantella


        • 9.1.16.5 Walzer






    • 9.2 Werke mit Opuszahl


    • 9.3 Werke ohne Opuszahl




  • 10 Chopins Werk in Bearbeitungen und Arrangements


  • 11 Exkurse zu Einzelthemen


    • 11.1 Stammbaum der Familie Chopin


    • 11.2 Französische Staatsbürgerschaft Chopins


    • 11.3 Chopins Herz


    • 11.4 Chopin und die Religion


    • 11.5 Liste der Chopin-Interpreten


    • 11.6 Liste der Chopin-Schüler


    • 11.7 Internationaler Chopin-Wettbewerb


    • 11.8 Chopin in der Zeit des Nationalsozialismus


    • 11.9 Klaviere und Flügel aus der Zeit Chopins


    • 11.10 Schutz des Erbes Chopins




  • 12 Denkmäler und Ehrungen (Auswahl)


  • 13 Darstellung Chopins in Film, Kunst und Literatur


    • 13.1 Filme über Frédéric Chopin (Auswahl)


    • 13.2 Chopin in der Kunst (Auswahl)


    • 13.3 Chopin in literarischen Darstellungen (Auswahl)




  • 14 Literatur


    • 14.1 Werkverzeichnisse


    • 14.2 Literatur und Dokumente zu Leben und Werk




  • 15 Weblinks


    • 15.1 Chopin-Gesellschaften


    • 15.2 Freie Notenausgaben


    • 15.3 Audiodateien




  • 16 Einzelnachweise





Familie |




Grab der Eltern von Chopin; Powązki-Friedhof in Warschau


Chopins Eltern waren der aus Lothringen stammende Sprachlehrer Nicolas Chopin und die Polin Tekla Justyna Chopin, geborene Krzyżanowska. Zur Zeit von Chopins Großeltern wurde Lothringen von König Stanisław Bogusław Leszczyński regiert, der das Herzogtum 1737 als Entschädigung für den Verlust des polnischen Thrones erhalten hatte. Viele seiner polnischen Anhänger, darunter auch Chopins Großvater, Fryderyk Choppen (später Chopin) hatten in Lothringen eine neue Heimat gefunden. Nicolas Chopin, Chopins Vater, nahm die polnische Staatsbürgerschaft an und benutzte als Vornamen die polnische Form „Mikołaj“ [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}miˈkɔwaɪ̯]. Er arbeitete als Bürokraft und Hilfsarbeiter. Nach dem Untergang des Königreiches Polen verdiente er seinen Unterhalt als Hauslehrer für Französisch beim polnischen Adel (Szlachta). Später war er Französischlehrer am Liceum Warszawskie, zunächst als Collaborator und ab 1814 bis zur Schließung der Schule im Jahre 1833 als Gymnasialprofessor.[2]


Die Eltern Chopins verband die Leidenschaft zur Musik: Nicolas spielte Geige und Flöte, Tekla Justyna spielte Klavier und sang. Die Eheschließung fand am 2. April 1804 statt. Sie hatten vier Kinder.



Geburt und Taufe |




Chopins Geburtshaus in Żelazowa Wola, heute ein Museum


Chopin wurde in Żelazowa Wola geboren, einem Dorf in der Gemeinde Brochów, Departement Warschau, im damaligen Herzogtum Warschau.
Er wurde am 23. April 1810 (Ostermontag) in der Kirche Świętego Rocha i Jana Chrzciciela (polnisch „des Heiligen Rochus und Johannes des Täufers“) von Brochów auf die Namen Fryderyk Franciszek getauft. Geburt und Taufe Chopins wurden erst an Ostern, am 23. April 1810 in Brochów registriert.[3]




Gedenktafel in der Kirche des Heiligen Rochus und Johannes des Täufers von Brochów.
In diesem Gotteshaus wurde am 23. April 1810 Fryderyk Chopin getauft, geboren am 22. Februar 1810 in Żelazowa Wola


Die beiden Urkunden verzeichnen als Geburtsdatum den 22. Februar 1810, aber sowohl Chopin als auch seine Mutter gaben als Geburtstag den 1. März 1810 an. In der Familie wurde Chopins Geburtstag immer am 1. März gefeiert. Da beide Daten auf einen Donnerstag fielen, wird heute angenommen, dass sich der Vater, als er bei der Meldung der Geburt zurückrechnete, eine Woche zuviel zählte und fälschlicherweise den 22. Februar als Geburtstag seines Sohnes angab.[4]




Lateinischer Eintrag Fridericus Franciscus Choppen im Kirchenbuch über die Taufe Chopins am 23. April 1810



Chopin in Polen (1810–1830) |




Wojciech Żywny, Chopins erster Klavierlehrer. Ölgemälde von Ambroży Mieroszewski


Kindheit, Jugend und erste Erfolge


Im September/Oktober 1810 zog die Familie nach Warschau in das Sächsische Palais, wo sich das Warschauer Lyceum befand und Nikolaus als Französischlehrer eingestellt wurde. Fryderyk und seine drei Schwestern erhielten eine gründliche Erziehung, die von Herzlichkeit und Toleranz geprägt war. Auf Wunsch seines Vaters erhielt Chopin bis zu seinem 13. Lebensjahr Hausunterricht. Im Alter von fünf Jahren kamen Fryderyk und seine ältere Schwester Ludwika durch die musizierenden Eltern in Kontakt mit dem Klavier. Unter der Anleitung seiner Mutter machte der Junge schnell Fortschritte im Klavierspiel und zeigte eine große manuelle und musikalische Begabung. Die Eltern übergaben 1816 dem Musiklehrer Wojciech Żywny das Kind zur weiteren Ausbildung. Es entwickelte sich rasch zu einem Wunderkind. Żywny legte die technischen Grundlagen, leitete das sechsjährige Kind zu seinen ersten Kompositionen an und bereitete ihn auf seine öffentlichen Auftritte vor.
Seine ersten Kompositionen, die Polonaisen B-Dur und g-Moll stammen aus dem Jahr 1817. Die Presse machte auf die Veröffentlichung des Erstlingswerkes und das außergewöhnliche Talent des Kindes aufmerksam.


Am 24. Februar 1818 trat Fryderyk in einem Konzert auf der Theaterbühne des Radziwiłł-Palastes mit dem Klavierkonzert g-Moll von Adalbert Gyrowetz auf. Das berühmt gewordene Kind wurde bald in die Salons der aristokratischen Elite Warschaus eingeladen und wegen seines Spiels und seiner Fähigkeit zu improvisieren als Attraktion herumgereicht.


1822 beendete Żywny den Klavierunterricht, weil er spürte, dass er dem hochbegabten Kind keine weiteren Impulse mehr geben konnte.
Als Chopins Lehrer für Klavier und Orgel folgte Wilhelm Würfel, ein hervorragender Pianist, der den Jungen mit der modernen Spieltechnik, wie sie die zeitgenössische europäische Klaviermusik des style brillant erforderte, vertraut machte. So lernte Chopin die Werke von Johann Nepomuk Hummel, Carl Maria von Weber, Carl Czerny, Ignaz Moscheles, John Field und Ferdinand Ries kennen. Sie sollten einen nachhaltigen Einfluss auf sein virtuoses Spiel und seinen eigenen Kompositionsstil haben.




Józef Elsner, Porträt von Maksymilian Fajans


Ab 1822 nahm Chopin Privatunterricht in Musiktheorie und Komposition bei dem aus Schlesien stammenden Deutschen Joseph Elsner.





Pałac Czapskich, Warschau. Im linken Gebäude lebte im 3. Stock die Familie Chopin


Chopin besuchte bis 1826 das Königlich-Preußische Lyzeum zu Warschau. Es folgte das Studium an der Musikhochschule, die heute seinen Namen trägt, wo er von Elsner in Kontrapunkt, Generalbass und Komposition weiter unterrichtet wurde. Er komponierte eifrig und legte Elsner die Ergebnisse vor, der dazu feststellte, dass Chopin mit seinem ungewöhnlichen Talent die ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden meide.
Chopins sonstige Interessen waren während seines Musikstudiums weit gefächert.
1827 fand der Umzug der Familie Chopin in den Czapski-Palast (Warschau) statt.


Am 24. Februar 1832 trat Chopin im Rahmen einer Konzertreihe für wohltätige Zwecke mit einem Klavierkonzert von Ferdinand Ries auf und bereits am 3. März 1832 ein weiteres Mal mit dem Klavierkonzert Nr. 5 C-Dur von John Field. Die Rezensionen beider Konzerte würdigten die guten pianistischen und musikalischen Fähigkeiten des jungen Virtuosen.


Unter Elsners Anleitung entstanden 1825 das Rondo in c-Moll op. 1, 1826 das Rondo à la Mazur F-Dur op. 5, 1828 das Rondo C-Dur op. 73 in der Fassung für zwei Klaviere und der Krakowiak, Grand Rondeau de Concert F-Dur Op. 14 für Klavier und Orchester.


Zu Chopins engen Jugendfreunden zählte Tytus Woyciechowski (1808–1879). Er war Studienkollege Chopins am Warschauer Lyceum und häufiger Gast der Familie Chopin. Jugendfreunde, wie Tytus Woyciekowski, Jan Biafobłocki, Jan Matuszyński, Dominik Dziewanowski und Julian Fontana blieben ihm lebenslang verbunden. Woyciechowski hatte wie Chopin bei Vojtěch Živný Klavierunterricht und studierte dann Jura an der Universität Warschau. Chopin widmete ihm sein Opus 2, die Variationen über Mozarts Duett Là ci darem la mano (italienisch wörtl. Dort werden wir uns die Hand geben, Reich mir die Hand mein Leben) aus der Oper Don Giovanni. Er war der Vertraute während Chopins Liebesbeziehung zu der Sängerin Konstancja Gładkowska (1810–1889), die am Warschauer Konservatorium ausgebildet wurde. Im Jahr 1829, während eines Konzerts von Solisten der Universität, traf sie Fryderyk Chopin, dessen erste Liebe und Inspiration sie wurde. Als Chopin im Herbst 1830 das Land verließ, sang sie bei seiner Abschiedszeremonie. Die Korrespondenz zwischen den Liebenden endete nach einem Jahr.
Schon in seiner Jugend war Chopin viel gereist. Reisen waren bis an sein Lebensende Bestandteil seines Lebens. Seine Interessen waren breit gestreut. Er besuchte Museen, Ausstellungen, Konzerte und Opern, Bibliotheken, Universitäten und bewunderte Bauwerke und deren Architektur.
Zu Chopins Zuhörern und Förderern gehörten die reichsten polnischen Familien, wie Radziwiłł, Komar, Potocki, Lubomirski, Plater, Czartoryski u. a., die teils auch später als Emigranten in Paris und als Förderer seiner Kunst eine große Rolle in Chopins Laufbahn spielen sollten.


Ohne selbst zum hohen Adel zu zählen, hatte Chopin seit seiner Kindheit aufgrund seines musikalischen Talentes Umgang mit Adelsfamilien. Dies hatte neben seiner familiären Sozialisation einen wichtigen Einfluss auf seine Persönlichkeitsentwicklung. Zeit seines Lebens war ihm wichtig, sich in hohen Kreisen angemessen bewegen zu können, angesehen und geachtet zu sein.




Protektorki Chopina („Fördererinnen Chopins”): Eliza Radziwiłłówna, Izabela Czartoryska, Delfina Potocka


Im Juli 1829 beendete Chopin sein Studium. In Elsners Beurteilung heißt es: „Szopen Friderik. Besondere Begabung, musikalisches Genie“ (polnisch „Szopen Friderik. Szczególna zdolność, geniusz muzyczny“).[5]
Ein Gesuch beim zuständigen Minister um Unterstützung bei der Finanzierung einer längeren Auslandsreise zur Weiterbildung des jungen Künstlers hatte keinen Erfolg. So entschied die Familie, Frédéric für einige Zeit nach Wien reisen zu lassen.


1. Aufenthalt in Wien (31. Juli – 19. August 1829)


Die Reise begann im Juli 1829 in Begleitung von vier Bekannten. Stationen waren Krakau (eine Woche Aufenthalt), Bielsko, Cieszyn und Mähren. Nach der Ankunft in Wien am 31. Juli 1829 besuchte Chopin polnische Freunde und den Verleger Tobias Haslinger, der versprach Chopins 1827/28 entstandenes Opus 2, Variationen über das Duett „Là ci darem la mano“ (deutsch „Reich mir die Hand, mein Leben“) aus Mozarts Don Giovanni für Klavier und Orchester, herauszubringen unter der Bedingung, dass Chopin es vorher in einem Konzert spielte und positive Kritiken den Verkauf förderten. Das Konzert fand am 11. August 1829 im Wiener Kärntnertortheater statt. Chopin spielte neben der Uraufführung der Mozart-Variationen op. 2 noch eine „Freie Fantasie“, das heißt eine Improvisation über ein Thema aus der Oper La dame blanche (deutsch Die weiße Dame) von François-Adrien Boieldieu.[6] Das Konzert wurde bei den Zuhörern und der Presse als Erfolg gefeiert und führte zu Begegnungen Chopins mit Vertretern der Wiener Musikszene, sowie einem zweiten, noch erfolgreicheren Konzert, in dem Chopin neben seinen Mozartvariationen auch den Krakowiak, Grand Rondeau de Concert F-Dur op. 14 spielte.
Über die im Wiener Verlag Tobias Haslinger erschienene Notenausgabe brachte die AmZ vom 7. Dezember 1831 unter dem Titel Ein Opus II. eine huldigende Rezension von Robert Schumann, die mit dem Ausruf „Hut ab, Ihr Herren, ein Genie“ eingeleitet wurde. Und weiter: „Chopin kann nichts schreiben, wo nicht spätestens nach dem siebten, achten Takt ausgerufen werden muss: Das ist Chopin!“ An anderer Stelle: „Chopins Werke sind wie unter Blumen verborgene Kanonen“,[7]
Chopin verließ mit seiner Begleitung Wien am 19. August 1829. Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Prag (bis zum 25. August 1829), einer ausgiebigen Besichtigung der Baudenkmäler und Gemäldegalerie Dresdens sowie dem Besuch einer Aufführung von Goethes Faust, erfolgte die Abreise aus der sächsischen Hauptstadt am 29. August 1829. Der Rückweg nach Warschau, das am 10. September 1829 erreicht wurde, erfolgte über Breslau und Kalisz.


In Warschau bis zur Ausreise (10. September 1829 – 2. November 1830)


Nach der Rückkehr aus Wien widmete sich Chopin intensiv dem Musikleben Warschaus und dem eigenen Schaffen. Wichtige Werke aus dieser Zeit sind das Klavierkonzert f-Moll op. 21, einige der Etüden op. 10, die Polonaise f-Moll op. 71 Nr. 3 und die Walzer op. 70 Nr. 1–3.
Die Uraufführung des f-Moll Klavierkonzertes fand in kleinem, privatem Rahmen vor geladenen Gästen am 7. Februar 1830. Die öffentliche Aufführung erfolgte am 17. März 1830 im Nationaltheater am Krasiński-Platz in Warschau. Die Rezensionen des Konzertes, in dem Chopin auch seine Grande Fantaisie sur des air polonais A-Dur op. 13 spielte, waren sehr positiv. Am 22. März 1830 trat Chopin erneut im gleichen Theater auf. Dieses Mal spielte er neben dem f-Moll Klavierkonzert den Krakowiak, Grand Rondeau de concert F-Dur op. 14 und Improvisationen über Themen aus polnischen Opern. Auch dieses Konzert war sehr erfolgreich. Es entstanden noch vor der endgültigen Abreise Chopins u. a. die Nocturnes op. 9 und das Klavierkonzert e-Moll op. 11 (später als 1. Klavierkonzert veröffentlicht)


Sein letztes Konzert in Polen gab Chopin am 11. Oktober 1830 im Nationaltheater Warschau (Teatr Narodowy) mit der Wiedergabe seines Klavierkonzertes e-Moll (op. 11) und der Grande Fantaisie sur des Airs Nationaux Polonais pour le Pianoforte avec accompagnement d’Orchestre („Große Fantasie über polnische Weisen für das Pianoforte mit Orchesterbegleitung” A-Dur op. 13) unter der Leitung von Carlo Evasio Soliva.



Chopin im Ausland (1830–1849) |


Chopin wusste, dass die wirklich großen Musiker nicht in Warschau und auch nicht mehr in Wien, sondern in Paris, der Hochburg für Künstler aus aller Welt im 19. Jahrhundert, zu finden waren. Die Größe eines Pianisten wurde damals am Erfolg in dieser Metropole gemessen. Erstmals schickten ihn seine Eltern und sein Lehrer 1829 für drei Wochen nach Wien, um seine künstlerischen Erfahrungen zu erweitern.


Chopin verlässt Polen (2. November 1830)




Gedenktafel für Frédéric Chopin, Wien, Kohlmarkt 9.


Chopin verließ Polen am 2. November 1830 im Alter von 20 Jahren – auch auf Drängen seines Vaters vor der drohenden Revolte – und reiste über Kalisz, Breslau, Prag und Dresden nach Wien, wo er am 23. November 1830 ankam. Die Freunde überreichten ihm am letzten Abend einen Silberpokal mit polnischer Erde und sangen ihm am Stadtrand noch ein Abschiedslied, das folgenden Refrain enthielt:





  • Abschiedslied (polnisch) 


Zrodzony w polskiej krainie,

niech Twój talent wszędzie słynie,

a gdy będziesz nad Dunajem,

Spreją, Tybrem lub Sekwaną,

niechaj polskim obyczajem

ogłaszanymi zostaną

Przez twe zajmujące tony,

Co umila nasze strony:

Mazur i Krakowiak luby,

stąd szukaj zachwytu, chluby,

nagrody, talentu, trudów,

Że głosząc pieśń naszych ludów,

jako ich współziomek prawy,

przydasz wieniec do ich sławy.


Chór:

Choć opuszczasz nacze kraje,

Lecz serce Twoje wpośród nas zostaje;

pamięć Twojego talentu istnieć u nas będzie …

Życzym Ci serdecznie pomyślności wszędzie.[8]







„Refrain:

Obwohl du unsere Lande verlässt,

bleibt dennoch dein Herz mitten unter uns;

die Erinnerung an dein Talent wird bei uns fortbestehen …

Wir wünschen dir von Herzen überall Erfolg.“[9]





Zweiter Aufenthalt in Wien (23. November 1830 – 20. Juli 1831)





Hammerflügel von Conrad Graf, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim


Chopin kam nach einem viertägigen Aufenthalt in Breslau (mit einem Konzert am 8. November 1830) und einer Woche in Dresden mit seinem Freund Tytus Woyciechowski am 23. November 1830 in Wien an. Chopin versuchte vergeblich, den Musikverleger Carl Haslinger,
der ihn freundlich empfing, zu bewegen, seine Kompositionen (Sonate, Variationen) herauszugeben. Der Wiener Musikgeschmack hatte sich geändert, sodass er während seines achtmonatigen Aufenthalts – im Gegensatz zu seinem ersten Aufenthalt in Wien – nur ein öffentliches Konzert am 11. Juni 1831 gab. Es fand im Kärntnertortheater im Rahmen der sogenannten Akademien statt. Chopin spielte in diesem Benefizkonzert ohne Honorar sein Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11. Die Presse lobte zwar sein Klavierspiel, aber nicht die Komposition.


Folgen des Novemberaufstands in Polen (29. November 1830)


Anfang Dezember 1830 erreichte Chopin in Wien die Nachricht, dass am Abend des 29. November 1830 der Novemberaufstand gegen die russische Herrschaft in Warschau ausgebrochen war. Woyciechowski verließ Wien, um am Aufstand teilzunehmen und hinterließ einen einsamen, von Heimweh geplagten Chopin. Nach einem Aufenthalt von über sieben Monaten, den Chopin als enttäuschend empfand, weil er zwar als Pianist Anerkennung fand, nicht jedoch als Komponist, und er von Sorge über das ungewisse Schicksal Polens geprägt war, verließ Chopin am 20. Juli 1831 Wien.


Die komplizierten Ausreiseformalitäten – Chopin war Pole und damit Untertan des russischen Zaren – brachten es mit sich, dass Chopin, trotz seines erstrebten Reisezieles Paris, auf Anraten eines Freundes einen Antrag auf einen Pass nach England stellte, weil er für die Einreise nach Paris weder von den österreichischen noch von den russischen Behörden Unterstützung erhoffen konnte. Sein Gesuch wurde von der russischen Botschaft in Wien abgelehnt. Es gelang ihm aber, ein Visum nach Frankreich zu erhalten. Sein Reisepass trug den Vermerk „passant par Paris à Londres“. Chopin sagte später in Paris öfter scherzhaft, er halte sich hier nur „en passant“ – auf der Durchreise – auf. Chopin hatte jedoch die Absicht, wenigstens drei Jahre in Paris zu bleiben. Er fuhr über Salzburg nach München , wo er am 28. August 1831 in der Philharmonie das Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11 und die Grande Fantaisie sur des airs polonais A-Dur op. 13 spielte. In Stuttgart, das er Anfang September 1831 erreichte, erfuhr er von der Niederschlagung des polnischen Aufstandes und der am 8. September 1831 erfolgten Kapitulation Warschaus. Er setzte die Reise über Straßburg nach Paris fort, wo er als ein völlig Unbekannter am 5. Oktober 1831 ankam.[10] Er hatte lediglich ein Empfehlungsschreiben an die in Paris wirkenden Komponisten Luigi Cherubini und Ferdinando Paër.


Frankreich, insbesondere Paris, sollte bis zu seinem Tod Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens bleiben.



Chopin in Paris (5. Oktober 1831 – 17. Oktober 1849) |




Porträt Friedrich Kalkbrenners von Auguste Marc Edmé Bry. (1805–1880), nach einer Zeichnung von Alphonse Farcy (1817–?)


Der italienische Komponist und Hofkapellmeister Ferdinando Paër setzte sich bei den Behörden für Chopin ein, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen. Chopin war von Paris fasziniert. Hier lernte er Friedrich Kalkbrenner kennen, den er als Pianisten schätzte und der das Angebot machte, ihn drei Jahre lang zu unterrichten. Damit hätte sich Chopin auch verpflichtet, für diesen Zeitraum auf Auftritte zu verzichten. Kalkbrenner hatte das außergewöhnliche Talent Chopins erkannt und wollte im Musikbetrieb womöglich Konkurrenz vermeiden. Chopin lehnte den Vorschlag ab, in der Sorge, seine persönliche Art des Klavierspiels zu verlieren.


Bei Chopins Ankunft in Paris am 5. Oktober 1831 herrschte eine Zeit der wirtschaftlichen Krise, die immer wieder zu Demonstrationen führte. Unruhe, Not und Verbitterung kennzeichneten die Stimmung der Arbeiterklasse. Chopin war in einer schlechten körperlichen und seelischen Verfassung. In einem Brief an Titus Woyciechowski vom 25. Dezember 1831 beschrieb er seine Lage:





  • Brief Chopins an Tytus Woyciechowski (polnisch) 

… moje zdrowie nędzne; wesoły jestem zewnątrz, szczególniej między swoimi (swoimi nazywam Polaków), ale w środku coś mnie morduje – jakieś przeczucia, niepokoje, sny albo bezsenność – tęsknota – obojętność – chęć życia, a w moment chęć śmierci – jakiś słodki pokój, jakieś odrętwienie, nieprzytomność umysłu, a czasem dokładna pamięć mnie dręczy. Kwaśno mi, gorzko, słono, jakaś szkaradna mieszanina uczuć mną miota!|Fryderyk Chopin do Tytusa Woyciechowskiego, Paryż, 25 decemb[ra] 1831.[11]





„… meine Gesundheit ist jämmerlich. Ich bin äußerlich fröhlich, besonders unter den Unsrigen (mit Unsrigen meine ich die Polen), aber im Inneren plagt mich etwas – irgenwelche Vorahnungen, Unruhe, Träume oder Schlaflosigkeit – Sehnsucht – Gleichgültigkeit – der Wille zu leben und dann wieder Todesverlangen – irgendein süßer Friede, irgendeine Erstarrung, Geistesabwesenheit und manchmal quält mich eine genaue Erinnerung. Mir ist sauer, bitter, salzig zumute, eine hässliche Mischung von Gefühlen wirft mich hin und her!“




Frédéric Chopin: Brief an Titus Woyciechowski, Paris, 25. Dezember 1831.[12]





L'Hôtel Cromot du Bourg (Hofseite), Paris, 9 rue Cadet. Hier, in den salons der Firma Pleyel (1. Etage) gab Chopin am 25. Februar 1832 sein erstes Konzert in Paris. Die Räume sind erhalten geblieben, wurden 2018 restauriert und werden gewerblich genutzt.




Das Hôtel Lambert auf der Île Saint-Louis in Paris, ein Zentrum der polnischen Emigranten zur Zeit Chopins.




Chopins Polonaise – ein Ball im Hôtel Lambert in Paris, Anton Teofil Kwiatkowski (1809–1891), Nationalmuseum Posen (Muzeum Narodowe w Poznaniu).


In Paris hatte Chopin nach seiner Ankunft am 5. Oktober 1831 erste Kontakte mit polnischen Emigranten, die im Zuge der sogenannten Großen Emigration (polnisch: Wielka Emigracja) aus Polen gekommen waren.
Bald war Chopin Gast in den wichtigsten einflussreichen Pariser Salons. Von besonderer Bedeutung für Chopin sollten die salons genannten Räume des Gebäudes der Klaviermanufaktur von Camille Pleyel in der Rue Cadet Nr. 9 werden.[13] Hier fand am 25. Februar 1832 durch Vermittlung des Pianisten Friedrich Kalkbrenner, der auch Teilhaber der Firma Pleyel war, das erste Konzert Chopins in Paris statt.[14] Es war ein großer Erfolg und legte den Grundstein für die erfolgreiche Karriere Chopins als Komponist, Pianist und vor allem als gesuchter Klavierlehrer von Angehörigen der Aristokratie. Das gedruckte Programm dieses Grand Concert Vocal et Instrumental, donné par M. Frédéric Chopin, de Varsovie ist erhalten.[15] Chopin spielte sein Klavierkonzert in e-Moll (nicht das in f-Moll, wie man lange Zeit glaubte),[16] seine Grandes Variations brillantes sur un thème de Mozart op. 2 und gemeinsam mit Kalkbrenner, Mendelssohn Bartholdy, Hiller, Osborn und Sowenski die Grande Polonaise op. 92 von Kalkbrenner in einer Bearbeitung für sechs Klaviere.




Paris, Square d’Orléans (Panoramabild). Rechts im Eingangsbereich (Nr. 9) Chopins Wohnung, links hinter den Bäumen (Nr. 5) die Wohnung von George Sand.




Paris, Square d’Orléans Nr. 9. Chopins Wohnung 1842–1849 rechts im Bild.




Gedenktafel an Chopins Wohnung in Paris, Square d’Orléans Nr. 9.
„Frédéric Chopin bewohnte dieses Haus von 1842 bis 1849“.




Paris, Square d’Orléans Nr. 5. George Sands Wohnung 1842–1847.




Gedenktafel an George Sands Wohnung in Paris, Square d’Orléans Nr. 5.
„George Sand bewohnte die 1. Etage dieses Hauses von 1842 bis 1847“. Die Gesellschaft (Die Freunde George Sands).


In den 18 Jahren, die Chopin von 1831 bis zu seinem Tode im Jahr 1849 im Wesentlichen in Paris verbrachte, wohnte er in neun verschiedenen Wohnungen:[17]









































Pariser Wohnungen Frédéric Chopins
Zeitraum

27 boulevard Poissonnière
Anfang Oktober 1831 – Juni 1832.
4 cité Bergère
Ende 1832 – Juni 1833.
5 rue de la Chaussée d’Antin
Juni 1833 – September 1836.
38 rue de la Chaussée d’Antin
September 1836 – September 1839.
5 rue Tronchet
Oktober 1839 – November 1841.
16 rue Piga
9 square d’Orléans
Herbst 1842 – Juni 1849, (von April bis November 1848 hielt sich Chopin in England auf).
74 rue de Chaillot
Juni 1849, nur für 10 Wochen.
12 place Vendôme
Ende September 1849 bis zum Tod am 17. Oktober 1849.

Wirtschaftliche Situation


Chopin bestritt seinen Lebensunterhalt in erster Linie mit Klavierunterricht. Zu Chopins Zeit war das Klavier ein weitverbreitetes Instrument, das vorwiegend von Frauen erlernt wurde. Seine große Beliebtheit seit Beginn des 19. Jahrhunderts, die von manchen Beobachtern wie Heinrich Heine in Paris oder Eduard Hanslick in Wien sehr kritisch beurteilt wurde, hat mehrere Gründe. Der Sozialphilosoph Max Weber sagt, dass das Klavier seinem „ganzen musikalischen Wesen nach ein bürgerliches Hausinstrument“ sei.[18] Es eröffnet durch seine, aus der Sicht des Benutzers, einfache Tonerzeugung einen unmittelbaren Zugang, auch für Laien, zu verschiedenen Arten von Musik, vom einfachen Kinderlied bis zur virtuosen Konzertliteratur. Durch seinen frühzeitigen Verkehr in den Pariser Salons der Aristokratie und auch der Welt der Politik und Finanzen, die Protektion der polnischen adeligen Emigranten und nicht zuletzt aufgrund des durchschlagenden Erfolges seines ersten Konzertes in Paris (25. Februar 1832) war Chopin bald ein gesuchter, gut bezahlter Klavierlehrer, dessen Schülerinnen und Schüler vorwiegend aus den Kreisen des Adels und den einflussreichen Milieus von Politik und Finanzen stammten.
Chopin hatte ab 1833 ein geregeltes Einkommen, das er durch Honorare für Konzerte und Kompositionen, die er manchmal gleichzeitig Verlegern in Frankreich, England und Deutschland anbot, zusätzlich aufstocken konnte.
Wie aus Briefen an seine Freunde hervorgeht, war Chopin von der Entlohnung und dem Umgang mit seinen Kompositionen manchmal sehr enttäuscht. Er hatte dann keine Scheu, beleidigende und vom heutigen Standpunkt aus gesehen, antisemitische Äußerungen zu verwenden.


Chopin betrieb einen aufwendigen Lebensstil. Er leistete sich eine private Kutsche, hatte Bedienstete und legte Wert auf teure Kleidung. Er unterrichtete täglich etwa fünf Stunden. Das Unterrichtshonorar betrug 20 Francs. (Zur Kaufkraft: Eine Kutschenfahrt durch Paris kostete 1 Franc). Bei Hausbesuchen verlangte er 30 Francs pro Stunde, was einem heutigen Wert von etwa 200 € entspricht. Eine Unterrichtsstunde dauerte 45 Minuten, die er jedoch bei seinen begabten Schülern verlängerte. Der Unterricht bei Chopin wurde zu einem Statussymbol. Er hatte in Paris etwa 150 Schüler.[19]


Insgesamt hatte Chopin etwa 30 öffentliche Auftritte, davon fünf in Warschau, zwei in Bad Reinerz, einen in Breslau, drei in Wien, einen in München, drei in London, je einen in Rouen, Manchester, Glasgow und Edinburgh. Er zog dabei in Paris, wo er zwölf Konzerte gab – im Gegensatz zu Liszt – die intime Atmosphäre der Pariser Salons den großen Konzertsälen vor.


Gesellschaftliches Leben in Paris und Freundeskreis




Innenhof der Bibliothèque Polonaise de Paris, dem Sitz der Polnischen Historisch-Literarischen Gesellschaft auf der Île Saint-Louis am Quai d’Orléans 6 in Paris, mit Namenstafeln verdienter Persönlichkeiten, einschließlich Chopin (linke obere Tafel).


Chopin wurde 1832 eines der ersten Mitglieder der am 29. April 1832 in Paris von polnischen Emigranten gegründeten Société littéraire polonaise (französisch Polnische literarische Gesellschaft, polnisch Towarzystwo Literackie w Paryżu). Erster Präsident war Fürst Adam Jerzy Czartoryski, Vizepräsident Ludwik Plater.[20]


Zu Chopins Zeit wurden in Paris etwa 850 Salons geführt, halb private, in großen Häusern übliche Zusammenkünfte von Freunden und Kunstsinnigen, die sich mit gewisser Regelmäßigkeit, wöchentlich oder monatlich, zum Abendessen, Gesprächen und Musik trafen. Wer in diesen Zirkeln der Pariser Großbürger verkehrte, der hatte es zu gesellschaftlicher Reputation gebracht. Am wohlsten dürfte sich Chopin in den Künstlersalons gefühlt haben, wo er unter seinesgleichen verkehrte und Musizieren und Gedankenaustausch intellektuelles Niveau sicherten.


Ein Zeichen für die gesellschaftliche Anerkennung, die Chopin in Paris genoss, ist die Einladung, der königlichen Familie, im Palast in den Tuilerien zu spielen. Er erhielt jedes Mal ein Geschenk, mit der eingravierten Inschrift: Louis-Philippe, Roi des Français, à Frédéric Chopin (Louis Philippe, König der Franzosen, an Frédéric Chopin).
1880)]]





Julian Fontana um 1860. Freund und Famulus Chopins





Fryderyk Chopin und George Sand
Zwei getrennte Teile eines Bildes von Eugène Delacroix, 1838. Das unvollendete Gemälde (Öl auf Leinwand) wurde nach dem Tod des Malers 1863 zerschnitten und die beiden Teile einzeln verkauft. Sie hängen heute in Paris (Chopin: 46 × 38 cm, (Musée du Louvre) und Kopenhagen (George Sand: 79 × 57 cm (Ordrupgaard Museum).





George Sand 1838. Gemälde von Auguste Charpentier (1815–1880)




Selbstporträt Maria Wodzińskas


Zu Chopins Freundeskreis zählten die Dichter Alfred de Musset, Honoré de Balzac, HeinrichHeine und Adam Mickiewicz, der Maler Eugène Delacroix, die Musiker Franz Liszt, Ferdinand von Hiller, der Cellist Auguste-Joseph Franchomme.
Von besonderer Bedeutung für Chopin war der gleichaltrige Julian Fontana, mit dem ihn seit der Kindheit eine lebenslange Freundschaft verband. Bis zu seiner Emigration in die Vereinigten Staaten (1841) war er für Chopin unentbehrlich als Kopist, Arrangeur, Sekretär und Impresario, der auch mit den Verlegern verhandelte und sich um die Alltagsgeschäfte seines Freundes kümmerte. Nach Chopins Tod veröffentlichte er – gegen den früher geäußerten Willen des Komponisten, aber mit Zustimmung der Familie – einige nachgelassene Werke mit den Opuszahlen 66–73 (erschienen 1855) und opus 74 (erschienen 1859).[21]
Der Pianist, Musikverleger und Klavierfabrikant Camille Pleyel gehörte von Anfang an zu den wichtigsten Personen in Chopins Pariser Zeit. Es war eine von Freundschaft und gegenseitigem Respekt geprägte berufliche Zusammenarbeit, die beiden zugute kam. Die Klaviere und Flügel, die Pleyel Chopin kostenlos zur Verfügung stellte, waren für Chopin, wie er es ausdrückte, das non plus ultra des Klavierbaus und für Pleyel war Chopin ein geschätzter Werbeträger, wie aus den Verkaufsstatistiken der Firma hervorgeht.[22]


Reisen und Verlobung: Aachen (1834), Karlsbad (1834), Leipzig (1835)


Im Mai 1834 reiste Chopin nach Aachen zum Niederrheinischen Musikfest. Er besuchte Köln, Koblenz und Düsseldorf, wo er Felix Mendelssohn Bartholdy begegnete. Im Sommer reiste er nach Karlsbad, wo er seine Eltern traf. Nach seiner Weiterreise nach Dresden lernte er Maria Wodzińska (1819–1896) kennen. Er traf sie und ihre Familie 1836 in Marienbad wieder, wo sie zur Kur weilten und es – trotz des Protestes ihres Onkels – zur Verlobung von Chopin und Wodzińska kam. Marias Mutter bestand aber darauf, dass diese bis zum Sommer des darauffolgenden Jahres geheimgehalten wurde.


1835 machte Chopin in Leipzig, vermittelt durch Felix Mendelssohn Bartholdy, Bekanntschaft mit Clara und Robert Schumann sowie 1836 mit Adolph von Henselt in Karlsbad. Nur ein Jahr später wurde die Verlobung mit Maria Wodzińska – wohl auf Drängen ihrer Eltern wegen des angeschlagenen Gesundheitszustands Chopins – wieder aufgelöst.


Polnischer Patriot
Trotz seiner Erfolge und starken Verwurzelung im kulturellen Leben von Paris, sowie eines großen Freundeskreises, der die polnischen Emigranten einschloss, sehnte sich Chopin nach Polen und seiner Familie und litt, wie aus seinen Briefen und Aussagen hervorgeht, unter ständigem Heimweh. Zeitlebens bestand Chopin auf der polnischen Aussprache seines französischen Nachnamens: [ˈʃɔpɛn]. Sein Heimatgefühl und seinen Nationalstolz drückte er besonders in seinen Mazurken und Polonaisen aus. Der Ausdruck der Sehnsucht, Nostalgie und Schwermut (polnisch ”żal”) wurde neben der Betonung des Polentums (polnisch „polskość“) zu einem Merkmal seiner Musik und machte ihn zu einem der am meisten gespielten Komponisten der Musikgeschichte. Als glühender polnischer Patriot stand er ganz auf der Seite des Widerstands gegen das zaristische Russland, das das sogenannte Kongresspolen besetzt hielt. Wenn vor Weihnachten ein polnischer Wohltätigkeitsbasar stattfand, half Chopin bei dessen Organisation. Sein Patriotismus und seine Sehnsucht nach Polen blieben eine Inspirationsquelle für viele seiner Kompositionen. Inspiriert durch den Aufstand entstand seine Revolutionsetüde (Opus 10 Nr. 12).[23]


1837 erhielt Chopin über Graf Carlo Andrea Pozzo di Borgo das Angebot, Hofkomponist und -Pianist des Zaren Nikolaus I. zu werden. Hintergrund war ein Konzert, das Chopin im Mai 1825 auf einem Aeolomelodicum (einer Orgelvariante) vor seinem Vorgänger, Zar Alexander I. noch in Warschau in der Dreifaltigkeitskirche gegeben hatte. Chopin lehnte das Angebot ab.



Chopin und George Sand |


Chopin sah die erfolgreiche Schriftstellerin Amandine Aurore Lucile Dupin de Francueil alias George Sand zum ersten Mal im Herbst 1836 bei einem Empfang im Hôtel de France in Paris, wo Franz Liszt und seine Geliebte Marie d’Agoult, aus der Schweiz kommend, abgestiegen waren. Seine erste Reaktion auf diese in Männerkleidung auftretende, Zigarren rauchende Frau war Ablehnung. Der 27-jährige Chopin war wegen einer unglücklichen Liebe zu der damals 18-jährigen Maria Wodzińska in eine Lebenskrise geraten. Maria Wodzińska und die 33-jährige George Sand waren jedoch grundverschieden. Im Gegensatz zu Wodzińska war George Sand eine selbstbewusste, provozierende und widersprüchliche Persönlichkeit. Die Initiative für die Beziehung mit Chopin ging von ihr aus. Ihr neunjähriges Verhältnis mit Chopin, eine Liebesbeziehung, geprägt anfangs von Vertrauen, gegenseitiger Wertschätzung, Zärtlichkeit, aber später auch von Eifersucht, Hass und Misstrauen, lässt manche Fragen offen.


George Sand war eine leidenschaftliche Frau, die eine Reihe zumeist jüngere Liebhaber hatte. Das Verhältnis der damals 32-Jährigen zu dem sechs Jahre jüngeren Chopin war von Anfang an von sehr unterschiedlichen emotionalen und sexuellen Bedürfnissen geprägt. George Sand hat zahlreiche an sie gerichtete Briefe vernichtet, was die Beurteilung der Beziehung erschwert. Deutliche Hinweise gibt jedoch ein zweiunddreißig Seiten langer Brief George Sands an Chopins Freund Wojciech Grzymała (1793–1871) von Ende Mai 1838, in dem sie ihn um Rat bat. Sie befand sich in einem Zwiespalt, weil sie noch eine Beziehung zu dem Schriftsteller Félicien Mallefille unterhielt, aber andererseits eine Zuneigung zu Chopin gefasst hatte, über dessen Gefühle zu ihr sie im Unklaren war. Es muss aber auf jeden Fall zu einer näheren Begegnung der beiden gekommen sein.





  • Brief George Sands an Albert Grzymala (französisch) 




« Et puisque je vous dis tout, je veux vous dire qu’une seule chose en lui m’a déplu, [c’est qu’il avait eu lui-même de mauvaises raisons pour s’abstenir. Jusque là, je trouvais beau qu’il s’abstînt par respect pour moi, par timidité, même par fidélité pour une autre. Tout cela était du sacrifice et par conséquent de la force et de la chasteté bien entendues. C’était là ce qui me charmait et rne séduisait le plus en lui. Mais chez vous, au moment de nous quitter, et comme il voulait surmonter une dernière tentation, il m’a dit deux ou trois paroles qui n’ont pas répondu à mes idées.] Il semble faire fi, à la manière des dévots, des grossièretés humaines et rougir des tentations qu’il avait eues, et craindre de souiller notre amour par un transport de plus. Cette manière d’envisager le dernier embrassement de l’amour m’a toujours répugné. Si ce dernier embrassement n’est pas une chose aussi sainte, aussi pure, aussi dévouée que le reste, il n’y a pas de vertu à s’en abstenir. [Ce mot d’amour physique dont on se sert pour exprimer ce qui n’a de nom que dans le ciel, me déplaît et me choque, comme une impiété et comme une idée fausse en même temps. Est-ce qu’il peut y avoir, pour les natures élevées, un amour purement physique et, pour des natures sincères, un amour purement intellectuel?] Est-ce qu’il y a jamais d’amour sans un seul baiser et un baiser d’amour sans volupté ? »




– George Sand à Albert Grzymala, fin mai 1838 (ungekürzter Ausschnitt)[24]






„Und da ich Ihnen alles sage, will ich Ihnen auch sagen, dass mir eine einzige Sache an ihm missfallen hat. […] Er schien, nach Art der Frömmler, die groben menschlichen Begierden zu verachten und zu erröten über seine Versuchungen, und er schien zu fürchten, unsere Liebe durch eine stärkere Erregung zu beschmutzen. Diese Art der Betrachtung der äußersten Liebesvereinigung hat mich immer abgestoßen. Wenn diese letzte Umarmung nicht eine ebenso heilige und reine Sache ist wie alles andere, so liegt keinerlei Tugend darin, sich ihrer zu enthalten […] Kann es denn jemals Liebe geben ohne einen einzigen Kuss und einen Kuss der Liebe ohne Wollust?““




– George Sand: Brief an Albert Grzymala, Mai 1838 (gekürzter Ausschnitt)[25]


In der Zeit der neun Jahre dauernden Beziehung hielt sich das Paar abwechselnd in Paris und auf George Sands Landsitz, dem heutigen Maison de George Sand, in Nohant-Vic, auf.


Der Aufenthalt auf Mallorca (November 1838 – 13. Februar 1839)




Zelle Nr. 4 im Kartäuserkloster in Valldemossa, Mallorca. Auf dem Pleyelklavier[26]erklang das Regentropfen-Prélude zum ersten Mal.


Am 18. Oktober 1838 begann George Sand mit ihren Kindern Maurice und Solange eine Reise nach Mallorca. Der Entschluss hierzu beruhte auf ärztlichem Rat, denn man erhoffte eine Verbesserung des Gesundheitszustands von Maurice, der an Rheumatismus erkrankt war. Da Chopin an Tuberkulose litt und sich eine Besserung durch ein milderes Klima erhoffte, folgte er am 27. Oktober 1838 der Familie nach. Während Maurice sich erholte, stand für Chopin der Aufenthalt in der Kartause von Valldemossa unter keinem guten Stern. Die Räumlichkeiten waren kalt und feucht, das Wetter sehr schlecht. Hinzu kam die ablehnende Haltung der Mallorquiner gegenüber dem nicht verheirateten Paar, und auch der Argwohn, dass das Husten Chopins auf eine ansteckende Krankheit deute. Der Hotelier in Palma, wo sich die Gruppe zuerst aufhielt, berechnete den Urlaubern die gesamte Zimmereinrichtung, da er sie wegen Ansteckungsgefahr ersetzen müsse.


Schon bald zeigten sich bei Chopin alle Anzeichen einer Lungenentzündung, wie George Sand später schriftlich beklagte. Am 13. Februar 1839, nach dreieinhalb Monaten, verließen sie und Chopin die Insel. Trotz der relativen Kürze hatte der Aufenthalt auf Mallorca sowohl Chopin als auch George Sand stark mitgenommen. Aber anders als George Sand, die ihre zum Teil negativen Erfahrungen in dem 1842 erschienenen Bericht[27]Un hiver à Majorque (französisch Ein Winter auf Mallorca) aufarbeitete, reagierte Chopin weniger nachtragend. Der oft zitierte Brief vom 3. Dezember 1838 über die ärztliche Kunst der Mallorquiner ist möglicherweise weniger boshaft gemeint als vielmehr Zeugnis seiner Selbstironie, deren Chopin sich oft bediente, um mit seiner chronischen Erkrankung umzugehen.





  • Brief Chopins an Julian Fontana (polnisch) 




„3 doktorów z całej wyspy najsławniejszych: jeden wąchał, com pluł, drugi stukał, skądem pluł, trzeci macał i słuchał, jakem pluł. Jeden mówił, żem zdechł, drugi – że zdycham, 3-ci – że zdechnę.“




– Chopin: List do Juliana Fontany, 3 grudnia 1838[28]






„Die drei berühmtesten Ärzte der ganzen Insel haben mich untersucht; der eine beschnupperte, was ich ausspuckte, der zweite klopfte dort, von wo ich spuckte, der dritte befühlte und horchte, wie ich spuckte. Der eine sagte, ich sei krepiert, der zweite meinte – dass ich krepiere, der dritte – dass ich krepieren werde.“




– Chopin: Brief an Julian Fontana, Palma, 3. Dezember 1838.[29]


Vor der Abreise hatte Chopin seinen Freund Camille Pleyel gebeten, ihm ein Klavier nach Mallorca zu schicken. Da dieses erst im Januar 1839 eintraf musste er sich in der Zwischenzeit in Palma und Valldemossa mit einem schlechten Instrument begnügen.[30] Auf Mallorca wurden die 24 Préludes Opus 28 fertiggestellt, zu denen auch das sogenannte Regentropfen-Prélude zählt. Im Kontext dieser Musikstücke wird gern darauf verwiesen, wie unwohl Chopin sich in der unbehaglichen Umgebung des Klosters gefühlt hatte. Ein Brief vom 28. Dezember 1838 belegt diese Annahme. Chopin schrieb an Julian Fontana:





  • Brief Chopins an Julian Fontana (polnisch) 




„Między skałami i morzem opuszczony ogromny klasztor kartuzów, gdzie w jednej celi ze drzwiami, jak nigdy bramy w Paryżu nie było, możesz sobie mnie wystawić nieufryzowanego, bez białych rękawiczek, bladego jak zawsze. Cela ma formę trumny wysokiej, sklepienie ogromne, zakurzone, okno małe, przed oknem pomarańcze, palmy, cyprysy; naprzeciw okna moje łóżko na pasach, pod filigranową rozasą maurytańsfcą. Obok łóżka stary nitouchable kwadratowy klak do pisania ledwo mi służący, na nim lichtarz ołowiany (wielki tu lux) ze świeczką. Bach, moje bazgrały i nie moje szpargały... cicho... można krzyczeć... jeszcze cicho. Słowem, piszę ci z dziwnego miejsca.“




– Chopin: List do Juliana Fontany, 28 grudnia 1838[31]






„Nur einige Meilen entfernt zwischen Felsen und Meer liegt das verlassene, gewaltige Kartäuserkloster, in dem Du Dir mich in einer Zelle mit Tür, einem Tor, wie es nie in Paris eins gab, vorstellen kannst, unfrisiert, ohne weiße Handschuhe, blasswie immer. Die Zelle hat die Form eines hohen Sargs, das Deckengewölbe ist gewaltig, verstaubt, das Fenster klein, vor dem Fenster Apfelsinen, Palmen, Zypressen; gegenüber dem Fenster mein Bett auf Gurten unter einer mauretanischen, filigranartigen Rosasse (deutsch Rosette). Neben dem Bett ein nitouchable (deutsch „unberührbar“), ein quadratisches Klapppult, das mir kaum zum Schreiben dient, darauf ein bleierner Leuchter (hier ein großer Luxus) mit einer Kerze, Bach, meine Kritzeleien und auch anderer Notenkram … still … man könnte schreien … und noch still. Mit einem Wort, ich schreibe Dir von einem seltsamen Ort.“




– Chopin: Brief an Julian Fontana, Palma, 28. Dezember 1838.[32]


Nach Aussagen von George Sand litt Chopin in jener Zeit oft unter Halluzinationen.[33] Spanische Neurologen kommen zu dem Schluss, dass sich die heftigen Visionen am besten mit der sogenannten Schläfenlappen-Epilepsie erklären lassen.[34]


Zwei Lebenszentren: Nohant und Paris




La Maison de George Sand in Nohant-Vic


Nach der Rückkehr von Mallorca nahm Chopins Leben in Paris einen geregelten Verlauf. Die Winter waren dem Unterrichten, den gesellschaftlichen Veranstaltungen, dem Kulturleben, den Salons und den wenigen eigenen Auftritten gewidmet. Die mehrmonatigen Sommeraufenthalte verbrachte das Paar bis einschließlich 1846 meist auf George Sands ererbtem Landsitz in Nohant.[35]
Chopin verbrachte insgesamt sieben Sommer in Nohant: 1839 und 1841 bis 1846.[36] In dieser Zeit fand Chopin Ruhe fürs Komponieren. Eine Reihe der wichtigsten Werke entstand hier. Er empfing Freunde und debattierte mit Delacroix ästhetische Fragen. Er studierte das Belcanto-Repertoire des 18. Jahrhunderts und Luigi Cherubinis Cours de contrepoint et de fugue (deutsch Lehrgang des Kontrapunktes und der Fuge).[37]


Ab dem 29. September 1842 wohnte und arbeitete Chopin in Paris am Square d’Orleans Nr. 9, in unmittelbarer Nachbarschaft zu George Sand und deren Freundin, der Gräfin Marliani, Ehefrau des spanischen Konsuls, die die Wohnungen vermittelt hatte.


Ende der Beziehung (Juli 1847) und letzte Begegnung (4. April 1848)


Die Beziehung zwischen Chopin und George Sand endete 1847. Am 28. Juli 1847 schrieb George Sand ihren letzten Brief an Chopin. Er endet mit den Worten:[38]





  • Brief George Sands an Chopin (französisch) 




„Adieu mon ami, que vous guérissiez vite de tous maux, et je l’espère maintenant (j’ai des raisons pour cela) et je remercie Dieu de ce bizarre dénouement à neuf années d’amitié exclusive. Donnez-moi quelquefois de vos nouvelles. Il est inutile de jamais revenir sur le reste.“




George Sand






„Adieu, mein Freund, mögen Sie rasch von allen Übeln geheilt werden, ich darf jetzt darauf hoffen (ich habe dafür meine Gründe) und ich werde Gott danken für diese wunderliche Auflösung einer exklusiven, neun Jahre währenden Freundschaft. Lassen Sie mich von Zeit zu Zeit wissen, wie es Ihnen geht. Es ist unnötig, auf das Übrige jemals zurückzukommen.“




George Sand


Der Grund für die Trennung waren die sich seit Jahren aufgestauten Konflikte zweier grundverschiedener, hochsensibler Charaktere. Aus Briefen von George Sand an Freunde lässt sich entnehmen, dass sie das Leben einer, wie sie es ausdrückt, enthaltsamen Nonne und Krankenschwester eines schwierigen, schwerkranken und launischen Genies nicht länger führen wollte. Die familiären Zwistigkeiten wegen ihrer Tochter waren nur der unmittelbare Anlass. Dass ihre Tochter Solange sich dem mittellosen Bildhauer Auguste Clésinger zugewandt hatte, wollte George Sand nicht akzeptieren. Auch Chopin waren Details zu Clésingers unstetem Leben zu Ohren gekommen. Er riet Solange, ebenso eindringlich ab – aber letztlich hielt er an seiner Freundschaft zu ihr, für die er Zuneigung hegte, fest. Er akzeptierte ihren unbedingten Entschluss, Clésinger zu heiraten und zur Not mit der herrischen Mutter zu brechen. Das war der Auslöser für Familienstreitigkeiten, bei denen es zu Handgreiflichkeiten zwischen dem Sohn Maurice und Clésinger beziehungsweise der dem Sohn beispringenden Mutter kam.


George Sand und Chopin sahen sich noch einmal zufällig am Samstag, 4. März 1848. Beim Verlassen der Wohnung von Charlotte Marliani (18, rue de la Ville-Évêque)[39] traf Chopin auf George Sand. Er teilte ihr mit, dass ihre Tochter vier Tage zuvor Mutter geworden war.[40]


In der Geschichte meines Lebens schreibt George Sand:





  • Aus George Sand: Histoire de ma vie (französisch) 




« Je le revis un instant en mars 1848. Je serrai sa main tremblante et glacée. Je voulus lui parler, il s’échappa. […] Je ne devais plus le revoir. […] On m’a dit qu’il m’avait appelée, regrettée, aimée filialement jusqu’à la fin. On a cru devoir me le cacher jusque-là. On a cru devoir lui cacher aussi que j’étais prête à courir vers lui. […] J’ai été payée de mes années de veille, d’angoisse et d’absorption par des années de tendresse, de confiance et de gratitude qu’une heure d’injustice ou d’égarement n’a point annulées devant Dieu. »




– George Sand: Histoire de ma vie.[41]






„Im März 1848 sah ich ihn einen Augenblick lang wieder. Ich drückte seine kalte, zitternde Hand. Ich wollte mit ihm reden, aber er entzog sich mir. […] Ich sollte ihn nicht wiedersehen. […] Man hat mir gesagt, er habe bis ans Ende nach mir verlangt, mir nachgetrauert, mich wie ein Sohn geliebt, doch man hat es mir verschwiegen. Auch ihm hat man verschwiegen, dass ich immer bereit war, zu ihm zu eilen. […] Für meine Jahre des Wachens, der Angst und der Hingabe haben mich Jahre der Zärtlichkeit, des Vertrauens und der Dankbarkeit belohnt, die eine Stunde der Ungerechtigkeit oder des Irrens vor Gott nicht auslöschen konnte.“




– George Sand: Geschichte meines Lebens[42]



Die letzten Jahre (1847–1849) |


Im Laufe des Jahres 1847 verschlechterte sich Chopins Gesundheitszustand ernstlich. Eine wirksame Therapie gegen die Tuberkulose war seinerzeit noch unbekannt. Chopins Schülerin Jane Stirling, die bis zum Zerwürfnis Chopins mit George Sand eher im Hintergrund für Chopin gewirkt hatte, nahm sich nach der Trennung des Paares der Anliegen Chopins an und versuchte dessen immer größer werdende materielle Not zu lindern.


Am 16. Februar 1848 gab Chopin im Konzertsaal der Firma Pleyel in der Rue Rochechouart (heute: Rue de Rochechouart) Nr. 20 sein letztes Konzert in Paris, das vor einem ausgewählten Publikum stattfand. Es gab nur 300 Eintrittskarten. Das Programm enthielt ein Klaviertrio von Mozart, von Chopin die Cellosonate g-Moll op. 65 (ohne den 1. Satz), ein Nocturne, die Berceuse op.57, die Barcarolle op. 60, dazu eine Auswahl von Etüden, Préludes, Mazurken und Walzer. Die Kritik stellte das Konzert als ein ungewöhnliches Ereignis heraus (Artikel in der Gazette Musicale vom 20. April 1848).


Reise nach England und Schottland (19. April 1848 – 23. November 1848)


Nach dem Ausbruch der Revolution in Paris am 22. Februar 1848, der sogenannten Februarrevolution, die durch die Flucht des Königs nach England und die Proklamation der Republik der Juli-Monarchie ein Ende setzte, fühlte sich Chopin wegen der anhaltenden Unruhen in Paris immer unwohler. Unter dem Einfluss und der Führung seiner Schülerin Jane Stirling, die seit acht Jahren bei Chopin Unterricht nahm und eine Zuneigung zu ihrem Lehrer entwickelt hatte, fasste Chopin den Entschluss, für eine Zeitlang nach England und Schottland zu reisen, wobei er sich durchaus vorstellen konnte, sich dauerhaft dort niederzulassen. Er verließ Paris am 19. April 1848 und traf am 20. April in London ein. Jane Stirling war mit ihrer verwitweten Schwester vorher nach London gereist, um Chopins Ankunft vorzubereiten. Die Reise, die insgesamt etwa sieben Monate dauerte, war für Chopin äußerst anstrengend und brachte ihn an den Rand des physischen Zusammenbruchs, weil Jane Stirling Chopin ein strapaziöses Besuchsprogramm mit Konzerten bei ihrer Familie auferlegte und so die dringend benötigte Ruhe verhinderte. Jane Stirling hatte sich vergebens Hoffnungen auf eine Heirat mit Chopin gemacht. Er fand sie unattraktiv und langweilig, war aber dankbar für ihre extreme Fürsorge, wenngleich er sich dadurch unfrei und eingeengt fühlte. Am 15. Mai 1848 spielte Chopin anlässlich eines Empfanges im Beisein von Königin Victoria. Es folgten Konzerte in London am 23. Juni (Programm: Berceuse op. 57, Nocturnes, Mazurken Walzer) und am 7. Juli (Programm: Berceuse, Scherzo h-Moll op. 20, eine Ballade, drei Etüden aus op. 25 – Nr. 1 As-Dur, Nr. 2 f-Moll, Nr. 7 cis-Moll – und einige Préludes). Auf Einladung von Jane Stirling fuhr Chopin am 5. August 1848 nach Schottland. Von hier aus musste Chopin am 28. August 1848 zurück zu einem Konzert nach Manchester, wo er in der Concert Hall im Rahmen eines Orchesterkonzertes vor 1500 Zuhörern Solostücke spielte (eine Ballade, Berceuse und weitere kleine Stücke). In Schottland war Chopin in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung und litt unter den ihm aufgezwungenen Verpflichtungen. Es folgten Konzerte in Glasgow am 27. September 1848 (Programm: eine Ballade, Berceuse op. 57, Andante spianato aus op. 22, Impromptu Fis-Dur op. 36, eine Auswahl von Etüden und Préludes, Nocturnes op. 27 und 55, Mazurken op. 7 und Walzer) und am 4. Oktober in Edinburgh. Chopin war körperlich so schwach, dass er manchmal die Treppen hinaufgetragen werden musste. Nach seiner Rückkehr nach London am 31. Oktober 1848 spielte Chopin trotz seines schwer beeinträchtigten Gesundheitszustandes am 16. November aus Gefälligkeit zum letzten Mal in London in einem Konzert.




Mazurka Opus 24 Nr. 3, Christoph Zbinden


Die letzte Zeit in Paris (23. November 1848 – 17. Oktober 1849)


In depressiver Stimmung kehrte Chopin am 23. November 1848 nach Paris zurück. Im Ganzen gesehen war der Aufenthalt in England und Schottland ein Misserfolg. Die schwindenden Kräfte, aber auch die wegen der Unruhen nachlassende Nachfrage erschwerten erheblich eine geregelte Unterrichtstätigkeit. Dies führte zu einem finanziellen Engpass zumal Chopins Ersparnisse fast aufgebraucht waren. Jane Stirling half mit einer größeren Geldsumme aus. Chopins Erschöpfungszustand hielt an. Die Ärzte empfahlen zur Linderung der Beschwerden einen Aufenthalt auf dem Lande. Anfang Juni 1849 zog Chopin in eine Wohnung in der damals noch ländlichen Umgebung von Chaillot (Rue Chaillot 74). Am 22. Juni 1849 erlitt Chopin nachts zwei Blutstürze, die Hoffnung auf Besserung schwand endgültig, als die Ärzte als Diagnose eine Tuberkulose im Endstadium stellten. Chopin bat brieflich inständig seine Schwester Ludwika Jędrzejewicz mit ihrem Mann und ihrer Tochter zu kommen. Sie trafen am 9. August 1849 in Chaillot ein. Nach einer kurzen Besserung, rieten die Ärzte zu einem Wohnungswechsel.




Place Vendôme. Gedenktafel an der Nummer 12.
„Frédéric-François Chopin geboren in Żelazowa-Wola (Polen) am 22. Februar 1810 ist in diesem Haus am 17. Oktober 1849 gestorben.“



Die Pariser Freunde und Jane Stirling, verschafften ihm dann seine letzte Wohnung am Place Vendôme 12. Sie haben auch dafür gesorgt, dass Chopin in seinen letzten Lebensmonaten bis zum Tod am 17. Oktober 1849 keinen materiellen Mangel litt, zumal er wegen seines Gesundheitszustandes weder unterrichten noch komponieren konnte und deshalb fast mittellos war.
Anfang Oktober 1849 verfügte Chopin, dass alle unvollendeten und noch nicht veröffentlichten Partituren verbrannt werden sollten.


Der Gedanke an den Tod begleitet Chopin sein ganzes Lebens. Sein Vater, seine jüngste Schwester und zwei engste Freunde verstarben alle an Tuberkulose, derjenigen Krankheit, die auch sein Ende bedeuten sollte.


Tod und Begräbnis (17. und 30. Oktober 1849)




Teofil Kwiatkowski: Chopin auf dem Sterbebett, umgeben von (von links nach rechts): Pater Aleksander Jelowicki, Ludwika Jędrzejewicz, Prinzessin Marcelina Czartoryska, Wojciech Grzymała, Teofil Kwiatkowski.[43]


Chopin starb am 17. Oktober 1849 völlig mittellos im Alter von 39 Jahren, wahrscheinlich an Tuberkulose.[44] Bei einer 2017 erfolgten Untersuchung des in Cognac eingelegten Herzes stellte man fest, dass Chopin an einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) litt, die infolge einer Tuberkulose entstand.[45][46] Am 15. September empfing er die Sterbesakramente.


Zum Zeitpunkt des Todes am 17. Oktober 1849 gegen zwei Uhr morgens wachten wahrscheinlich fünf Personen an Chopins Bett: seine Schwester Ludwika Jędzejewicz, Marcelina Czartoryska, Solange Clésinger, Adolf Gutmann und Thomas Albrecht. Am darauffolgenden Morgen nahm Auguste Clésinger Chopin die Totenmaske ab und fertigte einen Abguss von dessen linker Hand an. Ludwika kam für die Kosten der Beerdigung auf. Jane Stirling übernahm die Reisekosten von Ludwika und ihrer Tochter Magdalena. Sie kaufte den von Pleyel zur Verfügung gestellten Flügel, die restlichen Möbel und Wertgegenstände Chopins, einschließlich seiner Totenmaske.[47]




Ankündigung der Beerdigung von Frédéric Chopin, unterzeichnet von seiner Schwester




Chopins Grab auf dem Friedhof Père Lachaise (Division 11, Nr. 20) in Paris mit der Muse Euterpe von Auguste Clésinger


Zu Chopins Totenmesse am 30. Oktober um 11 Uhr in der Kirche La Madeleine kamen etwa 3000 Trauergäste. Als der Sarg von der Krypta in die Oberkirche getragen wurde, spielte das Orchester der Société des Concerts du Conservatoire (französisch Konzertgesellschaft des Konservatoriums) unter der Leitung von Narcisse Girard eine von Napoléon-Henri Reber hergestellte Orchesterfassung des Trauermarsches aus Chopins Klaviersonate in b-Moll Opus 35. Weiterhin erklangen auf der Orgel, gespielt von Louis James Alfred Lefébure-Wély die Préludes Nr. 4 in e-Moll und Nr. 6 in h-Moll aus Opus 28. Den Abschluss bildete Mozarts Requiem, ein Wunsch Chopins. Der Leichenzug zum Friedhof Père-Lachaise wurde von Fürst Adam Czartoryski und Giacomo Meyerbeer angeführt. An der Seite des Sarges schritten Alexander Czartoryski, der Ehemann von Marcelina, Auguste Franchomme, Eugène Delacroix und Camille Pleyel. Hinter dem Sarg liefen Chopins Schwester Ludwika mit ihrer Tochter, Jane Stirling und viele die Chopin nahestanden.
Auf Chopins ausdrücklichen Wunsch wurde sein Herz von seiner Schwester Ludwika heimlich in die polnische Heimat gebracht, wo sie es in Warschau in ihrer Wohnung aufbewahrte. (Zum weiteren Schicksal von Chopins Herz: siehe unten).


Am Jahrestag seines Todes, dem 17. Oktober 1850, enthüllte Auguste Clésinger das von ihm gestaltete Grabmal mit dem Medaillon von Fryderyk Chopin.



Chopin als Künstler |




Zeichnung von Chopin, 1830


Chopin vereinigte in sich Talente als Komponist, Pianist, Improvisateur, Virtuose und Klavierpädagoge. Chopin war vielseitig begabt. Bekannt war vor allem sein schauspielerisches, komödiantisches Talent, bekannte Personen zu imitieren – eine Fähigkeit, mit der er Freunde oft unterhielt, gespeist aus einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Chopins Schauspielertalent blieb eine seiner gesellschaftlichen Domänen. 1829 parodierte er in Wien gerne das Auftreten und Benehmen österreichischer Generäle und hatte damit den gleichen Erfolg wie als Pianist. Er nahm auch Zeichenunterricht bei Zygmunt Vogel – und nutzte das Zeichnen nicht nur für die Anfertigungen von Karikaturen.



Chopin als Komponist |


Alle Kompositionen Chopins schließen das Klavier ein. Die meisten sind Klaviersoli, obwohl er auch zwei Klavierkonzerte, Kammermusik und Vertonungen polnischer Lieder komponierte. Zu den von ihm bevorzugten Formen gehören Mazurken, Walzer, Nocturnes, Polonaisen, Etüden, Impromptus, Scherzi, und Sonaten, wobei einige erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Die Originalpartituren sind weltweit verstreut.


Chopins Kompositionen entwickelten sich häufig aus Improvisationen. George Sand beschreibt, wie heftig und oft verzweifelt Chopin darum kämpfte, seine auf dem Klavier schon vollständig ausgeführten Ideen auf dem Papier festzuhalten. Das Improvisieren hatte zu Chopins Zeiten einen viel höheren Stellenwert als heute, sowohl in der Ausbildung als auch im Konzertgeschehen. Chopin gehörte zu den besten Improvisatoren seiner Zeit.


Chopin komponierte eine Reihe von Liedern, die nach seinem Tod in den Jahren 1859, 1872 und 1910 unter der Opuszahl 74 herausgegeben wurden. Chopin schrieb drei Werke für das Violoncello: die Introduction et Polonaise brillante C-Dur für Klavier und Violoncello Op. 3, die Sonate g-Moll für Violoncello und Klavier Opus 65 und zusammen mit Auguste-Joseph Franchomme das Grand Duo concertant e-Moll für Klavier und Violoncello über Themen aus Robert le diable von Giacomo Meyerbeer. Er komponierte ausserdem das Trio g-Moll für Klavier, Violine und Violoncello op. 8.


Inspirationsquellen und Einflüsse




Vergleich von Ignaz Moscheles, Impromptu Opus Opus 89, und Frédéric Chopin, Fantaisie-Impromptu Opus 66 (posthum)





Totenmaske von Chopin; Polenmuseum Rapperswil.


Chopin übernahm – und überhöhte – die brillante Virtuosenliteratur. Der Einfluss von Ignaz Moscheles, Friedrich Kalkbrenner, Carl Maria von Weber, Johann Nepomuk Hummel und (der ebenfalls von Elsner ausgebildeten) Maria Szymanowska ist deutlich. Von Elsner in konzentrierter und akribischer Arbeit unterwiesen, feilte Chopin manchmal jahrelang an Kompositionsentwürfen. „Er […] wiederholte und änderte einen Takt hundertmal, schrieb ihn nieder und strich ihn ebenso oft wieder aus, um am nächsten Tag seine Arbeit mit der gleichen minutiösen, verzweifelten Beharrlichkeit fortzusetzen.“[48]


Zur Melodik und zum virtuosen Klaviersatz seiner Kompositionen kommt eine hochexpressive Harmonik, die souverän mit Chromatik, Enharmonik und alterierten Akkorden umgeht und neuartige Wirkungen hervorruft. Sein Lehrer Elsner bestärkte Chopin in der Hinwendung zu polnischen Volkstänzen und Volksliedern. Ihre Elemente finden sich nicht nur in den Polonaisen, Mazurkas und Krakowiaks, sondern auch in anderen Werken ohne namentlichen Hinweis. Chopins Leitbilder waren Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart.
Elsner hielt ihm vor, dass er keine Opern schreiben würde. Chopin entgegnete, dass Komponisten Jahre darauf warten müssten, bis ihre Opern aufgeführt würden. Wäre er in Polen geblieben, hätte er sich vermehrt den Kompositionen für Gesang gewidmet.





  • Zitat Frédéric Chopin (polnisch) 




„Rzucili się do mnie, że zamiast operę narodową, albo symfonię pisać, łaskoczę nerwy po salonach i piszę głupie exercisy. Jeżeli nie operę, to nie powinienem nic innego tworzyć, jak tylko mazury a polonezy, bo jak nie czują, to im polskości palcem w moich nutach nie pokażę.“




Frédéric Chopin[49]






„Sie stürzten sich auf mich (mit dem Vorwurf), dass ich, anstatt eine Nationaloper oder eine Symphonie zu schreiben, in den Salons die Nerven kitzle und dumme Übungen schreibe. Wenn schon keine Oper, dann sollte ich nichts anderes als Mazurken und Polonaisen schaffen, aber wenn sie es nicht fühlen, dann werde ich sie nicht mit dem Finger auf das Polnische in meinen Noten hinweisen.“




Frédéric Chopin[49]



Chopin als Pianist und Klavierpädagoge |




Abguss von Chopins linker Hand, post mortem; Polenmuseum Rapperswil (Schweiz).


Zeitgenossen Chopins beschreiben sein Spiel, beziehungsweise seine Interpretation als veränderlich, niemals fixiert, sondern spontan.[50] „Das gleiche Stück von Chopin zweimal zu hören, war sozusagen zwei verschiedene Stücke zu hören“. Fürstin Maria Anna Czartoryska beschrieb es so:





„So wie er seine Manuskripte ständig korrigieren, verändern, modifizieren musste – bis zu dem Punkt, dass seine unglücklichen Herausgeber das gleiche Werk verwechselten – so präsentierte er sich selten im gleichen Gemüts- und Gefühlszustand: es kam deshalb selten vor, dass er die gleiche Komposition identisch spielte.“




Maria Anna Czartoryska[51]


Chopin unterrichtete zwar vorwiegend Schülerinnen und Schüler, die aus Kreisen des wohlhabenden Adels kamen, achtete aber auch bei der Auswahl auf deren Talent. Nur wenige von Chopins Schülern wurden später Konzertpianisten. Einer seiner besten, vielversprechendsten Schüler, Carl Filtsch (1830–1845), starb schon als Jugendlicher. Erfolgreich wurde Marie Moke-Pleyel, die – fast gleichaltrig – zwar nicht direkt als Chopins Schülerin, aber als Kennerin seiner Musik noch in hohem Alter als Professorin am Königlichen Konservatorium Brüssel lehrte.


Chopin brachte seinen Schülern seine sehr persönliche Auffassung von Musik bei. Die folgende Aussage, Jean-Jacques Eigeldinger (* 1940) nennt sie eine „profession de foi esthétique“ (deutsch: ästhetisches Glaubensbekenntnis), machte Chopin anlässlich eines Gespräches über ein Konzert, das Liszt am 20. April 1840 bei Érard gab.[52]





« La dernière chose, c’est la simplicité. Après avoir épuisé toutes les difficultés, après avoir joué une immense quantité de notes et de notes, c’est la simplicité qui sort avec tout son charme comme le dernier sceau de l’art. Quiconque veut arriver de suite à cela n’y parviendra jamais; on ne peut commencer par la fin. Il faut avoir étudié beaucoup, même immensément pour atteindre ce but; ce n’est pas une chose facile. »




„Das Letzte ist die Einfachheit. Nachdem alle Schwierigkeiten ausgeschöpft sind, eine immense Menge an Noten gespielt worden ist, ist es die Einfachheit, die mit ihrem Charme hervorkommt, wie das letzte Siegel der Kunst. Jeder, der dies sofort erreichen will, wird niemals Erfolg haben; man kann nicht mit dem Ende beginnen. Man muss viel studiert haben, sogar ungeheuer viel, um dieses Ziel zu erreichen; das ist keine leichte Sache.“




Frédéric Chopin[53]


Skizzen zu einer Klavierschule




Grundhaltung der Hände nach Chopin. (Die spiegelbildlich angeordnete Position der linken Hand wird bei Chopin nicht erwähnt).


Chopin hinterließ nur Skizzen zu einer Klavierschule, die erst spät veröffentlicht wurden, zuerst von Alfred Cortot (1877–1962)[54] und in jüngster Zeit von Jean-Jacques Eigeldinger,[55] der auch in seinem Werk Chopin vu par ses élèves (deutsch Chopin aus Sicht seiner Schüler)[56] alle die mit diesem Thema zusammenhängenden Probleme behandelt.


Chopin bestand auf einem nach zeitgenössischen Maßstäben niedrigen Klavierschemel, sodass sich die Ellbogen auf gleicher Höhe mit den weißen Tasten befanden. Der Pianist sollte alle Tasten an den beiden Enden der Klaviatur erreichen können, ohne sich zur Seite zu beugen oder seine Ellbogen bewegen zu müssen. Bei der Ausgangslage der Finger liegt der Daumen der rechten Hand auf „e“, der zweite Finger auf „fis“, der dritte auf „gis“, der vierte auf „ais“ (=„b“) und der fünfte Finger auf „h“.[57] Die Finger wurden bei ruhig und unverkrampft gehaltener Hand  aus der Grundposition heraus trainiert.[58]


Oft gebrauchte er die Wendung „dire un morceau de musique“ (französisch „ein Musikstück aufsagen“), ganz im Sinne des barocken Konzeptes der „Klangrede“ der historischen Aufführungspraxis nach Nikolaus Harnoncourt. Voraussetzung dafür war Chopins unkonventionelle Schulung der Finger. Chopin versuchte nicht, wie auch heute vielfach noch üblich, durch Übungen die naturgegebene Ungleichheit der Finger zu beheben, sondern jeder Finger sollte gemäß seiner Eigenheit eingesetzt werden. So schätzte er den Daumen als „stärksten und freiesten Finger“, den Zeigefinger als „wichtigste Stütze“, den Mittelfinger als „großen Sänger“ und den Ringfinger als „seinen schlimmsten Feind“.


Die für einen angemessenen Anschlage notwendige unverkrampfte Handhaltung erklärt Chopins Vorliebe für schwarze Tasten. Sie ermöglicht den längeren Mittelfingern eine angenehme Position als Voraussetzung für ein ebenso virtuoses wie expressives Spiel.[59]


Beim Spiel solle die emotionale Beteiligung in die Interpretation einfließen. Chopin war gegen jegliche Manierismen und pathetische Bewegungen. Ein Pianist solle nicht sich und seine Gefühle den Zuhörern präsentieren und sich damit in den Vordergrund stellen, sondern das Werk. Ebenso lehnte er das auf große und laute Show-Effekte zielende Bühnengeschehen nach Art Niccolò Paganinis und Franz Liszts für sich selbst ab.
Chopin empfahl, ganz im Einklang mit den zeitgenössischen Klavierschulen (Czerny, Hummel Kalkbrenner) seinen Schülern, die Finger frei und leicht fallen zu lassen, und die Hände in der Luft und ohne Schwere zu halten. Elisabeth Caland wird dies später den „federleichten Arm“ nennen. Beim Spiel der Tonleitern und Übungen sollte zur Erzielung der Gleichmäßigkeit der Akzent auf verschiedene Töne verlagert werden. Hier war Chopin Vorläufer späterer Übpraktiken, zum Beispiel der Klavierpädagogik Alfred Cortots, wo die rhythmischen Varianten bei der Überwindung technischer Problem empfohlen werden. Chopin gebrauchte oft den Begriff „souplesse“ (französisch „Geschmeidigkeit“). Sie war die Grundlage eines physiologisch richtigen Klavierspiels. Auch hier fußt die moderne Klavierpädagogik auf Chopins Anschauung indem sie bei der Prävention von Spielschäden Geschmeidigkeit und Unverkrampftheit fordert. Ebenso regte er seine Schüler an, die Stücke zu singen und empfahl den Besuch der Oper, um sich vom italienischen Belcanto inspirieren zu lassen. Die Übzeit sollte drei Stunden am Tag nicht überschreiten, wobei dem Klavierwerk J. S. Bachs eine besondere Bedeutung zukam.



Probleme der Aufführungspraxis |


Im Gegensatz zur Chopininterpretation des ausgehenden neunzehnten und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, die weitgehend von der Intuition und dem persönlichen musikalischen Geschmack der Interpreten abhing, hat man sich gleichzeitig mit der Erarbeitung von zuverlässigen Urtexten auch bemüht, grundlegende Elemente der Aufführungspraxis auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Durch das Erforschen der historischen und soziokulturellen Gegebenheiten ist so auch die Aufführungspraxis objektiver geworden, zumal auch die Kenntnis der alten Instrumente, ihres Baues und ihres von den heutigen Instrumenten verschiedenen Klanges, mit einbezogen wird.


Zur stilgemäßen Darstellung der Kompositionen Chopins ist die Kenntnis der barocken Tradition, auf die sich Chopin beruft, notwendig. So sind Elemente der Improvisation mit der Praxis des Auszierens und der Varianten Rückgriffe auf alte Formen des Musizierens beziehungsweise deren Fortführung. Dies gilt auch für den wichtigen Bereich des Belcanto mit dem zentralen Begriff des Rubato.


Tempo rubato




Metronom von Johann Nepomuk Mälzel, Paris 1815; Kunsthistorisches Museum, Wien


Um das tempo rubato (italienisch „geraubte Zeit“), meist abgekürzt rubato zu erklären, sagte Chopin, dass die linke Hand der maître de chapelle (französisch „Kapellmeister“) sei, während die rechte Hand ad libitum (italienisch „nach Belieben“) spielen dürfe. Dieses von Chopin oft gebrauchte Bild ist in verschiedenen Varianten überliefert.[60] Er meinte damit das seit dem 17./18. Jahrhundert auch von Mozart[61] beschriebene, sogenannte gebundene rubato: „die Modifizierung einzelner Notenwerte bei gleichbleibender Grundbewegung der Begleitung.“[62] Um dies zu gewährleisten stand auf Chopins Klavier immer ein Metronom bereit. Die andere Form des rubato, das sogenannte freie rubato ist eine Veränderung des Tempos im Ganzen (Melodie und Begleitung zusammen) und wird bei Chopin durch die Bezeichnungen ritardando (allmähliche Verlangsamung des Tempos) und rallentando (Nachlassen des Tempos) angezeigt. Carl Czerny beschreibt es in seiner Pianoforte-Schule als ein bewusstes Langsamerwerden und Beschleunigen in beiden Händen. Wenn das Rubato übertrieben wird, besteht die Gefahr, dass die Spielweise unnatürlich wirkt und ins Kitschige oder Sentimentale abgleitet. Dies gilt allgemein auch für die Behandlung der Dynamik (Veränderung der Lautstärke) und Agogik (Veränderung des Tempos).


Vorlage:Zitat-pl





„Chopin, wie es Mme Camille Dubois so schön sagte, verlangte oft, dass die Begleitpartie der linken Hand streng im Takt gespielt werden sollte, während sich die Gesangspartie Freiheit des Ausdrucks durch Tempomodifikation leistete. Das ist durchaus möglich: Man eilt voraus, man kommt mit Verzögerung – die beiden Hände sind nicht ‚en valeur‘ [etwa: im gleichen Zeitmaß]. Im Ganzen aber kompensieren die beiden Bewegungen einander.“




George Mathias[63]


Notation und Ornamentik




Zwei Verzierungen aus Bachs Verzierungstabelle mit seiner Anweisung zur Ausführung[64] wie sie auch bei Chopin vorkommen.
Obiges Bild: Triller mit Beginn auf dem Schlag mit der oberen Nebennote.
Unteres Bild: Triller (mit Vorschlag) von unten. Beginn auf dem Schlag


In der Praxis werden die Verzierungen in Chopins Klavierwerken häufig falsch ausgeführt, weil die Zeichen falsch interpretiert werden. Zahlreiche handschriftliche Eintragungen in die Exemplare seiner Schüler, die früheren Pianistengenerationen nicht zur Verfügung standen, haben geholfen, Chopins Intentionen zu verstehen. Bei einigen Verzierungen lehnt sich Chopin an die barocke Tradition an. Es gibt bei Chopin im Wesentlichen folgende Verzierungen:



  • der Vorschlag (Appoggiatura, ein- oder mehrtönig): die Ausführung ist volltaktig, das heißt der Vorschlag wird auf dem Schlag gespielt, die Hauptnote unmittelbar danach.

  • der Triller: er beginnt bei Chopin wie in der Barockzeit in der Regel mit der oberen Nebennote. Er beginnt mit der Hauptnote am Anfang eines Stückes wie zum Beispiel in der Etüde F-Dur Opus 10 Nr. 8 oder im Walzer As-Dur Opus 42. Steht vor dem Triller ein Vorschlag mit der gleichen Note wie der Trillerbeginn, so soll der Triller mit dieser Note beginnen, nicht mit der oberen Nebennote. Die Note wird also nicht zweimal gespielt.

  • der Triller mit Vorschlag von unten (auch „Triller von unten“ genannt).Er entspricht der aus der Barockmusik bekannten Verzierung. Bach nennt ihn „doppelt-cadence“, oder bei Vorhandenseins eines Nachschlags, „doppelt-cadence und mordant“.



  • der Pralltriller: er beginnt wie in der Klassik mit der Hauptnote auf dem Schlag. Manchmal bezeichnet Chopin den Pralltriller mit dem Zeichen „tr“ oder er schreibt ihn aus.

  • der Doppelschlag (Gruppetto) Start mit der oberen Nebennote. Notiert durch ein Grupetto.svg.


Bei einem Arpeggio verband Chopin manchmal den Beginn mittels einer gestrichelten Linie zur Note des anderen Systems (der anderen Hand), um so den Einsatz auf den Schlag zu markieren.[65]


Varianten


Beim Spiel seiner eigenen Stücken war Chopin streng. Er erlaubte anderen normalerweise keine Abweichung von seinem Notensatz. Es ist jedoch bekannt (Beispiele: Nocturne Opus 9 Nr. 2, Berceuse Opus 57), dass Chopin seinen Schülern erlaubte, Varianten in seiner Musik zu spielte. Als der junge Norweger Thomas Tellefsen seine Variante 1840 spielte, hatte Chopin nichts dagegen einzuwenden.[66] Chopin lehnte es ab, dass seine persönliche Art des Spiels nachgeahmt wurde. Er versuchte vielmehr bei seinen Schülern stets den Sinn für eine mitschöpferische Interpretation zu wecken. „Legen Sie doch Ihre ganze Seele hinein“, lautete eine seiner häufigsten Unterrichtsanweisungen, wobei er Wert darauf legte, dass seine Schüler zuvor eine formale Analyse der Komposition vollzogen.[67]


Pedalgebrauch bei Chopin


In der Geschichte der Klaviermusik gab es keinen Komponisten, der dem Pedalgebrauch soviel Aufmerksamkeit gewidmet hat wie Chopin und viele seiner Werke genau mit Pedalzeichen versehen hat. Die Sorgfalt, mit der Chopin vorging, zeigt, dass das Pedal für ihn ein wesentliches Element der Klanggestaltung war. „Das rechte Klavierpedal [aber] war für ihn integrierender Teil der Interpretation.“[68] Dieses Thema wird heute weder in der Literatur über aufführungspraktische Fragen des Chopinspiels, noch im Unterricht ausreichend behandelt. Der Beginn des Einsatzes des Forte-Pedals wird durch Engage Pedal Mark SVG.svg und das Ende durch Pedal Mark 2.svg (Pedalaufhebungszeichen) notiert.


Chopins Pedalisierung dient als wichtiger Hinweis für die klangliche Gestaltung des Werkes. Nicht ein dichter, durch ständiges „Nachtreten“[69] gewährleisteter, lückenloser Pedalgebrauch schwebte Chopin vor, sondern ein punktueller, harmonie- und taktbezogener Pedaleinsatz. Im Gegensatz zur starken Wirkung der Dämpfer des heutigen Klaviers, bei dem der Ton nach Loslassen der Taste oder des Pedals vollständig abgedämpft wird, hatten die Töne des Klaviers der Chopinzeit wegen der kleineren Dämpfer einen Nachklang von etwa einer halben Sekunde.[70] Deshalb kam es beim Aufheben des Pedals vor der neuen Harmonie nicht zu einer störenden größeren klanglichen Lücke, was dem chopinschen Ideal des gebundenen, gesanglichen Spiels im Sinne des Belcanto entgegenkam. Aus Chopins Pedalisierung geht auch hervor, dass er in manchen Fällen Mischklänge beabsichtigte, die auch auf dem damaligen Klavier Mischklänge waren und nicht mit dem Argument vermieden werden dürfen, das Klavier habe sich seit der Chopinzeit stark verändert. In dieser Hinsicht verstoßen Herausgeber einiger Chopinausgaben, die die klangliche Sauberkeit in den Vordergrund stellen, manchmal gegen die Absicht des Komponisten.
Wiederholungen hat Chopin oft nicht erneut pedalisiert. Wenn ganze Passagen unbezeichnet bleiben, muss das nicht heißen, dass das Pedal nicht verwendet wird.


Viele moderne Pianisten ignorieren die oft subtilen und präzisen Pedalangaben Chopins oder halten sie für nicht verbindlich. Chopin sagte seinen Schülern: „die richtige Anwendung desselben [des Pedals] bleibt ein Studium für das Leben.“.[71] Die Klaviere um 1846 waren weniger resonant und der Spieler konnte das Pedal für eine ganze Phrase gedrückt halten, um der Musik einen schwebenden Klang zu geben. Dies hat sich durch den modernen Klavierbau verändert. Im Jahr 1844 wurde auf der Pariser Ausstellung ein neues Pedal von Xavier Boisselot (1811–1893) vorgestellt, das im Gegensatz zum „rechten Pedal“ nicht alle Dämpfer abhebt. Dieses Pedal wurde „Sostenuto-Pedal“ (italienisch „gehalten“) oder Tonhaltepedal genannt und ermöglicht es, ausgewählte Töne (meistens als Orgelpunkte im Bass) zu halten, während andere davon unbeeinflusst bleiben. Im Klavierwerk Chopins spielt dieses Pedal keine Rolle. Chopin setzte auch das „Una-corda-Pedal“ (italienisch „eine Saite“), das sogenannte „linke Pedal“, ein, ohne es jedoch in seinen Manuskripten anzugeben.[72]


Chopins Technik des Klavierspiels und Klavierbau


Vor seiner Pariser Zeit kannte Chopin nur Flügel mit der „Wiener Mechanik“ (Prellzungenmechanik) und der entsprechenden leichten Spielart.[73] Die Flügel, die er in Paris antraf, hatten die „englische“ Stoßzungen­mechanik, die im Prinzip der Mechanik Bartolomeo Cristoforis (1655–1731) entsprach und seit den Anfängen des Klavierbaus im Einsatz war. Die Flügel von Pleyel schätzte Chopin wegen ihrer leichtgängigen Mechanik und sie kamen mit ihrem, wie Liszt es ausdrückte, „silbrigen, ein wenig verschleierten Ton“ seinem Klangideal am nächsten.[74]


Insignum von Pleyel




« Quand je suis mal disposé, disait un jour Chopin, je joue sur un piano d’Érard et j’y trouve facilement un ton tout fait. Mais quand je me sens en verve et assez fort pour trouver mon propre son à moi, il me faut un piano de Pleyel. »




„Wenn ich schlecht disponiert bin, spiele ich auf einem Klavier von Érard, weil ich dort einen vorgefertigten Ton vorfinde. Aber wenn ich mich lebendig und stark genug fühle, um meinen eigenen Klang zu finden, brauche ich ein Klavier von Pleyel.“




Frédéric Chopin[75][76]


Insignum vom Érard

Ein entscheidender Fortschritt im Klavierbau war die Erfindung und Entwicklung einer Repetitionsmechanik mit doppelter Auslösung (à double échappement französisch „mit doppelter Auslösung“) durch Sébastien Érard ab 1808, die sein Neffe Pierre Érard im Jahr 1821 in England patentieren ließ (Patent Nr. 4631). Sie ermöglichte ein schnelles Repetieren (wiederholtes Anschlagen) von Tönen auch im forte (Music dynamic forte.svg) (deutsch laut, stark). Diese Erfindung, die für die Weiterentwicklung des Klavierspiels von großer Bedeutung werden sollte, war für das Spiel Chopins unerheblich, weil die schnelle Repetition im mittleren dynamischen Bereich (italienisch mezzoforte (Music dynamic mezzo forte.svg) ‚mittellaut‘) den Chopin in seinem Spiel bevorzugte, durch die Mechanik der Flügel von Pleyel gewährleistet war. Im Gegensatz zu den Instrumenten von Érard, wurde bei Pleyel die doppelte Auslösung erst nach 1863 eingeführt.[77]



Die Rezeption Chopins |



Kritik an Chopin |


In Deutschland griff Ludwig Rellstab Chopins Werke an. Die Variationen über Là ci darem la mano brandmarkte er als „slawischen Vandalismus“. Nach der Veröffentlichung der Mazurken Opus 7 schrieb Rellstab in seiner Zeitschrift Iris vom 12. Juli 1833 beispielsweise über Chopin:[78]





„In den Tänzen sättigt er sich in dieser Leidenschaft gesucht und unnatürlich zu schreiben bis zum eklen Übermass. In Aufsuchung ohrzerreissender Dissonanzen, gequälter Übergänge, schneidender Modulationen, widerwärtiger Verrenkungen der Melodie und des Rhythmus, ist er ganz unermüdlich und wir mochten sagen unerschöpflich. Alles, worauf man nur fallen kann, wird hervorgesucht, um den Effect bizarrer Originalität zu erzeugen, zumal aber die fremdartigsten Tonarten, die unnatürlichsten Lagen der Accorde, die widerhaarigsten Zusammenstellungen in Betreff der Fingersetzung. […] Hätte Herr Chopin diese Composition einem Meister vorgelegt, so würde dieser sie ihm hoffentlich zerrissen vor die Füsse geworfen haben, was wir hiermit symbolisch thun wollen.“




– Ludwig Rellstab, 1833


François-Joseph Fétis schrieb über Chopins Pariser Début in der Revue Musical vom 3. März 1832 eine Rezension, in der er nicht mit Kritik an Chopins eigener Wiedergabe seines e-Moll Klavierkonzerts sparte:[79]





„Überflüssige Artikulationen, eine gewisse Zügellosigkeit in der Aufeinanderfolge der Phrasen – mit dem Ergebnis, dass man eher glaubt Improvisationen zu hören, als niedergeschriebene Musik, das sind die Mängel, die sich in die bereits erwähnten Vorzüge mischen.“




François Fétis


Robert Schumann, wenngleich ein großer Verehrer Chopins, schrieb 1840 über die b-Moll-Sonate Opus 35 (Sonate mit dem Trauermarsch), dass sie überhaupt keine Musik sei: „So fängt nur Chopin an und so schließt nur er: mit Dissonanzen durch Dissonanzen in Dissonanzen. […] Dass Chopin es Sonate nannte, möchte man eher eine Caprice heißen, wenn nicht einen Übermut, dass er gerade vier seiner tollsten [Anm.: im Sinne von „wahnsinnigen“] Kinder zusammenkoppelte.“[80]


Claude Debussy, schrieb ein halbes Jahrhundert später über die Sonate in h-Moll op. 58, dass diese nur aus „Skizzen“ bestünde. Dabei war Debussy ein Bewunderer Chopins und widmete ihm seine zwölf Etüden.


Hector Berlioz bemängelte, dass sich bei Chopin das ganze Interesse auf den Klavierpart konzentriere und das Orchester in seinen Klavierkonzerten lediglich eine fast überflüssige Begleitung darstelle. Als Chopin im Wiener Theater am Kärntnertor gastierte, wurde das Ungleichgewicht zwischen Klavier und Orchester auch optisch deutlich. Die Bühne war allein für den Solisten reserviert, das Orchester spielte – wie bei einer Opernaufführung – unten im Orchestergraben. Man kann heute fragen, ob es im Sinne einer historisch orientierten Aufführungspraxis der Musik Chopins gerecht wird, wenn sie in großen Sälen vor einem nach Tausenden zählenden Publikum aufgeführt wird.


Kritik am Pianisten


Chopin wurde auch als Pianist kritisiert. Weil sich sein Spiel vorwiegend im unteren und mittleren Bereich der Dynamik bewegte, warfen ihm Zeitgenossen, die ihn in einem seiner wenigen Konzerte in größeren Sälen erlebt hatten vor, er würde zu leise spielen. Chopin trat meistens vor einer kleineren Zuhörerschaft in den Salons auf. Sein mehr zurückhaltendes, aber nuancenreiches, dem emotionalen Gehalt der Musik nachspürendes Spiel, stand im Gegensatz zu dem auf äußere Wirkung angelegten Spiel anderer Künstler, wie zum Beispiel Liszt, der die Effekte, die Paganini auf der Geige erzielte, auf das Klavier übertrug. Chopin versagte diesen Künstlern nicht seine Bewunderung, ging aber seinen eigenen Weg des verinnerlichten, auf Effekte verzichtenden Spiels.


Chopin spielte nicht gern vor einem großen anonymen Publikum, das ihn ängstigte. Er befürchtete, dass die breite Masse – im Gegensatz zum aufgeschlossenen Publikum in den Salons – seine Musik verurteilen würde. Hinzu kommt, dass zu seiner Zeit die Konzertflügel noch nicht die Klangfülle moderner Instrumente hatten und den Pianisten, um gehört zu werden, zu einem Spiel zwangen, das seinem Naturell und auch dem Geist des dargestellten Werkes (etwa Chopins Berceuse) widersprach. In den 18 Jahren seiner Pariser Zeit gab er nur insgesamt zehn Konzerte.


Kritik am Klavierpädagogen


Normalerweise war Chopin sehr beherrscht, bei einem weniger begabten Schüler konnte er einen Wutausbruch haben, bei dem auch ein Stuhl zu Bruch gehen konnte oder er mit den Füßen zu trampeln anfing. Solche Unterrichtsstunden nannte seine Schülerin Zofia Rosengardt (1824–1868), die heimlich in Chopin verliebt war, „leçons orageuses“ (deutsch stürmische Lektionen). Später war Chopin ihr Trauzeuge bei ihrer Eheschließung mit Józef Bohdan Zaleski (1802–1886). Zofia nahm ab November 1843 regelmäßig wöchentlichen Klavierunterricht. Sie beschreibt in ihrem Tagebuch die Persönlichkeit und das Verhalten ihres Lehrers in alltäglichen Situationen aus der Perspektive einer Schülerin gegenüber dem von ihr verehrten Meister. Indem sie ein farbenfrohes Porträt von Chopin nachzeichnet, bringt sie seine Sensibilität und auch seine Stimmungsschwankungen und sein stürmisches Temperament zum Ausdruck.[81]


Aspekte des Chopinspiels


Nach Chopins Tod begann das Ringen um die Bewahrung des stilechten Umgangs mit seinem Werk. Besonders seine Schüler und Enkelschüler, aber auch sonstige Klavierpädagogen, Pianisten und Liebhaber widmeten sich dieser Aufgabe. Verfälschungen und Missverständnisse blieben nicht aus.


Karol Mikuli war von 1844 bis 1847 Schüler Chopins und genoss das besondere Vertrauen seines Lehrers. Die im Unterricht verwendeten Erstausgaben von Chopins Klavierwerken, wurden vom Lehrer, wo nötig, korrigiert und teilweise mit Anmerkungen (zum Beispiel Fingersätzen, Hinweisen zur Ausführung von Verzierungen) versehen. Sie dienten Mikuli als Grundlage seiner 1879 veröffentlichen Chopinausgabe. Mikuli ist der Gründer der sogenannten Lemberger Klavierschule. Er galt als absolute Autorität in allen Fragen, die das Klavierwerk Chopins und seine Interpretation betrafen. Bei seinen Schülern verwarf er jegliche rhythmische Nachlässigkeit, die sich hinter einem falsch verstandenen Begriff des Rubato versteckte und legte in der Tradition seines Lehrers großen Wert auf cantables ( italienisch gesanglich, liedhaft) Spiel, das einen harten, „klopfenden“ Ton ausschloß. Härte und Grobheit im Spiel wurden nicht geduldet. Nach Mikulis Worten „sang in Chopins Spiel die musikalische Phrase mit solcher Klarheit, dass jede Note zur Silbe wurde, jeder Takt zum Wort, jede Phrase zum Gedanken, eine Sprache ohne Schwulst, einfach und gleichmäßig“.[82]
Die wichtigsten Eigenheiten des Chopinschen Spiels und Bemerkungen, die die stilechte Interpretation seiner Werke betreffen, hat Mikuli im Vorwort seiner Chopinausgabe dargelegt. Sie sind bis heute Richtschnur besonders der polnischen Tradition des Chopinspiels.


Bronisław von Poźniak verfasste seine Schriften zum Klavier- beziehungsweise Chopinspiel in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er betont die Wichtigkeit der Entspannung und das Vermeiden unnötiger Bewegungen. Poźniak sieht sich als Bewahrer der Tradition des polnischen Chopinspiels, wie es von Karol von Mikuli (1819/1821–1897), einem Schüler Chopins, in Lwów (Lemberg) gelehrt wurde.





Karol von Mikuli, ein bedeutender Schüler Chopins.


Poźniak wendet sich gegen die übermäßige Betonung der technischen Seite des Klavierwerks Chopins, wie sie vor allem in den übertriebenen Tempi mancher Chopinspieler zum Ausdruck kommt. Dieses Zurschaustellen der technischen Fertigkeiten, wie es besonders bei der Interpretation der Etüden beobachtet wird, sei eine Verfälschung des Geistes der Chopinschen Musik, die sich nach Poźniak durch Noblesse, Poesie, Natürlichkeit, Fehlen jeglicher Sentimentalität und tief empfundener Liebe und Verbundenheit zur polnischen Heimat und dem polnischen Volk auszeichnet.[83]



Die Editionen des Chopinschen Werkes |



Historische Ausgaben (Auswahl)[84] |




Skizzenblatt und erste Seite des Manuskriptes der Berceuse


Die Mikuli-Ausgabe[85]:269



  • Fr. Chopins Pianoforte-Werke revidiert und mit Fingersatz versehen (zum grössten Theil nach des Autors Notirungen) (sic) von Carl Mikuli. Fr. Kistner, Leipzig 1879.

Die ursprünglich in 17 Bänden im Januar 1880 herausgekommene Ausgabe wurde später teilweise von anderen Verlagen in Einzelausgaben nachgedruckt (G. Schirmer, Hansen u. a.).
Die Autorität der Mikuli-Ausgabe beruht auf den Erfahrungen des mehrjährigen Studiums (8&1844–1848) des Herausgebers bei Chopin in Paris. Er benutzte als Grundlage die vom Komponisten eigenhändig in Mikulis Unterricht mit Anmerkungen versehenen französischen Erstausgaben, auch Exemplare in die Mikuli während des Unterrichts anderer Schüler Chopins Bemerkungen eintrug, sowie die von den Schülerinnen Delfina Potocka, Marcelina Czartoryska und Friederike Streicher-Müller in ihren Noten gemachten Eintragungen. Für die Textgestaltung holte er sich Rat bei Camille Dubois-O'Meara, Vera Rubio, Ferdinand Hiller und Auguste Franchomme. Es wurde kritisiert, dass Mikuli die Originalfingersätze Chopins nicht kenntlich machte oder nicht übernahm, weil er den Fingersatz als eine individuelle Angelegenheit des Pianisten betrachtete, die mit den physiologischen Gegebenheiten der Hand, mit seiner Technik und seinem Interpretationsstil zusammenhängt. Das Vorwort ist die genaueste Quelle, die wir über Chopins Unterricht kennen.[86]>


Die Oxford-Ausgabe[85]:273



  • The Oxford Original Edition of Frédéric Chopin. Edited from the original edition and the manuscripts by Edouard Ganche, président de la Société Frédéric Chopin à Paris. (Publiées d’après l’édition originale et les manuscrits par …), (französisch „ Nach den Manuskripten und Original-Ausgaben herausgegeben von …“). Oxford University Press, London 1932.

Die Ausgabe bezog ihre Autorität aus der Tatsache, dass Edouard Ganche, Autor einiger Werke über Chopin, mit Personen aus dem Umfeld des Schülerkreises Chopins Kontakt hatte und so zu manchen Problemen authentische Auskunft einholen konnte. Der Verlag warb mit dem Satz: L’oeuvre de Chopin comme il l’écrivit (französisch „Das Werk Chopins wie er es schrieb“). Die Ausgabe war ein großer Fortschritt gegenüber den sogenannten instruktiven Ausgaben, die von den willkürlichen und vom persönlichen Geschmack geleiteten Eingriffen in den Originaltext ihrer Herausgeber gekennzeichnet waren.


Die Paderewski-Ausgabe[85]:276



  • Fryderyk Chopin: Dzieła Wszystkie (polnisch „Sämtliche Werke“). Według autografów i pierwszych wydań z komentarzami krytycznymi (polnisch „Nach den Handschriften und Erstausgaben mit kritischen Kommentaren“). Redakcja Ignacy J. Paderewski. Współudział (polnisch „Mitarbeit“) Ludwik Bronarski i Józef Turczyński. Polskie Wydawnictwo Muzyczne, Krakau, Institut Fryderyka Chopina, Warschau, 1949–1961.

Die Chopin-Ausgabe Paderewskis, eine editorische Pionierleistung, die in verschiedensprachigen Versionen mit Fingersatzbezeichnungen und Kommentaren erschien, hat heute vor allem noch historischen Wert. Sie wurde durch die modernen Urtextausgaben (Henle, PWM, Peters, Wiener Urtext, Bärenreiter) abgelöst.


Die Cortot-Ausgabe[85]:282



  • Alfred Cortot: Édition de Travail des Oeuvres de Chopin (= Édition Nationale de Musique Classique). Édition Salabert, Paris. (Ursprünglich erschienen einige Bände von 1915 bis 1939 in den Êditions Maurice Senart, Paris. Sie wurden als Teil der „Collection Maurice Senart“ von Salabert übernommen). Die Cortot-Ausgabe ist textlich durch die modernen Urtext-Ausgaben überholt. Sie ist aber mit ihren ausführlichen Kommentaren zum Komponisten und den Werken bis heute eine bei Pianisten beliebte Ausgabe, zumal einige Bände in mehreren Sprachen erschienen sind. Besonders die musikpädagogische Zielsetzung mit detaillierten Anmerkungen zur Spieltechnik und zahlreichen Zusatzübungen zur Überwindung der technischen Probleme sind mit ein Grund für die weite Verbreitung der Ausgabe. Jedem Heft ist als Motto Cortots Forderung vorangestellt: Travailler non seulement le passage difficile, mais la difficulté elle-même en lui restituant son caractère élémentaire (französisch „Man übe nicht nur die schwierige Stelle, sondern die Schwierigkeit selbst, indem man sie auf ihren elementaren Charakter zurückführt“). Die Ausgabe wird heute von der Musikwissenschaft und Klavierpädagogik wegen ihrer Subjektivität kritisch beurteilt. Selbst die Wirksamkeit mancher der vielen Zusatzübungen zur Lösung der technischen Probleme wird bestritten. Der ganzheitliche Ansatz der modernen Klavierpädagogik mit der Einbeziehung des gesamten Spielapparates, zeigt, dass die kleinschrittige Methode Cortots mit der Betonung der Ausbildung der Finger, das gestellte Problem nicht immer löst, sondern auch neue Probleme schafft. (Ein Beispiel sind die zahllosen, aus heutiger Sicht problematischen Übungen zum Daumenuntersatz zur Erzielung der égalité (französisch „Gleichmäßigkeit“), die auch mit anderen Mitteln erreicht werden kann). Cortots Fingersatz gilt als schwierig, weil es ihm nicht darauf ankam durch Erleichterungen das Stück spielbarer zu machen, sondern durch eine angemessene Fingersetzung die Intentionen des Komponisten zu verwirklichen. Moderne Klavierpädagogen sind der Auffassung, dass dies auch mit einfachen, die Entspannung fördernden Fingersätzen möglich ist. Es bleibt im technischen Bereich das Verdienst Cortots, gezeigt zu haben, dass durch ein lernzielorientiertes, methodisches Vorgehen auch große Schwierigkeiten, wie beispielsweise die der Etüden, zu bewältigen sind. Seine Kommentare zum Verständnis Chopins und zur Interpretation des Chopinschen Klavierwerkes mögen im Einzelnen teilweise nicht mehr modernen Erkenntnissen standhalten, es bleibt aber auch hier die Bedeutung Cortots, mit seiner Ausgabe beigetragen zu haben, das falsche Bild Chopins als eines sentimentalen Salonkomponisten zu revidieren und eine stilgemäße, der réserve aristocratique (französisch „aristokratische(n) Zurückhaltung“) Chopins angemessene Interpretation und natürliche Spielweise zu erreichen. Wie Mikuli, Michałowski, Poźniak und andere der polnischen Tradition verpflichteten Pianisten betont Cortot in seiner Ausgabe immer wieder, dass die Klaviertechnik im Dienste der hochemotionalen Musik Chopins stehen muss und nicht einer Zurschaustellung der Virtuosität des Spielers, eine Forderung, die bis heute immer noch nicht ganz erfüllt ist.

Die Breitkopf & Härtel-Ausgaben[85]:256



  • Oeuvres de piano de Fréd. Chopin. Leipzig 1852–1867.

Die Ausgabe ist eine Zusammenfassung vieler als Erstausgaben bei Breitkopf zu Lebzeiten Chopins erschienenen Werke.




  • Werke für das Pianoforte von F. Chopin. Neue Ausgabe. Leipzig 1868–1873.


  • Pianoforte-Werke von Fr. Chopin. Neue revidierte Ausgabe mit Fingersatz zum Gebrauch im Conservatorium der Musik zu Leipzig versehen von Carl Reinecke Leipzig 1880–1885.


  • Friedrich Chopin’s Werke. Herausgegeben von Woldemar Bargiel, Johannes Brahms, Ernst Rudorff. Erste kritisch durchgesehene Gesamtausgabe. Leipzig 1878–1880.


  • Fr. Chopin Pianoforte-Werke. Herausgegeben von Ignaz Friedman. Leipzig 1913.


Diese seinerzeit weitverbreitete, von dem berühmten Chopinspieler Ignaz Friedman als Gesamtausgabe bezeichnete Edition, wurde auf der Grundlage von Original-Manuskripten und der vorhandenen älteren Ausgaben vorgenommen. Es wird aber kein kritischer Kommentar gegeben, aus dem die Auswahl aus den verschiedenen Vorlagen und die Abweichungen ersichtlich wären. Trotz der Bezeichnung Gesamtausgabe fehlen Werke, die Friedmann der Kategorie „Jugendsünden“ und dergleichen zuordnet. Friedman weist darauf hin, dass der Klavierbau seit Chopins Zeiten große Fortschritte gemacht hat ohne dass die älteren Ausgaben dies berücksichtigt hätten. Pedalisierungen, Fingersätze und Phrasierungen seien oft fragwürdig. Friedmann ist der Auffassung, dass Chopins Fingersatz Neuland und „in mancher Hinsicht doch längst überwunden“ sei (aus dem Vorwort). Bezüglich der Rezeption wendet sich Friedmann streng gegen die Auffassung, Chopin sei lediglich ein Salonkomponist und unterstreicht den Einfluß, den Chopin besonders hinsichtlich der Harmonik auf die Komponisten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hatte.



  • Fr. Chopins Klavierwerke. Herausgegeben von Raoul von Koczalski.

Diese auf 12 Bände geplante Ausgabe war bis nach 1945 bereits mit den Editionsnummern (ED 5811–5822) angezeigt, ist aber nie erschienen. Es ist auch nicht bekannt, wie weit der Herausgeber mit seiner Arbeit gekommen war. Lediglich einige Werkeinführungen zur Gesamtausgabe aus dem Jahr 1940 sind erhalten[87] Angesichts der weithin anerkannten Authentizität von Koczalskis Chopinspiel, die allerdings auch von namhaften Pianisten (Claudio Arrau, Artur Rubinstein) bezweifelt wurde, hätte diese Ausgabe eines Enkelschülers Chopins Hinweise zur stilgerechten Wiedergabe des Chopinschen Klavierwerkes geben können.[88]


Die Peters-Ausgaben[85]:274



  • Fr Chopin’s Sämmtliche (sic) Pianoforte-Werke. Kritisch revidiert und mit Fingersatz versehen von Hermann Scholtz. C. F. Peters, Leipzig 1879. (Neue Ausgabe 1904–1907).


  • Werke von Fr. Chopin kritisch revidiert von Hermann Scholtz. Neue Ausgabe von Bronisław von Poźniak. Neuausgabe zum 100. Todestag Chopins 17. Oktober 1949 in Verbindung mit dem Chopin-Komitee Berlin. C. F. Peters, Leipzig 1948–1950.

Es fand keine größere Revision des Textes der alten Petersausgabe statt. Pożniak versah die Ausgabe mit einem aus der Erfahrung des konzertierenden Pianisten und Pädagogen gewonnenen neuen Fingersatzes, der in bewusster Einfachheit zu manchen Spielerleichterungen führt. Er verzichtet konsequent auf den Fingerwechsel bei repetierten Noten und Verzierungen, wie das schon Ferruccio Busoni gefordert hatte. Poźniaks sparsame Pedalisierung, die nicht selten im Gegensatz zu Chopins eigenen Angaben steht, hat als Richtlinie die Klarheit in der Harmonik und Linienführung, die nicht verwischt werden soll. Dabei verkennt er jedoch, dass Klangmischungen von nichtverwandten Akkorden von Chopin manchmal beabsichtigt sind und dies auch in der originalen Pedalisierung zum Ausdruck kommt. Pożniak verfolgte mit seiner Ausgabe, wie auch in seinen Schriften, das Ziel, das Chopinsche Klavierwerk einem möglichst großen Kreis von Spielern, auch dem Laienspieler, näher zu bringen. Seine Vorgehensweise entspricht ganz dem Chopinschen Ideal der simplicité(französisch „Einfachheit“) und der von ihm oft im Unterricht gebrauchten Spielanweisung facilement (französisch „ mit Leichtigkeit, ungezwungen“), wie sie von seinen Schülern überliefert wurde. ( s. im Literaturverzeichnis die Werke von Jean-Jacques Eigeldinger).


Die Askenase-Ausgabe[85]:306


In den Jahren 1946 bis 1969 gab Stefan Askenase (1896–1985) ein Reihe von Klavierwerken Chopins bei der Edition Heuwerkemeijer, Amsterdam heraus:




  • Nocturnes (1946, Editions-Nr. 406),


  • Valses (1947, Editions-Nr. 401),


  • Mazurkas (1947, Editions-Nr. 405),


  • Andante spianato aus opus 22 (1969, Editions-Nr. 35)


  • Nocturne cis-Moll opus posth. (1969, Editions-Nr. 496)


Die Ausgabe ist aus der künstlerischen und pädagogischen Praxis Askenases entstanden. Sie trägt deshalb sehr persönliche Züge und ist am ehesten mit den sogenannten instruktiven Ausgaben der früheren Epoche vergleichbar. Ohne den Benutzer zu informieren, wird in den Text eingegriffen (zum Beispiel mit vom Original abweichenden Umverteilungen auf beide Hände) wenn dies dem Herausgeber praktisch erscheint und dadurch Spielerleichterungen erzielt werden. (Askenase hatte relativ kleine Hände). Die Ausgaben sind mit Ausnahme des cis-Moll Nocturnes mit genauen Fingersätzen versehen und vollständig durchpedalisiert. Die Pedalisierung entspricht oft nicht den Originalanweisungen Chopins, sie widerspricht ihnen sogar manchmal, weil Askenase nicht die von Chopin beabsichtigten Klangmischungen berücksichtigt. Es wird auch das von Chopin nachweislich verwendete Fingerpedal genau bezeichnet (auch legatissimo-Anschlag genannt. Die zu einer Harmonie gehörenden Töne werden besonders bei Begleitfiguren mit den Fingern gehalten). Der Fingersatz ist von großer Einfachheit und setzt auch das Pedal als Bindepedal ein, wo eine Bindung mit den Fingern auf Schwierigkeiten stößt. Diese Verwendung war von Chopin nicht vorgesehen, da bei ihm das Pedal lediglich eine klangliche Funktion hat.


  • In der Buchreihe Wie Meister üben des Panton Verlages Zürich erschien 1969 die Dokumentation einer Unterrichtsstunde (Text und zwei Langspielplatten) über die Berceuse opus 57, in der viele Aspekte des Chopinspiels zur Sprache kommen. Die Beilage des Textes der Berceuse ist, wie die anderen Ausgaben, mit Ausnahme des Nocturne cis-Moll, mit Fingersätzen und genauer Pedalisierung versehen.


Moderne Urtextausgaben |



Henle-Ausgabe |


  • Frédéric Chopin. Werke. Urtext. Nach Eigenschriften, Abschriften und den Erstausgaben herausgegeben von Hermann Keller, Ewald Zimmermann, Ernst Herttrich. Fingersatz von Hermann Keller und Hans Martin Theopold. G. Henle Verlag, München 1956–1990. Eine Neubearbeitung einzelner Bände (Hrsg. Norbert Müllemann) ist im Entstehen.[85]:265


Polnische Nationalausgabe |



  • Wydanie Narodowe Dzieł Chopina (Polnische Nationalausgabe der Werke Chopins). Herausgeber: Jan Ekier. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Krakau.[85]:279


Die Petersausgaben |



  • Frédéric Chopin. Klavierwerke. Urtextausgabe. Editionsleiter: Paul Badura-Skoda. Edition Peters, Leipzig 1985/86. Erschienen sind:


    • Préludes (Nr. 13178, hrsg. von Paul Badura-Skoda, mit aufführungspraktischen Hinweisen, 1985).


    • Impromptus (Nr. 13355, hrsg. von Akira Imai, 1986).


    • Balladen (Nr. 13363, hrsg. von Herbert Schneider, Fingersatz von Paul Badura-Skoda, 1986).[85]:275




  • The complete Chopin: a new critical edition. Series editors: John Rink, Jim Samson, Jean-Jacques Eigeldinger; editorial consultant: Christophe Grabowski. Edition Peters. London u. a.



Bärenreiter-Ausgabe |


  • Urtextausgabe Bärenreiter, Kassel.[89]


Wiener Urtext Edition |


  • Frédéric Chopin. [Werke]. Nach den Autographen, Abschriften, Erstdrucke, Originalausgaben. Wiener Urtext Edition, Wien und Mainz 1973–1986. Erschienen sind:


    • 24 Préludes (Nr. 50005, hrsg. von Bernhard Hansen, Fingersatz von Jörg Demus, 1973). **Études op. 10 (Nr. 50030, hrsg. von Paul Badura-Skoda, 1973).


    • Études op. 25. Trois Nouvelles Études (Nr. 50031, hrsg. von Paul Badura-Skoda, 1973). **Impromptus (Nr. 50058, hrsg. von Jan Ekier, 1977).


    • Scherzos (Nr. 50061, hrsg. von Jan Ekier, 1979).


    • Nocturnes (Nr. 50065, hrsg. von Jan Ekier, 1980).


    • Ballades (Nr. 50100, hrsg. von Jan Ekier, 1986).[85]:323




Chopins kompositorisches Werk |



Werkbeschreibungen (Auswahl) |


Von Chopin sind etwa 230 Werke überliefert.[90]



Balladen |





Barcarolle |





Barcarolle, Opus 60, Olga Gurevich



Berceuse |




Etüden |




Impromptus |




Fantaisie-Impromptu, Opus 66 posthum




Impromptu Nr. 1 Opus 29, Frank Levy


Schuberts und Chopins Impromptus (Stücke aus dem Stegreif) sind so wenig Stegreifstücke wie ihre Walzer. Bekannt wurde vor allem das Fantaisie-Impromptu (komponiert 1834, erschienen 1855 als opus 66). Chopin soll es nicht zur Veröffentlichung freigegeben haben, weil er nach dem Entstehen des Stücks erkannt habe, dass das Hauptthema des ersten Teiles eine große Ähnlichkeit mit dem Thema des Vivace aus dem Impromptus Opus 89 von Ignaz Moscheles aufwies. Musikalisch und pianistisch reicher sind die Impromptus Fis-Dur Opus 36 (1840) und Ges-dur Opus 51 (1843). Das Impromptu As-Dur Opus 29 (1837/38) mit seinem reich verzierten Mittelteil in f-Moll bleibt im Rahmen virtuoser Salonmusik.



Konzerte |




Krakowiak |




Chopin – Rondo de Concert Krakowiak, Opus 14


Das Konzertrondo für Klavier und Orchester Opus 14 in F-Dur (1828) und der Schlusssatz des e-Moll-Konzerts sind Krakowiaks, polnische Volkstänze, die aus der Region um Krakau stammen.



Lieder |


Chopin vertonte im Laufe von knapp zwei Jahrzehnten 19 damals aktuelle, romantische polnische Gedichte. 17 davon wurden aus dem Nachlass 1859 von Julian Fontana (1810–1869) als Opus 74 herausgegeben. 2 Lieder tragen keine Opuszahl.[91] Die Spannweite der Lieder reicht vom launigen Gesellschaftslied bis zur Rhapsodie, von der balladenartigen Dumka bis zur lyrischen Romanze.



Mazurkas |




Mazurka Opus 17 Nr. 4, Christoph Zbinden




Mazurka Opus 7 Nr. 1, Christoph Zbinden


Die Mazurka (russisch; polnisch Mazurek) war, anders als die Polonaise, Anfang des 19. Jahrhunderts eine recht neue Gattung der Klaviermusik, die sich aber schnell in ganz Europa etablierte. Chopin kannte sie als Folklore – Kujawiak ist die langsame, Oberek die schnellere Variante des Mazurek – von seinen Sommeraufenthalten auf dem polnischen Land.[5] Der Begriff leitet sich von der polnischen Landschaft Masowien (polnisch : Mazowsze) ab. Mit 15 Jahren schrieb er seine erste Mazurka (B-Dur K. 891–895). Stilistische Merkmale seiner Mazurkas sind Chromatik, modale Wendungen und zuweilen ein Bass mit Quint-Bordun (tiefer Halteton zur Begleitung einer Melodie). Chopin veröffentlichte 43 Mazurkas, die größtenteils in Gruppen zusammengefasst sind (Opus 6, 7, 17, 24, 30, 33, 41, 50, 56, 59, 63, dazu die Mazurken a-Moll „Gaillard“ und a-Moll „France Musicale“). (Die Ausgabe des Henle Verlages, München, verzeichnet insgesamt mit den nachgelassenen 57 Mazurken).[92] In der Regel bildet das letzte Stück einen größeren Abschluss. Der Mittelteil der fis-Moll-Polonaise und der Schlusssatz des f-Moll-Konzerts haben den Charakter von Mazurken. Die zahlreichen Mazurken verkörpern eine Art musikalisches Tagebuch des Komponisten.



Nocturnes |




Polonaisen |






Autograph des Anfangs der Polonaise As-Dur op. 53 (1842) – Morgan Library & Museum




Andante spianato et Grande Polonaise brillante Opus 22, Debbie Hu




Polonaise As-Dur, Opus 53, Héroïque, Giorgi Latso


Chopin schuf insgesamt 17 Polonaisen (von französisch danse polonaise ‚polnischer Tanz‘). Zunächst orientierte er sich an den Polonaisen Michał Ogińskis (1765–1833), Josef Elsners, Johann Nepomuk Hummels und Carl Maria von Webers.
Die Polonaise (französisch danse polonaise ‚polnischer Tanz‘; italienisch Polacca, polnisch Polonez) ist ein polnischer Nationaltanz, bei dem Tanzpaare im Reigen und moderaten Tempo nach bestimmten Figuren würdevoll und majestätisch zu einer Musik im Polonaise-Rhythmus durch den Saal schreiten. Zum Tempo schreibt Bronisław von Poźniak: „Ich weiß positiv, daß Chopin seinen Schülern beim Studium der Polonaisen ausdrücklich das Zählen des Dreivierteltaktes in der Sechsteiligkeit empfahl. Damit bewies er, daß er das Tempo auf keinen Fall anders haben wollte, als man es beim Tanzen nahm.“[93] Chopins Polonaisen waren nicht zum Tanzen gedacht. Sein frühestes, als Druckwerk erhaltene Stück ist eine Polonaise in g-Moll (K. 889) von 1817. Einige Polonaisen ohne Opuszahl sind Jugendwerke, die er später nicht veröffentlichen wollte, weil sie ihm zu schlicht waren. Seine späteren, in Paris entstandenen Werke dieser Gattung machen sich von den Vorbildern frei. Die Polonaise As-Dur (Opus 53, Héroïque) hat man die „heimliche Nationalhymne“ Polens genannt.



Préludes |





Prélude Opus 28 Nr. 4




Prélude Opus 28 Nr. 16, Giorgi Latsabidze



Rondos |




Rondo à la Mazur, Opus 5, Christoph Zbinden


Chopin schrieb fünf Rondos:
Rondo in c-Moll, Opus 1, Rondo à la mazur in F-Dur, Opus 5, Rondo in Es-Dur, Opus 16 (auch Introduction et Rondeau genannt), Rondo in C-Dur, Opus posth. 73 (Versionen für Piano solo und zwei Pianos) und Rondo à la Krakowiak, Opus 14. Robert Schumann hörte 1836 zum ersten Mal das Rondo à la Mazur und er nannte es „lieblich, enthusiastisch und voller Anmut. Wer Chopin noch nicht kennt, sollte am besten mit diesem Stück mit ihm Bekanntschaft machen“.[94]



Scherzi |





Scherzo Nr. 2, Opus 31, Eunmi Ko



Sonaten |




Tänze |


Als Pole hat Chopin – wie seine Landsleute Karol Kurpiński (1785–1857) und Maria Szymanowska – den heimatlichen Tänzen Polonaise und Mazurka ein Denkmal gesetzt. Als Charakterstücke sind sie wie die Walzer nicht zum Tanzen bestimmt. Sie sind stilisierte Tänze für den konzertanten Vortrag.



Bolero |



Chopin Bolero Opus 19, Christoph Zbinden


Das konzertante Opus 19 ist ein Bolero. Trotz des vordergründig spanischen Geschmacks des Stückes wurde es als verdeckte Polonaise oder als Boléro à la Polonaise beschrieben, da seine Rhythmen eher an den Nationaltanz von Chopins Heimat erinnern als an alles Spanische. Der Bolero wurde 1833, fünf Jahre vor Chopins erstem Besuch in Spanien, geschrieben.



Bourrée |



Chopin Bourrée, A-Dur, Aya Higuchi


Frédéric Chopin schrieb seine zwei Bourrées, ursprünglich barocke Hoftänze, 1846 in A-Dur und G-Dur. Sie wurden erst 1968 veröffentlicht, tragen keine Opusnummern und werden nach den Chopin Werkverzeichnissen (s. Literaturverzeichnis) nummeriert.



Écossaises |



Écossaise Nr. 1, Aya Higuchi


Chopin komponierte drei Écossaises (französisch für „schottisch“), Opus 72 Nr. 3/1–3 ursprünglich schottische Rundtänze im 3/2- oder 3/4-Takt, die mit dem Dudelsack begleitet wurden. Es handelt sich um einen in Hofgesellschaften getanzten Kontratanz von lebhafter Bewegung im 2/4-Takt.



Tarantella |



Chopin Tarantella Opus 43, Olga Gurevich


Die Tarantella ist ein aus Süditalien stammender Volkstanz. Sie zeichnet sich durch ein schnelles Tempo im 3/8- oder 6/8-Takt aus. Chopin komponierte die Tarantella Opus 43 As-Dur im Juni 1841 und veröffentlichte sie im Oktober 1841.[95]



Walzer |




Walzer e-Moll B 56, posthum, Olga Gurevich





Grande Valse brillante (1831), Es-Dur Opus 18. Sergej Rachmaninow, Aufnahme: 21. Januar 1921


Chopin beschäftigte sich immer wieder mit dieser Gattung und schuf ein breites Spektrum an Formen, von virtuosen Paradestücken – den Grandes Valses Brillantes – bis zu tief melancholischen Stimmungsbildern. Sie waren nicht, wie etwa die Walzer von Franz Schubert, zum Tanzen bestimmt. Die überwiegend raschen Walzer sind Salonmusik. Chopin hat diese Stücke mit wenigen Ausnahmen in Dur-Tonarten setzte, stehen diese doch nach dem abendländischen Harmonieverständnis für eine freudvollere Stimmung als die Moll-Tonarten.


Der sogenannte „Minutenwalzer“ (Opus 64 Nr. 1, ursprünglich Valse du petit chien, deutsch Walzer des kleinen Hundes) ist nicht darauf angelegt, möglichst in einer Minute gespielt zu werden.[96] „George Sand besaß einen kleinen Hund, der die Gewohnheit hatte, sich rund umher zu drehen, um seinen Schwanz zu erfassen. Eines Abends, als derselbe gerade damit beschäftigt war, sagte sie zu Chopin: „Wenn ich Ihr Talent hätte, so würde ich für diesen Hund ein Clavierstück schreiben“. Chopin setzte sich ans Klavier und improvisierte den Walzer in Des-dur.[97]


„Walzer nennen sie hier Werke! Und Strauss und Lanner, die ihnen zum Tanz aufspielen, Kapellmeister“, schrieb Chopin empört aus Wien an Elsner. „Von den zahlreichen Wiener Belustigungen sind die Abende in den Gasthäusern besonders berühmt, wo zum Nachtmahl Strauss oder Lanner […] Walzer spielen“, erklärte er seiner Familie. Für Chopin waren Walzer Impressionen aus dem zeitgenössischen Salon: abendliche Feste, chevalereske Gesten, wirbelnde Paare – alles in der für Chopin typischen vornehmen Distanz und Bändigung des Gefühls.




Lebensgroße Büste von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin zum 200. Geburtstag Chopins (2010). Hackesche Höfe, Berlin. Entwurf Christian Bahr



Werke mit Opuszahl |


Die letzte Opus-Zahl, die Chopin verwendete, war 65, die der Cello-Sonate in g-Moll zugeteilt ist. Mit der Erlaubnis der Mutter und der Schwestern des Komponisten, aber gegen seinen Willen, wählte Julian Fontana weitere unveröffentlichte Klavierstücke und Lieder aus und gruppierte sie in 9 Opusnummern (Opus 66–74). Diese Arbeiten wurden 1855 (opus 66–73) und 1859 (opus 74) veröffentlicht.









































































































































































































































































































































































































































































































































































































Opuszahl
Titel des Werkes
Entstehungszeit

Erstausgabe
Widmungsempfänger

1

Rondeau c-Moll
1825
(1825)

Ludwika Linde
2

Variations sur „Là ci darem la mano“ de „Don Juan“ de Mozart B-Dur für Klavier und Orchester
1827
(1833)

Tytus Woyciechowski
3

Polonaise brillante C-Dur für Violoncello und Klavier
1829/1830
(1835)

Joseph Merk
4

Sonate Nr. 1 c-Moll
1827/1828
(1851)

Joseph Elsner
5

Rondeau à la Mazur F-Dur
1826
(1828)
„Comtesse Alexandrine de Moriolles“
6

Cinq Mazurkas fis-Moll, cis-Moll, E-Dur, es-Moll, C-Dur
1830/32
(1833, eine deutsche Ausgabe Quatre Mazurkas, ohne die in C-Dur erschien 1832)
„Comtesse Pauline Plater“
7

Quattre Mazurkas B-Dur, a-Moll, f-Moll, As-Dur
1824/1832
(1833)

Paul Emile Johns
8

Trio für Klavier, Violine und Violoncello g-Moll
1828/1829
(1833)

Fürst Anton Radziwiłł
9

Trois Nocturnes b-Moll, Es-Dur, H-Dur
1832
(1832)

Marie Pleyel
10

Douze Études
1829–1833
(1833)

Franz Liszt
11

Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll
1830
(1833)

Friedrich Kalkbrenner
12

Variations brillantes sur le rondeau favori „Je vends des Scapulaires“ de „Ludovic“ de Hérold et Halévy B-Dur
1833
(1833)

Emma Horsford
13

Fantaisie sur des airs nationaux polonais A-Dur für Klavier und Orchester
1828
(1834)

Johann Peter Pixis
14

Krakowiak. Grand Rondeau de Concert F-Dur für Klavier und Orchester
1828
(1834)
Fürstin Anna Czartoryska
15

Trois Nocturnes F-Dur, Fis-Dur, g-Moll
1833
(1833)

Ferdinand von Hiller
16

Rondeau Es-Dur
1833
(1833)

Caroline Hartmann
17

Quatre Mazurkas B-Dur, e-Moll, As-Dur, a-Moll
1833
(1833)
„Madame Lina Freppa“
18

Grande valse brillante Es-Dur
1833
(1834)

Laura Horsford
19

Boléro C-Dur
1833
(1834)
„Comtesse Emilie de Flahault“
20

Scherzo Nr. 1 h-Moll
1833
(1835)
Thomas Albrecht
21

Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll
1829
(1836)
Gräfin Delfina Potocka
22

Grande polonaise brillante précédée d’un Andante spianato G-Dur u. Es-Dur
1830–1835
(1836)
„Baronesse d’Est“
23

Ballade Nr. 1 g-Moll
1833
(1836)

Bodo Albrecht von Stockhausen
24

Quatre Mazurkas g-Moll, C-Dur, As-Dur, b-Moll
1833
(1835)
Graf Léon-Amable de Perthuis
25

Douze Études
1835–1837
(1837)
Gräfin Marie d’Agoult
26

Deux Polonaises cis-Moll, es-Moll
1835
(1836)

Josef Dessauer
27

Deux Nocturnes cis-Moll, Des-Dur
1835
(1836)
Gräfin Therese von Apponyi
28

24 Préludes Opus 28
1838–1839
(1839)

Camille Pleyel
29

Impromptu Nr. 1 As-Dur
1837
(1837)
„Comtesse Caroline de Lobau“
30

Quatre Mazurkas c-Moll, h-Moll, Des-Dur, cis-Moll
1837
(1837)

Fürstin Maria von Württemberg geb. Fürstin Czartoryska
31

Scherzo Nr. 2 b-Moll
1837
(1837)
„Comtesse Adèle de Fürstenstein“
32

Deux Nocturnes H-Dur, As-Dur
1837
(1837) und
„Baronin Camille de Billing née de Courbonne“
33

Quatre Mazurkas gis-Moll, C-Dur, D-Dur, h-Moll
1838
(1838)
„Comtesse Róża Mostowska“
34

Trois Valses As-Dur, a-Moll, F-Dur
1835–1838
 

34/1

Valse As-Dur
1835
(1838)

Gräfin Josephine von Thun-Hohenstein
34/2

Valse a-Moll
1838
(1838)
„Baronesse G. d’Ivry“
34/3

Valse F-Dur
1838
(1838)
„Mademoiselle la Baronne A. d’Eichthal“
35

Sonate Nr. 2 b-Moll
1837 (Trauermarsch), 1839
(1840)
keine Widmung
36

Impromptu Nr. 2 Fis-Dur
1839
(1840)
keine Widmung
37

Deux Nocturnes g-Moll, G-Dur
1838: g-Moll, 1839: G-Dur
(1840)
keine Widmung
38

Ballade Nr. 2 F-Dur
1839
(1840)

Robert Schumann
39

Scherzo Nr. 3 cis-Moll
1839
(1840)

Adolf Gutmann
40

Deux Polonaises A-Dur („Militaire“), c-Moll
1838: A-Dur, 1839: c-Moll
(1840)

Julian Fontana
41

Quatre Mazurkas e-Moll, H-Dur, As-Dur, cis-Moll
1838: e-Moll, 1839
(1840)

Stefan Witwicki
42

Grande Valse As-Dur
1840
(1840)
keine Widmung
43

Tarantelle As-Dur
1841
(1841)
keine Widmung
44

Polonaise fis-Moll
1841
(1841)

Fürstin Ludmille de Beauveau geb. Komar
45

Prélude cis-Moll
1841
(1841)

Fürstin Elisabeth Tschernischeff
46

Allegro de Concert A-Dur
1834–1841
(1841)

Friederike Müller
47

Ballade Nr. 3 As-Dur
1841
(1841)

Pauline de Noailles
48

Deux Nocturnes c-Moll, fis-Moll
1841
(1841)

Laure Duperré
49

Fantaisie f-Moll
1841
(1841)
Fürstin Catherine de Souzzo
50

Trois Mazurkas G-Dur, As-Dur, cis-Moll
1842
(1842)
Leon Szmitkowski
51

Impromptu Nr. 3 Ges-Dur
1842
(1843)

Gräfin Johanna von Esterházy geb. Gräfin Batthyány
52

Ballade Nr. 4 f-Moll
1842–1843
(1843)
Baronin Charlotte de Rothschild
53

Polonaise As-Dur („Héroïque“)
1842–1843
(1843)

Auguste Léo
54

Scherzo Nr. 4 E-Dur
1842–1843
(1843)
Jeanne de Caraman (dt. Ausgabe), Clothilde de Caraman (fr. Ausgabe)
55

Deux Nocturnes f-Moll, Es-Dur
1842–1844
(1844)

Jane Stirling
56

Trois Mazurkas H-Dur, C-Dur, c-Moll
1843–1844
(1844)
Catherine Maberly
57

Berceuse Des-Dur
1844
(1845)
Elise Gavard
58

Sonate Nr. 3 h-Moll
1844
(1845)
Gräfin Élise de Perthuis
59

Trois Mazurkas a-Moll, As-Dur, fis-Moll
1845
(1846)
keine Widmung
60

Barcarolle Fis-Dur
1845–1846
(1846)

Clotilde von Stockhausen
61

Polonaise Fantaisie As-Dur
1846
(1846)
„Madame A. Veyret“
62

Deux Nocturnes H-Dur, E-Dur
1846
(1846)
„Mademoiselle R. de Könneritz“
63

Trois Mazurkas H-Dur, f-Moll, cis-Moll
1846
(1847)
Gräfin Laura Czosnowska
64

Trois Valses
1847
(1847)

64/1

Valse Des-Dur („Minutenwalzer“)
 
 
Gräfin Delfina Potocka
64/2

Valse cis-Moll
 
 
Baronin Charlotte de Rothschild
64/3

Valse As-Dur
 
 
Gräfin Katarzyna Branicka
65

Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll
1845–1846
(1847)

Auguste-Joseph Franchomme
66

Fantaisie-Impromptu cis-Moll
1834
(1855)

67

4 Mazurkas, G-Dur, g-Moll, C-Dur, a-Moll
1835–1848
(1855)
 
68

4 Mazurkas C-Dur, a-Moll, F-Dur, f-Moll
1827–1848
(1855)
 
69

2 Valses As-Dur, h-Moll
1829–1835
(1855)

70

3 Valses Ges-Dur, f-Moll, Des-Dur
1829–1842
(1855)

71

3 Polonaises d-Moll, B-Dur, f-Moll
1827–1829
(1855)

72/1

Nocturne e-Moll
1827
(1855)

72/2

Marche funèbre c-Moll
1826, 1827 oder 1829
(1855)

72/3

Trois Écossaises D-Dur, G-Dur, Des-Dur
1826 oder 1830
(1855)

73

Rondeau pour deux pianos C-Dur
1828
(1855)

74

Dix-sept mélodies polonaises
1827–1847
(1859)



Werke ohne Opuszahl |


Die Werke sind mit den Nummern der Kataloge von Maurice J. E. Brown (B (1972)), Krystyna Kobylańska (KK (1979)), and Józef Michał Chomiński/Teresa Dalila Turło (Cho (1990)) gekennzeichnet.














































































































































































































































Katalognummern
Titel des Werkes
Entstehungszeit
(Erstausgabe)

B. 3, KK IVa/1, Cho 160

Polonaise B-Dur
1817
(1910)
B. 1, KK IIa/1, Cho 161

Polonaise g-Moll
1817
(1817)
B. 5, KK IVa/2 , Cho 162

Polonaise As-Dur
1821
(1901)
B. 14, KK IVa/4, Cho 227

Introduction et Variations sur un air national allemand
(„Der Schweizerbub“) E-Dur
1824
(1851)
B. 6, KK IVa/3, Cho 163

Polonaise gis-Moll
1822 oder 1824
(1864)
B. 16, KK IIa/2, KK IIa/3, Cho 100, Cho 101

Mazurkas G-Dur und B-Dur
1826
(1826)
B. 14, KK IVa/6 Cho 228

Variations über ein italienisches Lied für Klavier zu 4 Händen D-Dur (Fragment)
1826
(1965 mit Rekonstruktion
verlorener Seiten von Jan Ekier)
B. 13, KK IVa/5, Cho 164

Polonaise b-Moll
1826
(1880)
KK IV/,8, Cho 128

Nocturne c-Moll
1847 (?) oder Frühwerk
(1938)
B. 37, KK IVa/10, Cho 229

Souvenir de Paganini A-Dur
1829
(1881)
KK IVa/9, Cho 102

Lied (als Mazurka) G-Dur: Jakież kwiaty, jakie wianki
(deutsch Welche Blumen, welche Kränze)
1829
(1856)
B. 44, KK IVa/12, Cho 220

Valse E-Dur
1829 oder 1830
(1861)
B. 46, KK IVa/14, Cho – (Seite 246)

Valse Es-Dur
1830
(1902)
B. 21, KK IVa/13, Cho 221

Valse As-Dur
1830
(1902)
B. 56, KK IVa/15, Cho 222

Valse e-Moll
1830
(1868)
B. 51, KK IVa/11, Cho 146

Czary (deutsch Zauber): Lied für eine Singstimme
1830
(1912 franz., 1952 poln., 1909 dt.)
B. 36, KK IVa/8, Cho 165

Polonaise Ges-Dur
1829
(1870)
B. 49, KK IVa/16 Cho 127

Lento con gran espressione cis-Moll
(auch „Nocturne“ genannt)
1830
(1875)
B. 73, KK IVb/1, Cho 103

Mazurka B-Dur
1832
(1909)
B. 31, KK IVa/7 KK IVb/2 Cho – (Seite 245)

Mazurka D-Dur (Echtheit zweifelhaft)
1829, 2. Version 1832
(1875)
B. 70, KK IIb/1, Cho 10

Grand Duo concertant pour piano et violoncelle
sur des thèmes de „Robert le Diable“
[de Meyerbeer]
E-Dur
1831
(1833)
B. 82, KK IVb/3, Cho – (Seite 246)

Mazurka C-Dur (Echtheit zweifelhaft)
1833
(1869)
B. 84, KK IVb/6, Cho 9

Cantabile B-Dur
1834
(1931)
B. 85, KK IVb/4, Cho 104

Mazurka As-Dur
1834
(1930)
B. 132, KK IVb/9, Cho 147

Dumka (Lied für Singstimme) a-Moll
1840
(1910)
B. 133, KK IVb/10, Cho 223

Sostenuto (auch „Walzer“ genannt) Es-Dur
1840
(1955)
B. 130, KK IIb/3, Cho 38–40

Trois études pour La Méthode des Méthodes (Trois nouvelles études)[98]
1839–1840
(1840)
B. 144, KK IVc/2, Cho – (Seite 238)

Fuge in a-Moll
1827 oder 1841
(1898)
B. 151, KK IVb/12, Cho 107

Moderato (Feuille d’album) in E-Dur
1843
(1910)
B. 150, KK IVb/11, Cho 224

Walzer in a-Moll
1847
(1955)
KK IVc/13

Galopp in As-Dur
1846
 
B. 160b/2, KK VIIb,1/2, Cho – (Seite 248)

Zwei Bourrées G-Dur und A-Dur (Chopin zugeschrieben)
1846
(1968)
KK IVb/7, Cho 191

Presto con leggierezza (Prélude As-Dur)
1834
(1918)
KK IIb/4, Cho 106

Mazurka a-Moll („France Musicale“ oder „Notre Temps“)
1841
(1841 frz.) (1842 dt.)
KK IIb/5, Cho 105

Mazurka a-Moll (À Émile Gaillard)
1840
(1841)
KK IVb/6, Cho 49

Largo Es-Dur („Modlitwa Polaków“ (deutsch Gebet der Polen))[99]
1847
(1938)
KK Anhang 1a/4, Cho – (Seite 245)

Contredanse Ges-Dur
1827
(1934)
KK IIb/2, Cho 230

Variation Nr. 6 E-Dur aus Hexameron über ein Marschthema aus der Oper „I Puritani“ von V. Bellini[100]
1837
(1838 ital.), (1841 franz.)


Chopins Werk in Bearbeitungen und Arrangements |


Godowsky-Studien über die Etüden von F. Chopin



Chopiniana




Exkurse zu Einzelthemen |



Stammbaum der Familie Chopin |


Der Stammbaum der Familie Chopin ist väterlicherseits bis zu den Ururgroßeltern nachzuverfolgen.






































Stammbaum der Familie Chopin 
Ururgroßeltern François Chapin
(1676–28.06.1714)
Catherine Oudot
(6.03.1682–21.01.1753)
Estienne Bastien
(1687–1734)
Anne Maton
(1691–1734)
Jean Deflin
(1674–9.12.1754)
Catherine Henry
(1687–1715)
Claude Renard
(1667–1729)
Anne Barbe

? ? ? ?
Urgroßeltern Nicolas Chopin
(1712–?)
Elizabeth Bastien
(1712–1747)
Jean Charles Deflin
(1705–1738)
Suzanne Renard
(1709–1774)
Mikołaj Krzyżanowski
Barbara Jeż
?
Großeltern Fryderyk Choppen
(1738–1814)
Marguerite Deflin
(1736–1794)
Jakub Krzyżanowski
(1729–29.10.1805)
Antonina Kołomińska
Eltern Nicolas Chopin
(15.04.1771–3.05.1844)
Tekla Justyna Krzyżanowska
(14.09.1782–1.10.1861)
Kinder Ludwika Marianna Chopinówna[101]
(06.04.1807–29.10.1855)
Józef Jędrzejewicz
(07.07.1803–11.05.1853)

Fryderyk Franciszek Chopin
(22.02.1810–17.10.1849)
Izabella Chopinówna
(09.07.1811–03.06.1881)
Feliks Antoni Barciński
(28.05.1803–09.05.1878)
Emilia Chopinówna
(09.11.1812–10.04.1827)


Familie Chopin
(Alle Ölgemälde von Ambroży Mieroszewski)




Französische Staatsbürgerschaft Chopins |




Französischer Pass von Chopin, der ihm die Ausreise aus Frankreich gestattet, 7. Juli 1837. Gültigkeit ein Jahr.


Chopin hatte durch seinen französischstämmigen Vater einen Anspruch auf die französische Staatsbürgerschaft, die er vier Jahre nach seiner Ankunft in Frankreich zusätzlich erhielt. Der Anspruch leitete sich vom Code Napoléon aus dem Jahre 1804 ab, in dem es in Artikel 10 hieß: „Jedes im Ausland geborene Kind eines Franzosen ist Franzose.“ (französisch Tout enfant né d’un Français a l’étranger est Français.). In Artikel 12 hieß es ferner, dass „der Status einer Ausländerin, die einen Franzosen heiratet, dem Status ihres Ehemannes folge“ (französisch L’étrangère qui a épousé un Français suivra la condition de son mari.). Durch diesen Umstand konnte es Chopin vermeiden, mit einem russischen Pass den Status eines politischen Flüchtlings zu erlangen, denn er war nach dem in Polen geltenden Territorialitätsprinzip Pole mit einem durch den russischen Zaren ausgestellten Pass.[102] Dies hätte auch große verwaltungstechnische Probleme ergeben, Auslandsvisa von der russischen Botschaft zu erlangen. Sein erster französischer Pass wurde am 1. August 1835 ausgestellt.[103]


Juristisch gesehen, besaß der Komponist zwei Staatsbürgerschaften. Nach dem Code civil war er durch den Vater automatisch Franzose, gleichzeitig als Bürger des Herzogtums Warschau auch Pole. Durch Kumulation beider Rechtstitel blieb der Status der doppelten Staatsbürgerschaft zeitlebens wirksam. Insofern war Chopin in Frankreich kein Emigrant wie viele seiner Freunde – auch wenn er sich selbst stets mit der Emigration identifizierte, denn seine persönliche Präferenz war unzweideutig. Als Bürger und Patriot war und blieb er Pole, der am tragischen Schicksal seines Volkes leidenschaftlich Anteil nahm.


Aus Anlass einer Reise von Chopin nach London erhielt dieser am 7. Juli 1837 einen von den französischen Behörden ausgestellten Reisepass. Es ist dort sowohl vermerkt, dass er „grau-blaue Augen“ hat (was nicht mit Delacroix Porträt des Komponisten übereinstimmt), als auch, dass Chopin „von französischen Eltern“ abstammt.[104]



Chopins Herz |




Säule mit dem Herz Chopins in der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau. Epitaph aus Carrara-Marmor (1880) von Leonard Marconi (1835–1899).


Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde Chopins Herz von seiner Schwester Ludwika heimlich in die polnische Heimat gebracht, wo sie es in Warschau in ihrer Wohnung in der Ul. Podwale in der Altstadt aufbewahrte. Nach einigen Wochen wurde das Herz den Priestern der Heilig-Kreuz-Kirche in der Ulica Krakowskie Przedmieście anvertraut, die zuerst in der Sakristei und dann in der Krypta der Unterkirche aufgebahrt wurde. Während des Warschauer Aufstands in der Nähe der Kirche wurden schwere Kämpfe ausgetragen. Der Kaplan der deutschen Truppen, Pfarrer Schulz, überredete den Priester Niedziela, den Deutschen die Urne zu übergeben, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Am 4. September übergaben die Deutschen die Reliquie dem Erzbischof Antoni Władysław Szlagowski und filmten dieses Ereignis zu Propagandazwecken. Die Urne mit Chopins Herz wurde in Milanówek aufbewahrt, wo die Warschauer Bischöfe interniert waren. Sie stand auf dem Klavier in der Salonkapelle im ersten Stock des Presbyteriums der Heiligen-Jadwiga-Kirche bis zum 17. Oktober 1945. Nach Beendigung des Krieges, am Jahrestag von Chopins Tod, brachten der Pfarrer der Heiligen-Kreuz-Kirche, Priester Leopold Petrzyk (1890–1960), der Komponist Bolesław Woytowicz (1899–1980) und der Musikwissenschaftler Bronisław Sydow (1886–1951) die Urne nach Żelazowa Wola. Von dort kam es zu einer festlichen Rückkehr der Urne, begleitet vom polnischen Staatspräsidenten Bolesław Bierut (1892–1956) von der Geburtsstätte Chopins zurück zur Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau.[105] Dort enthält die Säule mit dem Herz Chopins die Inschrift: polnisch Gdzie skarb twój, tam i serce twoje ‚„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“‘. (Matthäus 6/21). Die Angabe des Geburtsdatums (22. Februar statt 1. März) entspricht nicht den heutigen Erkenntnissen.


1926/1928 und nochmals 1929 wurde durch den Marschall Józef Piłsudski der Versuch unternommen, die Gebeine Chopins von Frankreich nach Polen überführen zu lassen und sie in der Wawel-Kathedrale von Krakau an jener Stelle beisetzen zu lassen, wo Polens Könige und Freiheitskämpfer ruhen. Die damaligen – und auch späteren – politischen Verhältnisse haben dies jedoch nicht zugelassen.



Chopin und die Religion |


Chopin fühlte sich zutiefst mit dem Christentum verbunden. In vielen Briefen an seine in Polen verbliebene Familie brachte er seine Sehnsucht nach den in polnisch-katholischer Tradition gefeierten Festen etwa zu Weihnachten oder Ostern zum Ausdruck – Traditionen, die den Franzosen völlig fremd waren mit Bräuchen wie Pasterka am Heiligen Abend und dem Weihnachtsessen (polnisch Wigilia) mit polnischen Weihnachtsoblaten und polnischen Weihnachtsliedern (polnisch Bożonarodzeniowe opłatki i kolędy). Dabei werden die Oblaten im Familienkreis gegenseitig gebrochen, wobei man sich Glück und Segen für das kommende Jahr wünscht. Oder die Osterspeisensegnung, (polnisch Wielkanocne święcone) am Karsamstag, bei dem die Święconki zur katholischen Pfarrkirche gebracht werden und dort gesegnet und mit Weihwasser besprengt werden, bevor man sie traditionell beim Osterfrühstück am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt.



Liste der Chopin-Interpreten |



Die Liste der Chopin-Interpreten enthält bekannte Pianisten, die sich überwiegend mit Chopin-Werken befasst oder sich durch besondere Interpretation ausgezeichnet haben.



Liste der Chopin-Schüler |


Diese Liste enthält Namen von Chopin-Schülern und Enkelschülern, die für die Verbreitung der Lehre Chopins wichtig waren.[106]




  • Karol Mikuli (1821–1897)


  • Raoul von Koczalski (1885–1948)


  • Jane Wilhelmina Stirling (1804–1859)


  • Marcelina Czartoryska (1817–1894)


  • Thomas Dyke Acland Tellefsen (1823–1874)


  • Friederike Streicher (1816–1895)


  • Vera Rubio (1816–1880)


  • Elizavieta Tchernischeff (Czernicheff) (1818–1890)


  • Georges-Amédée-Saint-Clair Mathias (1826–1910)


  • Adolf Gutmann (1819–1882)


  • Emilie von Gretsch (1821–1877)


  • Camille Dubois geb. O’Meara (1828–1907)


  • Wilhelm von Lenz (1808–1883)


  • Maria Alexandrowa Harder (1833–nach 1880)


  • Pauline Viardot geb. García (1821–1910)


  • Marie Roubaud geb. de Cournand (1822–1916/17?)


  • Eliza Peruzzi geb. Eustafiew


  • Joseph Schiffmacher (1827–1888)


  • Carl Filtsch (1830–1845)


  • Zofia Zaleska geb. Rosengardt (1824–1868)



Internationaler Chopin-Wettbewerb |




Chopin in der Zeit des Nationalsozialismus |


Ab 1934 wünschte sich Adolf Hitler eine Versöhnung mit Polen mit dem Ziel einer außenpolitischen Stärkung. Propagandaminister Joseph Goebbels unterzeichnet ein deutsch-polnisches Medienabkommen. Danach soll „eine freundschaftliche Atmosphäre geschaffen und die Aussöhnung vorangetrieben werden“. Musikalisch muss dafür Fryderyk Chopin herhalten: Seine Werke werden in den deutschen Rundfunksendern gespielt. In den deutschen Opernhäusern tanzt man Ballette zu Chopin, Deutschland unterstützt Polen finanziell beim Erwerb kostbarer Chopin-Handschriften.


Mit der britisch-französischen Garantieerklärung vom 31. März 1939 an Polen, welche die Unabhängigkeit Polens zum Gegenstand hatte, kippte die Stimmung. Die Nationalsozialisten unterstellten Chopins Musik revolutionäre Gedanken. Seitdem war es verboten, Musikwerke aufzuführen, die mit der polnischen Nationaltradition zusammenhingen.
Dies galt auch im Warschauer Ghetto, von dem der Kritiker Marcel Reich-Ranicki (1920–2013) in seiner Autobiographie berichtet, dass gelegentlich ein Pianist ein weniger bekanntes Werk Chopins als Zugabe spielte und auf die Frage eines Aufsehers, wessen Stück er spiele, zynisch auf Schumann verwies.[107]


Hans Michael Frank (1900–1946), nationalsozialistischer Generalgouverneur von Polen, der von Zeitgenossen der „Schlächter von Polen“ oder der „Judenschlächter von Krakau“ genannt wurde, hat Chopin während der Eröffnung einer Chopinausstellung in Krakau am 27. Oktober 1943 zu germanisieren versucht: „Friedrich Schopping war ein Genie, also konnte er nicht polnisch sein. Dies ist der größte Komponist, den der deutsche Boden hervorgebracht hat." Es heißt, dass Frank zwar den „slawischen Barbaren“ Kultur bringen wollte, selbst aber auch eine seltsame Affinität zur Kultur Polens hatte.[108]




Nocturne cis-Moll, posthum


Am 25. September 1939, um 8 Uhr, fand eine Liveübertragung eines Klavierkonzerts im Polnischen Radio statt. Władysław Szpilman (1911–2000) spielte gerade Chopins Nocturne cis-Moll (B. 49, KK IVa/16 Cho 127:Con gran espressione, auch „Nocturne“ genannt), als die ersten deutschen Bomben auf Warschau fielen und der polnische Rundfunk seine Sendung wegen des Angriffs deutscher Truppen auf Warschau unterbrach.[109] Mit genau demselben Stück nahm der polnische Rundfunk seine Sendungen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf.[110]


Das Chopin-Denkmal in Warschau war 1907 von Wacław Szymanowski (1859–1930) entworfen worden und sollte ursprünglich zur Wiederkehr Chopins 100. Geburtstag 1910 eingeweiht werden. Durch Kontroversen über das Design und durch den Ersten Weltkrieg bedingt, wurde es erst 1926 im Łazienki-Park errichtet. Es zeigt den sitzenden Chopin unter einer stilisierten Pianistenhand, die in den Adlerkopf des Wappen Polens übergeht. Nach dem Überfall auf Polen sprengte die deutsche Wehrmacht dieses Denkmal am 31. Mai 1940. Nachdem die Gussform den Zweiten Weltkrieg überstand, konnte ein Replikat des Denkmals nach dem Krieg angefertigt werden, das 1958 am ursprünglichen Ort wieder aufgestellt wurde.[111]




Klaviere und Flügel aus der Zeit Chopins |




Der letzte Pleyel-Flügel (Nr. 14810), auf dem Fryderyk Chopin ab November 1848 bis zu seinem Tod spielte und komponierte.
Frédéric-Chopin-Museum Warschau (Muzeum Fryderyka Chopina w Warszawie).


Es gibt einige originale, noch spielbare Klaviere und Flügel von Pleyel, Érard und Broadwood, die mit Chopin in Verbindung gebracht werden oder auf denen Chopin nachweislich gespielt hat. Chopin hatte zu den drei genannten wichtigen Klavierbauern ein gutes Verhältnis. Pleyel war auch mit Broadwood befreundet und empfahl sogar Chopin auf dessen Englandreise 1848 sich der Instrumente von Broadwood zu bedienen. Mit Camille Pleyel hatte Chopin ein enges, freundschaftliches Verhältnis, das von gegenseitiger Wertschätzung und von Vertrauen geprägt war. Pleyel stellte Chopin seine besten Instrumente kostenlos zur Verfügung, die dann nach einiger Zeit verkauft wurden, manchmal von Chopin selbst (so zum Beispiel das „pianino“, Pleyel Nr. 6668 von Valldemossa nach dem Aufenthalt auf Mallorca oder der für die Englandreise nach London gebrachte Pleyel-Flügel Nr. 13819).[112]
Bis heute (August 2018) konnten folgende Instrumente von Pleyel nachgewiesen werden, auf denen Chopin mit Sicherheit gespielt hat:



  • Klavier („pianino“) Nr. 6668 / Kartause von Valldemossa.

  • Flügel („piano à queue“) Nr. 7267 / Musée de la musique, Paris.

  • Flügel („piano à queue“) Nr. 12480 / Stiftelsen Musikkulturens Främjande, Stockholm.

  • Flügel („piano à queue“) Nr. 13189 / Cobbe Collection, Hatchlands Park, Surrey UK.

  • Flügel („piano à queue“) Nr. 14180 / Chopin-Museum, Warschau.

  • Flügel („piano à queue“) Nr.11265 / Privatbesitz eines deutschen Sammlers.


Im Einzelnen:



  • Pleyel-Klavier Nr. 6668. Fertigstellung: 1838.

Das Instrument wurde im Januar 1839 von Pleyel nach Mallorca geschickt. Vor seiner Heimreise im Februar 1839, verkaufte Chopin das Klavier für Pleyel dem Bankier Canut. Heutiger Standort: Kartause von Valldemossa, Zelle 4, Chopinmuseum.



  • Pleyel-Flügel Nr. 7267. Fertigstellung: 1839.

Das Instrument wurde Chopin ab Oktober 1839, als er in die Rue Tronchet 5 zog, zur Verfügung gestellt. Es wurde im Mai 1841 an Natalia Obreskoff, eine Bewunderin Chopins, verkauft. Heutiger Standort: Musée de la musique, Paris.



  • Pleyel-Flügel Nr. 12480. Fertigstellung: 1845.

Er wurde Chopin ab Dezember 1846 zur Verfügung gestellt und 1847 verkauft. Heutiger Standort: The Nydahl Collection, Stiftelsen Musikkulturens Främjamde, Stockholm.



  • Erard-Flügel Nr.713. Fertigstellung: 1843. Foto und Klangbeispiel:cobbecollection.co.uk.

Jane Stirling, die auch einen Pleyel-Flügel besaß (Nr. 13823), kaufte das Instrument 1843, dem Jahr in dem sie Schülerin Chopins wurde. Der Flügel befand sich seit 1847 wieder in England und wurde im Oktober 1848 nach Keir House, dem Sitz der Familie Stirling in Schottland gebracht. Hier hielt sich auch Chopin während seiner Schottlandreise auf. Heutiger Standort: The Cobbe-Collection in Hatchlands Park, East Clandon, Surrey, UK.



  • Pleyel-Flügel Nr. 11265.[113] Fertigstellung: 1844.

Es wurde von Chopin gekauft und stand vom 29. November 1844 bis zum 12. Juni 1845 in seiner Wohnung in Paris, Square d’Orléans 9. Es wurde 2009 von der Firma Edwin Beunk & Johan Wennink, Enschede, Niederlande, restauriert und befindet sich in deutschem Privatbesitz.



  • Pleyel-Flügel Nr. 12342. Fertigstellung: 1845.

Der Flügel wurde 2006 von Madame Migaux der Polnischen Bibliothek in Paris (Bibliothèque Polonaise de Paris, Biblioteca Polska w Paryżu) geschenkt. In einem Begleitbrief wird ausgeführt, dass Chopin bei „réunions musicales“, die von Monsieur de Bantel in Evreux veranstaltet wurden, auf diesem Instrument gespielt haben soll. Heutiger Standort: Bibliothèque Polonaise de Paris, Salon Chopin.



  • Pleyel-Flügel Nr. 13716. Fertigstellung: 1847.

Chopin suchte das Instrument für die Gräfin Katarzyna Potocka aus. Es wurde am 7. Februar 1848 nach Polen verkauft. Heutiger Standort: Museum der Jagiellonen-Universität (polnisch Universytet Jagielloński), Krakau.



  • Pleyel-Flügel Nr.13819.[114] Fertigstellung: Januar 1848. Fotos und Klangbeispiele:cobbecollection.co.uk. Concerts at Hatchlands. Idil Biret plays Chopin's Pleyel Nr. 13819 (1848) (zugänglich auf youtube).
    Chopins own piano: Sam Haywood. Werke von Frédéric Chopin. Aufnahmeort: The Cobbe-Collection, Hatchlands Park, Surrey. Aufnahmedatum: 9/10. März 2010. The Cobbe Collection Trust & Sam Haywood, Hatchlands Park 2010. CD Nr. CFC104.

Chopin nannte diesen Flügel „seinen Eigenen“, er war ihm aber von Pleyel nur zur Verfügung gestellt worden. Das Instrument wurde sehr wahrscheinlich in Chopins letztem Pariser Konzert am 16. Februar 1848 verwendet. Er nahm es im April 1848 mit nach London und gab auf ihm sein erstes Konzert in Gore House, dem Sitz von Lady Blessington und Count d’Orsay. Als er London verließ, verkaufte er es für Pleyel einer schottischen Freundin. Heutiger Standort: The Cobbe-Collection, Hatchlands Park, East Clandon, Surrey, UK.[115]



  • Pleyel-Flügel Nr. 13823. Fertigstellung: 1847.

Der Flügel wurde am 15. November 1847 von Jane Stirling gekauft. Er stand laut einer brieflich Mitteilung von Chopin an Franchomme vom 11. August 1848 in Chopins Salon.[116] Heutiger Standort: Museum der Jagiellonen-Universität (polnisch Universytet Jagielloński), Krakau.



  • Broadwood-Flügel Nr. 17047. Fertigstellung: 1847. Abbildung und Klangbeispiel:cobbecollection.co.uk.
    Peter Katin. Chopin on Chopin's Concert Broadwood Piano. Werke von Frédéric Chopin. Aufnahmeort: The Cobbe-Collection, Hatchlands Park, Surrey. Aufnahmedatum: 4/6 Juni 1998. The Cobbe Foundation, Hatchlands Park 1998. CD Nr. CFC 103.

Das Instrument wurde Chopin für seine Konzerte in London im Mai, Juni, Juli und November 1848, sowie das Konzert in Manchester im August 1848 zur Verfügung gestellt. Chopin gab auf diesem Instrument am 16. November 1848 in der Guildhall in London das letzte öffentliche Konzert seiner Laufbahn. Der Flügel ist Eigentum der Royal Academy of Music und wurde 1991 als Dauerleihgabe in die Cobbe-Collection gebracht. Er wurde von David Hunt restauriert.
Heutiger Standort: The Cobbe-Collection in Hatchlands Park, East Clandon, Surrey, UK.



  • Pleyel-Flügel Nr. 14810. Fertigstellung: November 1848. Klangbeispiel: Raoul Koczalski plays Chopin on Chopin's Pleyel (= Konzert vom 21. Februar 1948 in Warschau), zugänglich auf youtube.

Pleyel stellte ihn Chopin von Ende November 1848 bis zu seinem Tod am 17. Oktober 1849 zur Verfügung. Er wurde von Jane Stirling nach Chopins Tod am 11. Dezember 1849 gekauft und als Geschenk für Chopins ältere Schwester Ludwika Jędrzejewicz im Juni 1850 auf dem Seeweg Le Havre – Danzig in einer gegen die Feuchtigkeit schützenden Kiste aus Weißblech („en fer blanc“) nach Warschau gebracht und blieb in Familienbesitz. Am 3. April 1924 verkaufte Maria Ciechomska, eine Enkelin von Ludwika, den Flügel dem Nationalmuseum Warschau (Muzeum narodowe w Warszawie).[117]Während des 2. Weltkrieges war das Instrument in Salzburg evakuiert. Im Februar 1968 wurde es als Dauerleihgabe der Chopingesellschaft (Towarzystwo im.[=imienia] Fryderyka Chopina) überlassen. Um 1960 wurde der Flügel nach damaligen Vorstellungen und technischen Möglichkeiten restauriert. Aus heutiger Sicht hat die Restaurierung das Instrument ruiniert. Es wurde seines historischen Klanges beraubt und ist heute praktisch unspielbar. Heutiger Standort: Frédéric-Chopin-Museum Warschau (polnisch Muzeum Fryderyka Chopina w Warszawie).


  • Pleyel-Klavier Nr. 15025.

Auf diesem heute im Salon des Maison de George Sand in Nohant stehenden Instrument hat Chopin nie gespielt. Es wurde erst am 25. Mai 1849 von George Sand gekauft, also nach der Trennung von Chopin.



Schutz des Erbes Chopins |


In Polen stellen nach Art. 1 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Februar 2001 über den Schutz des Erbes von Fryderyk Chopin seine Werke und damit zusammenhängenden Gegenstände ein nationales Gut dar, das einem besonderen Schutz unterliegt.[118] Das Gesetz betrifft die Verwendung von Chopins Bild und Nachnamen in Marken, während es jedoch nicht für seine Werke gilt, die öffentlich zugänglich sind.
Das Nationale Fryderyk-Chopin-Institut (NIFC=Narodowy Institut Fryderyka Chopina) befasst sich mit dem Schutz des Erbes des Komponisten, unterstützt vom Patentamt der Republik Polen. Unternehmen, die eine Marke einschließlich des Namens oder der Abbildung von Fryderyk Chopin registrieren möchten, müssen zuvor die Genehmigung des NIFC einholen. Das Institut setzt voraus, dass Produkte, die das Bild oder den Namen eines Komponisten tragen, von hoher Qualität sind und mit Polen assoziiert werden. Um die Verwendung einer solchen Marke für kommerzielle Zwecke zu akzeptieren, erhebt das Institut eine jährliche Gebühr und einen Prozentsatz des erzielten Gewinns.



Denkmäler und Ehrungen (Auswahl) |




Frédéric-Chopin-Denkmal in Żelazowa Wola




Skulptur Karol Badynas von Frédéric Chopin und George Sand, Botanischer Garten von Singapur, 2008



  • Chopin-Denkmal in Warschau

  • Fryderyk-Chopin-Denkmal in Żelazowa Wola

  • Schon zur Kaiserzeit wurde von seinen Verehrern im schlesischen Bad Reinerz ein Chopin-Denkmal errichtet.

  • Bronze-Statue von Józek Nowak, 2010 im Finanzgarten aufgestellt

  • Denkmal La note bleue in Wien, ein Geschenk der polnischen Regierung an die Stadt Wien.[119] Im Schweizergarten, in der Nähe von Schloss Belvedere, erinnert ein 2,4 Meter hohes Denkmal des polnischen Künstlers Krzysztof M. Bednarski (* 1953) an Chopins Wiener Zeit. In der Art eines Scherenschnitts zeigt es die Silhouette des Komponistenkopfes, die mit Löchern durchbrochen ist, die an Klaviertasten erinnern. Dahinter steigt ein großer Vogel in den Himmel auf. Das Denkmal bezieht aus der symbolischen „blauen Note“, die die französische Schriftstellerin (und auch seine Geliebte) George Sand in der Musik Chopins erkannte, seinen Namen.

  • Chopin-Denkmal in Hamamatsu (Kopie im Maßstab 1:1 des Denkmals im Łazienki-Park)

  • Chopin-Denkmal in Manchester[120]

  • Chopin-Denkmal in Tirana[121]

  • Bronze-Skulptur von Frédéric Chopin und George Sand in Singapore Botanic Gardens, 2008.




  • Die Fryderyk-Chopin-Musikuniversität (polnisch Uniwersytet Muzyczny Fryderyka Chopina (UMFC) (früher: Akademia Muzyczna im. Fryderyka Chopina w Warszawie, PWSM)) in Warschau, ist das älteste und größte Konservatorium in Polen, sowie eines der ältesten in Europa.

  • Die Britische Nordgrönlandexpedition von 1952 bis 1954 gab einem Tal in Ostgrönland den Namen Chopin Dal.[122]

  • Das UK Antarctic Place-Names Committee benannte den Chopin Hill am 2. März 1961 nach dem Komponisten.

  • 1976 Benennung des Chopin-Kraters auf dem Planeten Merkur.


  • Chopin Ridge (polnisch Grań Chopina) wurde 1977/1979 ein 265 m hoher Bergkamm auf King George Island im Archipel der Südlichen Shetlandinseln nach dem Komponisten benannt.

  • Eine Rosenart wurde nach Chopin benannt. Sie wurde 1980 von Stanisław Żyła gezüchtet.[123]


  • (3784) Chopin ist ein Asteroid des Hauptgürtels, der am 31. Oktober 1986 nach Frédéric Chopin benannt wurde.

  • Die Fryderyk Chopin ist eine 1992 gebaute stählerne Brigg, die auf den Namen des Komponisten getauft wurde.

  • Der Warschauer Flughafen wurde 2001 nach Fryderyk Chopin benannt.

  • 2007 erschien das japanische Computer-Rollenspiel Eternal Sonata für Xbox 360 und PlayStation 3, in dem Frédéric Chopin eine spielbare Figur ist. Das Spiel enthält einige Werke Chopins und informiert den Spieler über einige biografische Daten des Musikers.

  • 2010 veröffentlichte Peter Finger das Gitarrenstück Onkel Frédéric auf seinem Album Flow, eine Hommage an den Walzer-Komponisten Chopin.[124]

  • Im Chopinjahr 2010 wurde in Warschau (ul. Emilii Plater) Chopin zu Ehren ein Zebrastreifen im Aussehen einer Klaviertastatur angelegt.

  • Weltweit erschienen Dutzende von Briefmarken und Münzen mit dem Konterfei Chopins.




Darstellung Chopins in Film, Kunst und Literatur |



Filme über Frédéric Chopin (Auswahl) |


Es gibt fast 300 Titel in der größten Internet-Filmdatenbank, Internet Movie Database (IMDb), unter „Frédéric Chopin“, ein weiteres Dutzend lässt sich durch Links finden. Nur wenige polnische Filme werden aufgeführt, obwohl es etwa 50 solcher abendfüllender Spielfilme gibt.[125]



  • 1934: Abschiedswalzer – Spielfilm, 87 Min., Deutschland, Regie: Géza von Bolváry, mit Wolfgang Liebeneiner als Chopin

  • 1951: Chopins Jugendzeit (Młodość Chopina) – Spielfilm, 1951, 121 Min., Polen, Regie: Aleksander Ford, mit Czesław Wołłejko als Chopin

  • 1991: Verliebt in Chopin (Impromptu) – Spielfilm, 1991, 103 Min., USA, Frankreich, Großbritannien, Regie: James Lapine, mit Hugh Grant als Chopin

  • 1991: Blue Note (La Note bleue) – Spielfilm, 1991, 135 Min., Frankreich, Regie: Andrzej Żuławski, mit Janusz Olejniczak als Chopin

  • 1993: Chopin – Bilder einer Trennung – TV-Spielfilm, 1993, 114 Min., Deutschland, Frankreich, Regie: Klaus Kirschner, mit Stephan Wolf-Schönburg als Chopin

  • 1999: Chopins Geheimnis. Der seltsame Fall der Delfina Potocka, Spielfilm, Doku-Fiktion, 1999, GB, 109 Min., Regie: Tony Palmer

  • 2002: Chopin – Sehnsucht nach Liebe (Chopin. Pragnienie miłości) – Spielfilm, 2002, Polen, 134 Min., Regie: Jerzy Antczak, mit Piotr Adamczyk als Chopin

  • 2010: Die Kunst des Frédéric Chopin (L’art de Frédéric Chopin. 200 ans de la naissance de Frédéric Chopin) – Dokumentation, Frankreich, 2010, 52 Min., Regie: Gérald Caillat



Chopin in der Kunst (Auswahl) |


„Die meisten Portraitisten malten Chopin ein face, um die übergroße Hakennase Chopins zu kaschieren. Portraitierten sie ihn jedoch von der Seite, so gingen sie sehr schonend und diskret mit seiner Nase um, denn das Ebenbild des Menschen sollte auch ein Ebenbild seiner Kunst sein, deren Formvollendung und Ebenmaß Laien und Künstler zu entzücken hatte“, analysiert Ludwig Kusche die Gemälde von Chopin. Das beste Porträt Chopins sei das Ölbild von Delacroix, das im Louvre in Paris hängt und den Kopf halb von vorn und halb von der Seite wiedergibt. Das gemeinsame Porträt, das Delacroix von dem Künstlerpaar anfertigte, wurde 1874 von einem Unbekannten zerschnitten. Heute hängt Chopin allein im Louvre, seine einstige Geliebte im Ordrupgaard Museum im dänischen Charlottenlund.[126]




Chopin in literarischen Darstellungen (Auswahl) |



  • Cyprian Kamil Norwid: Fortepian Szopena (deutsch Das Klavier Chopins)[128]



Erste Manuskriptseite des Gedichtes Fortepian Szopena (Das Klavier Chopins), 1863/64 des polnischen Dichters Cyprian Kamil Norwid (1821–1883).



  • Gottfried Benn: Chopin. In: Gottfried Benn: Sämtliche Gedichte. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-11054-8, S. 145–146 (books.google.com – Eingeschränkte Vorschau). 




  • Gottfried Benn: Chopin 


Chopin

Nicht sehr ergiebig im Gespräch,

Ansichten waren nicht seine Stärke,

Ansichten reden drum herum,

wenn Delacroix Theorien entwickelte,

wurde er unruhig, er seinerseits konnte

die Notturnos nicht begründen.


Schwacher Liebhaber;

Schatten in Nohant,

wo George Sands Kinder

keine erzieherischen Ratschläge

von ihm annahmen.


Brustkrank in jener Form

mit Blutungen und Narbenbildung,

die sich lange hinzieht;

stiller Tod

im Gegensatz zu einem

mit Schmerzparoxysmen

oder durch Gewehrsalven:

Man rückte den Flügel (Erard) an die Tür

und Delphine Potocka

sang ihm in der letzten Stunde

ein Veilchenlied.


Nach England reiste er mit drei Flügeln:

Pleyel, Erard, Broadwood,

spielte für zwanzig Guineen abends

eine Viertelstunde

bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House

und vor zahlreichen Hosenbändern;

verdunkelt von Müdigkeit und Todesnähe

kehrte er heim

auf den Square d’Orleans.


Dann verbrennt er seine Skizzen

und Manuskripte,

nur keine Restbestände, Fragmente, Notizen,

diese verräterischen Einblicke –

sagte zum Schluß:

“Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet,

was mir zu erreichen möglich war.”


Spielen sollte jeder Finger

mit der seinem Bau entsprechenden Kraft,

der vierte ist der schwächste

(nur siamesisch zum Mittelfinger).

Wenn er begann, lagen sie

auf e, fis, gis, h, c.


Wer je bestimmte Präludien

von ihm hörte,

sei es in Landhäusern oder

in einem Höhengelände

oder aus offenen Terrassentüren

beispielsweise aus einem Sanatorium,

wird es schwer vergessen.


Nie eine Oper komponiert,

keine Symphonie,

nur diese tragischen Progressionen

aus artistischer Überzeugung

und mit einer kleinen Hand.
Gottfried Benn






  • André Gide: Notes sur Chopin. L’Arche, Paris 1948.


  • Eva Gesine Baur: Chopin oder Die Sehnsucht: eine Biografie. C. H. Beck, 2009, ISBN 978-3-406-59056-6.


  • Rudolf Thiel: Der Himmel voller Geigen. Das Leben der großen Symphoniker. Paul Neff Verlag, Wien 1951. (Kapitel: Chopin-Préludes in 24 Tonarten, Seite 299–339).


  • Guy de Pourtalès: Chopin ou le poète (= Vies des hommes illustres. Nr. 7). 40e édition. Librairie Gallimard, Paris 1927.

  • Guy de Pourtalès: Der blaue Klang. Frédéric Chopins Leben. (= Fischer Bücherei. Nr. 578). Fischer Bücherei, Frankfurt 1964.


  • George Sand: Un hiver à Majorque. Première édition. Hippolyte Souverain, Paris 1842.


  • George Sand: Un hiver à Majorque. Ediciones la Cartuja, Palma de Mallorca, Clumba, 1971.

  • Antoni Wodzinski: Les trois romans de Frédéric Chopin. Calmann-Lévy, Paris 1886.[129]


  • Yolande van de Weerd: Wiosna. Poëtische evocatie rond de muziek en het leven van Frédérik Chopin. Selbstverlag 1999, ISBN 90-805086-1-6.


  • Roberto Cotroneo: Die verlorene Partitur. 3. Auflage. Aus dem Italienischen übersetzt von Burkhart Kroeber. Suhrkamp 1999, ISBN 3-518-39526-2.


  • Éric-Emmanuel Schmitt: Madame Pylinska et le secret de Chopin. Albin Michel, Paris 2018.



Literatur |


Bibliographien



  • Bronisław Edward Sydow: Bibliografia F. F. Chopina. Towarzystwo Naukowe Warszawskie, Warsaw (Warschau) 1949. (Suplement. Polskie Wydawnictwo Muzyczne, Kraków (Krakau) 1954).

  • Kornel Michałowski: Bibliografia Chopinowska – Chopin Bibliography 1849–1969. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków (Krakau) 1970. (Mehrere Ergänzungen in: Rocznik Chopinowski (polnisch „Chopin Jahrbuch“) herausgegeben von der Towarzystwo im.[130] Fryderyka Chopina. Polskie Wydawnictwo Muzyczne, Kraków (Krakau) 1956–2001).


Verzeichnisse von Tonträgern (Diskographien etc.)



  • Armand Panigel (Hrsg) : L’oeuvre de Frédéric Chopin. Discographie générale réalisée sous la direction de Armand Panigel. Introduction et notes de Marcel Beaufils.(= Archives de la musique enregistrée UNESCO). Éditions de la Revue Disques. Paris 1949.
    (Gesamtverzeichnis der bis 1949 erschienenen Schallplattenaufnahmen der Werke Chopins, Transkriptionen und Arrangements).

  • Józef Kański: Dyskografia chopinowska. Historyczny katalog nagran płytowych / A Chopin Discography. A Historical Catalogue of Recordings. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków (Krakau) 1986.

  • Gerhard Dangel, Hans-Wilhelm Schmitz: Chopin. In: Welte-Mignon Klavierrollen. Gesamtkatalog der europäischen Aufnahmen 1904–1932 für das Welte-Mignon Reproduktionspiano. Eigenverlag der Autoren, Stuttgart 2006, ISBN 3-00-017110-X, S. 281–285.



Werkverzeichnisse |



  • Maurice John Edwin Brown: Chopin. An index of his works in chronological order. 2. Auflage. Macmillan, London 1972, ISBN 0-333-13535-0 / Da Capo Press, New York 1972, ISBN 0-306-70500-1.

  • Józef Michal Chomiński, Teresa Dalila Turlo: A catalogue of the works of Frederick Chopin. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków 1990, ISBN 83-224-0407-7.


  • Krystyna Kobylańska: Frédéric Chopin. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis. Henle, München 1979, ISBN 3-87328-029-9.


  • Christophe Grabowski, John Rink: Annotated catalogue of Chopin’s first editions. Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-81917-6.

  • Christophe Grabowski, John Rink: AC online. Annotated catalogue of Chopin’s first editions. chopinonline.ac.uk.



Literatur und Dokumente zu Leben und Werk |




  • Eva Gesine Baur: Chopin oder Die Sehnsucht. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59056-6.


  • Ernst Burger: Frédéric Chopin. Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. Hirmer, München 1990, ISBN 3-7774-5370-6.

  • Camille Bourniquel: Frédéric Chopin. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-50025-6.

  • Frédéric Chopin: Esquisses pour une méthode de piano. Textes réunis et présentés par Jean-Jacques Eigeldinger. (= Harmoniques. Série: Écrits de musiciens). Ouvrage publié avec le concours du Centre National des Lettres. Flammarion, Paris 1993, ISBN 2-08-066680-0.


  • Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. La Baconniére, Neuchâtel 1970; überarbeitete Neuauflage Fayard, Paris 2006, ISBN 2-213-62916-1 – Englische Übersetzung unter dem Titel Chopin: pianist and teacher – as seen by his pupils. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-24159-6.

  • Jean-Jacques Eigeldinger: L’univers musical de Chopin. Fayard, Paris 2000, ISBN 2-213-60751-6.

  • Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Fayard, Paris 2010, ISBN 978-2-213-61922-4.

  • Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin, âme des salons parisiens: 1830–1848. Fayard, Paris 2013, ISBN 978-2-213-67243-4.

  • Benita Eisler: Ein Requiem für Frédéric Chopin. Blessing, München 2003, ISBN 3-89667-158-8.

  • Johann Jacob Hansen: Lebensbilder hervorragender Katholiken des 19. Jahrhunderts … Nach Quellen bearbeitet und herausgegeben von Jakob Hansen. Band I–IV (1901–1906). Bonifacius-Druckerei, Paderborn, OCLC 457630342. l

  • Martin Sehested Hansen: Brilliant Pedalling. The pedalling of the style brillant and its influence upon the early works of Chopin. epOs-Music, Osnabrück 2016, ISBN 978-3-940255-54-9, 978-3-940255-62-4.


  • Ute Jung-Kaiser (Hrsg.): Chopin, der Antistar. Olms, Hildesheim / Zürich u. a. 2010, ISBN 978-3-487-14331-6.


  • Michael Lorenz: A Godson of Frédéric Chopin. Wien 2015.

  • Jürgen Lotz: Frédéric Chopin. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-50564-9.


  • Moritz Karasowski: Friedrich Chopin. Sein Leben und seine Briefe. 2. Auflage. Dresden: Ries, New York: Schirmer, 1878 (Textarchiv – Internet Archive).

  • Krystyna Kobylańska (Hrsg.): Frédéric Chopin. Briefe. S. Fischer, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-10-010704-7.

  • Krystyna Kobylańska: Chopin in der Heimat Urkunden und Andenken. Polskie Wydawnictwo Muzyczne, Krakau 1955 (Dokumente von 1771 bis 1830, Text auf Deutsch).

  • Reinhard Piechocki: Unter Blumen eingesenkte Kanonen. Chopins Musik in dunkler Zeit (1933–1945). STACCATO Verlag, 2017, ISBN 3-932976-68-1.

  • Stefan Plöger: Auf der Suche nach seinem Leben: Auf Chopins Wegen. Schweikert-Bonn-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-940259-16-5.


  • Christoph Rueger: Frédéric Chopin: seine Musik – sein Leben. Parthas-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86964-022-8.

  • Jim Samson: Frédéric Chopin. Reclam, Stuttgart 1991, ISBN 3-15-010364-9.

  • Bernard Scharlitt: Chopin. Mit 22 Abbildungen, Druck und Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig 1919.

  • Gisela Schlientz: George Sand. Leben und Werk in Texten und Bildern. (= insel taschenbuch 565). Insel Verlag, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32265-5.

  • Mieczslaw Tomaszewski: Frédéric Chopin. Laaber-Verlag, Laaber 1999, ISBN 3-89007-448-0.


  • Hans Werner Wüst: Frédéric Chopin – Briefe und Zeitzeugnisse. Ein Portrait. Bouvier, Bonn 2007, ISBN 978-3-416-03164-6.


  • Adam Zamoyski: Chopin: Der Poet am Piano. Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-58015-8.

  • Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-7857-0953-6.



Weblinks |



 Commons: Frédéric Chopin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien


 Wikiquote: Frédéric Chopin – Zitate



  • Literatur von und über Frédéric Chopin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek


  • Werke von und über Frédéric Chopin in der Deutschen Digitalen Bibliothek

  • Digitalisate von Büchern über Chopin


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Einzelnachweise |




  1. Julian Fontana hat im Vorwort der 1855 in Berlin veröffentlichten postumen Werke Chopins 1809 als Geburtsjahr Chopins angegeben. Diese Angabe ist falsch, auch wenn sie von namhaften Autoren und Musikern vertreten wurde. Dazu gehören M. Szulc, F. Niecks und zeitweise auch Raoul Koczalski.


  2. Wincenty Łopaciński: Chopin, Mikołaj. Polski słownik biograficzny, Band III, Kraków, Polska Akademia Umiejętnosści, 1937,
    S. 426.



  3. Die Einträge wurden erst 43 Jahre nach Chopins Tod, im Jahre 1892 entdeckt. Fryderyk Chopin. Geburtsurkunde und Taufurkunde, Parafia Rzymskokatolicka św. (=świętego) Jana Chrzciciela i św. Rocha (polnisch „Römisch-katholische Gemeinde des Heiligen Johannes des Täufers und Heiligen Rochus“). Abgerufen am 12. Februar 2018.


  4. Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1990, ISBN 3-7857-0953-6. S. 27 und 864.
    Vier Gedenkstätten verzeichnen den 22. Februar als Geburtstag: die Gedenktafeln am Geburtshaus in Żelazowa Wola, in der Taufkirche von Brochów, am Sterbehaus in Paris (Place Vendôme 12) und die Urne mit Chopins Herz in der Bazylika Świętego Krzyża (polnisch „Kirche des Heiligen Kreuzes”), der Heiligkreuzkirche in Warschau.



  5. ab Ernst Burger: Frédéric Chopin. Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. München 1990, ISBN 3-7774-5370-6.


  6. Ankündigung eines Chopin-Konzerts in Wien, Musikalische Akademie, 11. August 1829, Österreichische Nationalbibliothek. Abgerufen am 18. Februar 2018.


  7. Allgemeine musikalische Zeitung, Nr. 49 vom 7. Dezember 1831. Breitkopf & Härtel., 1831, S. 805. Eingeschränkte Vorschau in Google Books. Vgl. die Verwendung dieses Zitates bei: Reinhard Piechocki: Unter Blumen eingesenkte Kanonen – Chopins Musik in dunkler Zeit (1933–1945). Staccato Verlag, Düsseldorf, 2017, ISBN 978-3-932976-68-1.


  8. Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Życie i droga twórcza. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM) Kraków 1993. ISBN 978-83-224-0456-0. Seite 183.


  9. A. Krasiński: Biblioteka warszawska. 1862, S. 40 (books.google.de). 
    Voller Wortlaut des Abschiedslieds. In: Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Życie i droga twórcza. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Krakau 1993, ISBN 978-83-224-0456-0, S. 183. Der Text wurde einen Tag nach Chopins Abreise am 3. November 1830 im „Kurier Warszawski“ abgedruckt.



  10. Die Ankunft Chopins in Paris wird in der Literatur meist mit Ende September 1831 angegeben. Zur Präzisierung des Datums s. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Paris: Fayard, 2010, ISBN 978-2-213-61922-4. S. 7, Anm. 1 (Zofia Helman, Hanna Wóblewska-Straus: The Date of Chopin’s Arrival in Paris. In: Musicology Today. Anthropology – History – Analysis. Institute of Musicology, University of Warsaw 2007, S. 95–103.)


  11. „Listy Chopina”: List do Tytusa Woyciechowskiego w Poturzynie (Paryż, 25. Dezember 1831). Siehe auch: Frédéric Chopin: Briefe. Herausgegeben mit einem Vorwort und Kommentaren von Krystyna Kobylańska. Aus dem Polnischen und Französischen übersetzt von Cesar Rymarowicz. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-10-010704-7, S. 138.


  12. Frédéric Chopin: Briefe. Herausgegeben mit einem Vorwort und Kommentaren von Krystyna Kobylańska. Aus dem Polnischen und Französischen übersetzt von Cesar Rymarowicz. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-10-010704-7. S. 138.


  13. Es handelt sich um drei hintereinander liegende („en enfilade“) Räume, die normalerweise der Ausstellung von Musikinstrumenten dienten und in denen auch Konzerte stattfanden. Die Räume sind bis heute erhalten und befinden sich im sogenannten Hôtel Cromot du Bourg, 9 rue Cadet. Fotos in: Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Librairie Arthème Fayard, Paris 2010, ISBN 978-2-213-61922-4, S. 26–27. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten hat eine Agentur 2018 die Räume bezogen.
    Siehe auch: autourduperetanguy.blogspirit.com Bernard Bassor: Les Pleyel, 9 rue Cadet, l’Hôtel Cromot du Bourg. In: Veröffentlichungen der Association du Père Tanguy. Heft vom 17. März 2007. Sie fassten etwa hundert Personen. Nach dem Umzug der Firma Pleyel in die Rue Rochechouart 20 – später 22 (Einweihung am 25. Dezember 1839) – stand ein eigener Konzertsaal zur Verfügung, der etwa vierhundert Personen fasste und nach einem Brand der Anlage 1851 bis 1927, dem Jahr der Einweihung der neuen Salle Pleyel in der Rue du Faubourg-Saint-Honoré 252, bestand. Siehe auch: Patrimoine ancien: L'hôtel Cromot du Bourg, espaces culturels de la Ville de Paris auf paris-promeneurs.com mit teilweise abweichenden Zahlenangaben. Siehe auch: neufhistoire.fr (Eingabe: L'Hôtel Cromot du Bourg)



  14. Der Schweizer Musikwissenschaftler Jean-Jacques Eigeldinger (* 1940) konnte eindeutig nachweisen, dass das in allen Publikationen angegebene Datum (26. Februar) falsch ist. Jean-Jacques Eigeldinger: Documents inconnus concernant le premier concert de Chopin à Paris (25 février 1832). In: Revue de Musicologie. Bd. 94/2 (2008). S. 575–584.


  15. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin âme des salons parisiens. 1830–1848. Librairie Arthème Fayard, Paris 2013, ISBN 978-2-213-67243-4, S. 121.


  16. Den Nachweis erbrachte Jean-Jacques Eigeldinger.


  17. Siehe: frederic-chopin.com (Website der Société Chopin à Paris).


  18. Zitiert in: Dieter Hildebrandt: Pianoforte oder Der Krieg im Saal. Das Klavier im 19. Jahrhundert. Carl Hanser Verlag, München und Wien 1985, ISBN 3-446-14181-2, S. 9.


  19. Hans Werner Wüst, Frédéric Chopin, Bouvier, Bonn, 2007, ISBN 978-3-416-03164-6, S. 177 und S. 187.
    Chopins Einkünfte betrugen 1833–1847 etwa 14.000 Francs pro Jahr, was im Jahre 2018 etwa 100.000 € entspräche. Damit konnte er seine Ausgaben gerade decken. Friedrich Niecks schildert ihn als Mann, der nicht mit Geld umgehen konnte. Siehe auch: Suzanne et Denise Chainaye: De quoi vivait Chopin? (= De quoi vivaient-ils?). Deux rives, Paris 1951, S. 29–49.



  20. Am 6. Februar 1854 wurde die Gesellschaft in Société historique et littéraire polonaise, (deutsch Polnische Historisch-Literarische Gesellschaft, polnisch Towarzystwo Historyczno-Literackie) umbenannt (Präsident: Fürst Adam Jerzy Czartoryski, Vizepräsident: Adam Mickiewicz). Sie hat bis heute ihren Sitz in Paris, auf der Île Saint-Louis, 6 quai d’Orléans. Siehe: Małgorzata Maria Grąbczewska (Redaktion): Chopin. Przewodnik po zbiorach Towarzystwa Historyczno-Literackiego / Biblioteki Polskiej w Paryżu. Towarzystwo Historyczno-Literackie / Biblioteka Polska w Paryżu, Paris 2010, ISBN 978-2-9505739-4-0, S. 11–12.


  21. Der genaue Titel lautet: Oeuvres posthumes pour le piano de Frédéric Chopin publiés sur manuscrits originaux avec autorisation de sa famille par Jules Fontana. A. M. Schlesinger, Berlin 1855. Die 1859 als op. 74 ebenfalls bei Schlesinger veröffentlichten Lieder in der deutschen Übersetzung von F. Gumbert trugen den Titel: 16 Polnische Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte. S. Zieliński: Chopin (1999), S. 868.


  22. s. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Librairie Arthème Fayard, Paris 2010, ISBN 978-2-213-61922-4, S. 257–309.


  23. Der polnische Musikwissenschaftler Zieliński weist darauf hin, dass Chopin an den Etüden Opus 10 vorwiegend in Wien gearbeitet habe und dass die Grundidee zur sogenannten Revolutionsetüde Opus 10/12 schon vor dem Stuttgarter Aufenthalt existiert habe. Zudem passe der Ausdruck von Kampf und Heroismus, den die Etüde ausstrahlt, nicht zu den Gefühlen, die eine Niederlage und Kapitulation auslösen.
    Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1999. ISBN 3-7857-0953-6. Seite 873, Anmerkung Nr. 31.



  24. George Sand: Correspondance. Textes réunis, classés et annotés par Georges Lubin. Garnier Frères, Paris 1964–1987. Band IV, S. 428–439.


  25. Zitiert in: Gisela Schlientz: George Sand. Leben und Werk in Texten und Bildern. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32265-5. Seite 112.


  26. Es handelt sich um das Pleyel-Klavier Nr. 6668. Fertigstellung: 1838. Das Instrument wurde im Januar 1839 von Pleyel nach Mallorca geschickt. Vor seiner Heimreise im Februar 1839, verkaufte Chopin das Klavier für Pleyel dem Bankier Canut.


  27. George Sand: Un hiver à Majorque. Première édition. Hippolyte Souverain, Paris 1842.


  28. pl.chopin.nifc.pl (Listy Chopina Nr. 246, Palma 3 grudnia 1838)


  29. Frédéric Chopin: Briefe. Herausgegeben mit einem Vorwort und Kommentaren von Krystina Kobylańska. Aus dem Polnischen und Französischen übersetzt von Caesar Rymarowicz. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-10-010704-7, S. 158. (Lizenzausgabe des Henschelverlages Kunst und Gesellschaft, DDR-Berlin 1983).


  30. Zur Geschichte dieses vom Standpunkt des Instrumentenbaus unbedeutenden Instrumentes siehe: Paul Kildea: Chopin's Piano. A Journey through Romanticism. Allen Lane (Penguin Random House UK), 2018, ISBN 978-0-241-18794-4.


  31. pl.chopin.nifc.pl (Listy Chopina Nr. 249, Palma 28 grudnia 1838)


  32. Frédéric Chopin: Briefe. Herausgegeben mit einem Vorwort und Kommentaren von Krystina Kobylańska. Aus dem Polnischen und Französischen übersetzt von Caesar Rymarowicz. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-10-010704-7, Seite 160 (Lizenzausgabe des Henschelverlages Kunst und Gesellschaft, DDR-Berlin 1983).


  33. George Sand: Geschichte meines Aufenthalts auf Mallorca aus Geschichte meines Lebens, als Anhang in George Sand: Ein Winter auf Mallorca. DTV Taschenbuch, 10. Auflage. München 1995, ISBN 3-458-33802-0. S. 258 f.


  34. Ärzte erklären Chopins Halluzinationen, Der Spiegel, 25. November 2011. Abgerufen am 27. März 2018.
    Chopin – Halluzinationen durch Epilepsie, Ärzteblatt, 25. Januar 2011, Abgerufen am 27. März 2018.
    Claudia Schreiber: Solo für Clara. Carl Hanser Verlag GmbH & Company KG, 22. Februar 2016, ISBN 978-3-446-25222-6, S. 182–183.



  35. Jedes Jahr finden in Nohant „Les fêtes romantiques de Nohant“ („das Festival der Romantik von Nohant“) und „Le Nohant festival Chopin“ („Das Chopin-Festival Nohant“) statt.


  36. Sylvie Delaigue-Moins: Chopin chez George Sand à Nohant. Chronique de sept étés. 4ème édition. Les Amis de Nohant, Le Pin 1996.


  37. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin, Fryderyk Franciscek, Frédéric François. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Personenteil 4, Kassel u. a. 2000, Spalte 977–979, (Der Artikel wurde inzwischen in MGG Online auf den Stand von 2006 aktualisiert, enthält aber Angaben, die Eigeldinger selbst in anderen Publikationen berichtigt hat).


  38. Zitiert in: Sylvie Delaigue-Moins: Chopin chez George Sand à Nohant. Chronique de sept étés. 4ème édition. Les Amis de Nohant, Le Pin 1996, ISBN 2-9504129-0-4, S. 204.


  39. Sowohl George Sand als auch Charlotte Marliani hatten ihre Wohnungen am Square d’Orléans aufgegeben: Sand nach der Trennung von Chopin, Marliani nach der Trennung von ihrem Ehemann. Siehe: Tad Szulc: Chopin in Paris. The life and times of the romantic composer. Scribner, New York 1998, ISBN 0-684-82458-2, S. 366.


  40. Tadeusz A. Zielinski: Chopin: Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. (Serie Musik), Co.-Prod. mit Atlantis Musikbuch-Verlag, 2008, ISBN 3-254-08048-3, S. 816.
    s. pl.chopin.nifc.pol/listy Chopina nr. 610, 5 marca 1848 : Do Solange Clésinger. In diesem Brief vom 5. März an Sands Tochter schildert Chopin sachlich das Zusammentreffen vom Vortag. Die melodramatische Schilderung Sands in ihrer Jahre später geschriebenen Histoire de ma vie („Geschichte meines Lebens“) stellt das Ereignis anders dar.



  41. George Sand: Histoire de ma vie. Texte intégral. Édition établie, présentée et annotée par Martine Reid. (= Quarto Gallimard). Éditions Gallimard, Paris 2004, ISBN 2-07-072884-6, S. 1501–1502.


  42. Zitiert in: Gisela Schlientz: George Sand. Leben und Werk in Texten und Bildern. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-458-32265-5, S. 171.


  43. Auftragsarbeit von Jane Stirling.


  44. Andreas Otte, Konrad Wink: Kerners Krankheiten großer Musiker. 6. Auflage. Schattauer, Stuttgart/ New York 2008, ISBN 978-3-7945-2601-7, S. 221 ff.
    Nach anderer Vermutung könnte auch Mukoviszidose die Ursache gewesen sein. Gegen diese Vermutung spricht, dass an Mukoviszidose Erkrankte in jener Zeit in der Regel bereits in der Kindheit und Jugend gestorben sind.
    Lucyna Majka, Joanna Gozdzik, Micha Witt: Cystic fibrosis – a probable cause of Frédéric Chopin’s suffering and death. (PDF; 54 kB) In: J. Appl. Genet. 44 (2003), S. 77–84. A. Jaffé, A. Bush: Cystic fibrosis: review of the decade. In: Monaldi archives for chest disease. Band 56, Nummer 3, Juni 2001, S. 240–247, PMID 11665504 (Review).



  45. concerti. Das Konzert- und Opernmagazin. Dezember 2017. S. 6.Michał Witt et al., A Closer Look at Frederic Chopin’s Cause of Death, American Journal of Medicine, Elsevier, 11. Oktober 2017, doi:10.1016/j.amjmed.2017.09.039. Daneben wird ärztlicherseits über weitere mögliche Todesursachen spekuliert. Jan Brachmann: Herzenssache. Woran starb Frédéric Chopin? In: Frankfurter Allgemeine. Feuilleton. 21. November 2017, abgerufen am 30. März 2018.


  46. Das Herz des Musikers, NDR-Fernsehen am 11. Dezember 2018.


  47. Jane Stirling, Clan Stirling Online. Abgerufen am 14. Februar 2018.


  48. Bericht George Sands in: Ernst Burger: Frédéric Chopin. Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. München 1990, ISBN 3-7774-5370-6, S. 254.


  49. ab Kronika Polski. W boju i na tułaczce: 1831–1846. Wydawnictwo Ryszard Kluszczyński, Kraków 1998, S. 12.


  50. Jean Kleczinski, Frédéric Chopin: de l’interprétation de ses œuvres. Paris, Félix Mackar, 1880, XII, S. 82.


  51. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. La Baconniére, Neuchâtel 1970; überarbeitete Neuauflage Fayard, Paris 2006, ISBN 2-213-62916-1. S. 169 Nr. 133.


  52. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2, S. 167 (Note 127).


  53. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2, S. 79.


  54. Alfred Cortot: Aspects de Chopin. Albin Michel, Paris 1949. Neuauflage 2010. ISBN 2-226-19590-4.


  55. Frédéric Chopin: Esquisses pour une méthode de piano. Textes réunis et présentés par Jean-Jacques Eigeldinger. Flammarion, Paris 1993, ISBN 2-08-066680-0.


  56. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise á jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2.


  57. Die in Gottfried Benns Gedicht Chopin beschriebene Tastenfolge e, fis, gis, h, c, entspricht nicht der bei Chopin angegebenen.
    Die Tonfolge e, fis, gis, ais, h ist ein Ausschnitt aus der H-Dur Tonleiter, wobei „e“ den letzten Ton des ersten Tetrachords (Viertonfolge) darstellt, die Töne „fis“ bis „h“ den zweiten Tetrachord.



  58. Fryderyk Chopin. Mensch, Pianist, Komponist. In: Mieczyslaw Tomaszewski: Frédéric Chopin und seine Zeit. Laaber-Verlag, 2017, ISBN 3-89007-448-0. Abgerufen am 18. Februar 2018.


  59. Frédéric Chopins individuelles Klavierspiel. Aus: Wiener Urtext Edition. Abgerufen am 13. März 2018.


  60. Siehe hierzu: Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2, Seite 160 (Anmerkung 114).


  61. Mozart, Brief an den Vater vom 23. Oktober 1777. Abgerufen am 28. März 2018.


  62. Riemann-Musik-Lexikon. Herausgegeben von Wilibald Gurlitt, Hans Heinrich Eggebrecht und Carl Dahlhaus 13., aktualisierte Neuauflage, hrsg. von Wolfgang Ruf in Verbindung mit Annette van Dyck-Hemming. Schott Verlag, Mainz 2012. Sachteil: Stichwort: tempo rubato.


  63. George Mathias: Préface zu Isidore Philipp: Exercices quotidiens tirés des œuvres de Chopin. Hamelle, Paris 1897. zitiert in Chopin: Préludes op. 28. Herausgegeben von Paul Badura-Skoda. Edition Peters, Leipzig 1985. S. 80.


  64. In: J. S. Bach: „Clavier-Büchlein vor Wilhelm Friedemann Bach“ (1720). (Music Library, Yale University, New Haven, Connecticut/USA)



  65. Siehe die Darstellung von Paul Badura-Skoda in seiner Ausgabe der Préludes Opus 28, Edition Peters Nr. 9900, Leipzig 1985. Seite 76–79.
    John Petrie Dunn: Ornamentation in the works of Frederick Chopin (= Novello's Music Primers and Educational Series). Novello and Company, London, New York 1921. (Reprint: Da Capo Press, New York 1971).



  66. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin, Pianist and Teacher, as seen by his pupils, Cambridge University Press, 2.Ausgabe/Neuauflage 2011, S. 199 ff, ISBN 978-0-521-36709-7


  67. Moritz Karasowski, Friedrich Chopin, sein Leben, seine Werke und Briefe, Dresden, 1877, S. 288.


  68. Paul Badura-Skoda: Hinweise zur stilgemäßen Ausführung der Werke Chopins. In: Chopin: Préludes Opus 28. Urtextausgabe. Herausgegeben von Paul Badura-Skoda. Edition Peters, Leipzig 1985, Seite 95.


  69. Bei diesem Nachtreten, auch synkopiertes Pedal oder Wechselpedal genannt, wird das Pedal nicht vor dem Eintritt der neuen Harmonie aufgehoben, wie es alle zeitgenössischen Klavierschulen vorschrieben, sondern erst gleichzeitig mit dem Anschlagen der neuen Harmonie, die dann durch sofortiges Treten („Nachtreten“) des Pedales fixiert wird. Es ist nicht sicher, ob Chopin das synkopierte Pedal, das heute jeder Laienspieler beherrscht und das sich erst im letzten Teil des 19. Jahrhunderts durchsetzte, überhaupt kannte. Die Chopin bekannten Klavierschulen von Kalkbrenner, Hummel und Czerny kennen das synkopierte Pedal, wie es heute praktiziert wird, nicht.


  70. Daniel Magne: Interpréter Chopin sur un piano d'époque. In: Danièle Pistone (Hrsg.): L'interprétation de Chopin en France. Librairie Honoré Champion , Paris 1990, ISBN 2-85203-125-6, S. 32.


  71. Friedrich Niecks: Friedrich Chopin als Mensch und als Musiker. Vom Verfasser vermehrt und aus dem Englischen übertragen von W. Langhans. 2. Band. Leuckart Verlag, Leipzig 1890, S. 368. (Es handelt sich um Erinnerungen an Chopin von Friederike Streicher). Auch zitiert in: Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2, S. 84.


  72. Alisha Walker: The Message of a Pianist: Chopin’s Pedal. Intermezzo, 2015, Nr. 11. Abgerufen am 19. März 2018.
    David Rowland: A history of pianoforte pedalling. Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 0-521-40266-2, S. 125–130.
    Maurice Hinson: Pedaling the piano works of Chopin. In: Joseph Banowetz: The pianist’s guide to pedaling. Indiana University Press, Bloomington 1985, ISBN 0-253-34494-8, S. 179–198. (Deutsche Ausgabe: Joseph Banowetz: Pedaltechnik für Pianisten. Ein Handbuch. Schott, Mainz 2008, ISBN 978-3-7957-8735-6).
    Leonid Kreutzer: Das normale Klavierpedal vom akustischen und ästhetischen Standpunkt. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1915, S. 70–83.
    Dominique Merlet: L’art de la pédale chez Chopin. In: Daniel Pistone (Hrsg.): L’interprétation de Chopin en France. (= Musique – Musicologie Nr. 20). Éditions Champion, Paris 1990, ISBN 2-85203-125-6, S. 35–43.
    Paul Badura-Skoda: Chopin's Text – the eternal question of Chopin's Pedalling Signs. In: Chopin's works as a source of performance inspiration. International Chopin Conference, Warsaw (Warszawa, Warschau) 1999, S. 120–140, 274–284.



  73. Spielart ist ein Fachbegriff des Klavierbaus. Es bezeichnet die Art und Weise wie die Mechanik des Instrumentes auf die verschiedensten Anschlagsnuancen des Spielers reagiert. Sie darf nicht mit Spielschwere verwechselt werden. Herbert Junghanns: Der Piano- und Flügelbau. 7., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage, bearbeitet und ergänzt von H. K. Herzog. (= Fachbuchreihe Das Musikinstrument. Bd. 4). Verlag Erwin Bochinski, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-923639-90-2, Seite 259.


  74. Zitiert in: Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Éditions de la Baconnière, Boudry-Neuchâtel 1988, ISBN 2-8252-0212-6, S. 45.


  75. Henri Blaze de Bury: Musiciens contemporains. Lévy frères, Paris 1856. S. 118. Zitiert in: Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2. S. 43.


  76. s. auch Guy de Portalès: Chopin ou Le poète. In: La Galerie pittoresque (n° 5). Gallimard, 1927, ISBN 2-07-101804-4.


  77. Rosamund E. M. Harding: The Piano-Forte. Its history traced to the Great Exhibition of 1851. Second, completely revised edition. The Gresham Press, Old Woking, Surrey 1978, ISBN 0-905418-31-X. S. 156–159, 320.


  78. Tadeusz A. Zielinski, Chopin: Sein Leben, sein Werk, seine Zeit (Serie Musik). Co.-Prod. mit Atlantis Musikbuch-Verlag, 2008, ISBN 3-254-08048-3, S. 420.


  79. Claus Bockmaier: Facetten II: Kleine Studien – Edition und Interpretation bei Chopin – Die Münchner Schule und Max Reger. Buch & media, 21. März 2016, ISBN 978-3-86906-846-6, S. 132.


  80. ;Ludwig Kusche, Frédéric Chopin, Süddeutscher Verlag, 1960, S. 24–25.


  81. Zofia Rosengardt-Zaleska, Persons related to Chopin; (englisch) The Frederic Chopin Institute. Abgerufen am 13. März 2018.


  82. Tereza Staruh, Karol Mikuli und Frédéric Chopin (PDF) Universität Leipzig, Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften, Heft 6, S. 117a–121. Abgerufen am 13. März 2018.


  83. Bronislaw v. Poźniak: Chopin. Praktische Anweisungen für das Studium der Chopin-Werke. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Chopin-Komitee Berlin herausgegeben. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1949.


  84. Die folgenden Ausgaben sind dokumentiert in:
    Józef Michał Chomiński, Teresa Dalila Turlo: A catalogue of the works of Frederick Chopin. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków 1990, ISBN 83-224-0407-7. S. 252ff



  85. abcdefghijk Józef Michał Chomiński, Teresa Dalila Turlo: A catalogue of the works of Frederick Chopin. Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Krakau 1990, ISBN 83-224-0407-7.


  86. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. La Baconniére, Neuchâtel 1970; überarbeitete Neuauflage Fayard, Paris 2006, ISBN 2-213-62916-1, S. 222–224.


  87. Raoul von Koczalski: Werkeinführungen zur Chopin-Gesamtausgabe. Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Archivalie im Bestand 21081 (= Breitkopf & Härtel, Leipzig), Archivalnummer 1810, Manuskript (machinensch.) s. archiv.sachsen.de


  88. Nach Auskunft des Verlages ist das Archiv in Leipzig während des 2. Weltkrieges (1939–1945) ausgebrannt, sodass das Schicksal der Koczalski-Ausgabe ungeklärt bleibt.


  89. Franco Luigi Viero, Review Urtextausgabe Bärenreiter, audacter. Collection of critical editions of the Works of Fryderyk Chopin. Abgerufen am 4. April 2018.


  90. Die vorgestellten Musikdateien sind als Beispiele für die entsprechenden Musikgattungen und Werke zu verstehen. Hochwertige Interpretationen sind nicht unter freier Lizenz erhältlich.


  91. Józef Michał Chomiński, Teresa Dalila Turło: Katalog dzieł Fryderyka Chopina. (A Catalogue of the works of Frederick Chopin) (= Documenta Chopiniana.). Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków 1990. ISBN 83-224-0407-7, S. 157.


  92. Fryderyk Chopin: Mazurki. (Wydanie Narodowe, Redaktor: Jan Ekier). Polskie Wydawnictwo Muzyczne (PWM), Kraków 1998.


  93. Bronislaw von Pozniak: Chopin. Praktische Anweisungen für das Studium der Chopin-Werke. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Chopin-Komitee Berlin. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1949, S. 62.


  94. Robert Schumann zitiert in: Ashton Jonson: A Handbook to Chopin’s Works. BoD – Books on Demand, 2010, ISBN 978-3-86741-437-1, S. 8.


  95. Chopin Biography, Narodowy Instytut Fryderyka Chopina. Abgerufen am 18. Februar 2018.


  96. „Minutenwalzer“ Analyse. Frédéric Chopin, ein Pianist & Künstler. Abgerufen am 17. März 2018.


  97. Friedrich Niecks: Friedrich Chopin als Mensch und Musiker. Vom Verfasser vermehrt und aus dem Englischen übertragen von Dr. Wilhelm Langhans [1832–92]. Zweiter Band. Leipzig 1890, S. 155 (Textarchiv – Internet Archive).


  98. „La Méthode des Méthodes“ (deutsch Die Klavierschule der Klavierschulen) war eine von F. J. Fétis und Ignaz Moscheles herausgegebene Klavierschule (= méthode!), die die Ratschläge und Anweisungen der damals bekanntesten Klavierschulen zusammenfasste und im zweiten Band Études de perfectionnement verschiedener Komponisten brachte, die zum Teil eigens für das Werk geschrieben wurden. Unter den Komponisten waren u. a. Chopin, Heller, Liszt, Mendelssohn, Moscheles, Thalberg.


  99. Dieses Stück ist die Harmonisierung Chopins der aus dem Jahre 1816 stammenden Vertonung von Jan Kaszewski eines Textes von Alojzy Feliński. Tadeusz A. Zieliński: Chopin. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-7857-0953-6. S. 564.


  100. Der genaue Titel des Gemeinschaftswerkes, zu dem Chopin die 6. Variation beigesteuert hat, heißt in der französischen Erstausgabe: Hexameron. Morceau de Concert. Grandes variations de bravoure pour piano sur la marche des Puritains de Bellini, composées pour le concert de Madame la Princesse Belgiojoso par Messieurs Liszt, Thalberg, Pixis, Henri Herz, Czerny et Chopin. In der italienischen Erstausgabe fehlt das Wort „Hexameron“. Die sechs Komponisten haben bei dem von der Prinzessin veranstalteten Wohltätigkeitskonzert für Arme ihre Beiträge selbst uraufgeführt.


  101. Die Endung „-ówna“, gesprochen: [
    ˌʃɔpɛnˈuːvna], bedeutet im Polnischen „Tochter des …“.



  102. Tadeusz A. Zielinski, Chopin: Sein Leben, sein Werk, seine Zeit (Serie Musik), Co.-Prod. mit Atlantis Musikbuch-Verlag, 2008, ISBN 3-254-08048-3, S. 401.


  103. Ann Malaspina: Chopin’s World. The Rosen Publishing Group, New York 2008, ISBN 978-1-4042-0723-3, S. 26. Eingeschränkte Vorschau in Google Books.
    Tad Szulc: Chopin in Paris. The Life and Times of the Romantic Composer. Da Capo Press, Cambridge/Mass. 1999, ISBN 978-0-306-80933-0, S. 69. Eingeschränkte Vorschau in Google Books.



  104. Passport von Chopin, 1837. Abgerufen am 14. Februar 2018.


  105. Krzysztof Bilica, „Ktokolwiek by wiedział …”, Ruch Muzyczny, Nr. 17/18, 31. August 2008. Abgerufen am 3. März 2018.
    Dokumentarfilm «Serce Chopina» (Chopins Herz) von Piotr Szalsza. In: Das stärkste Geschütz der Polen, Neue Zürcher Zeitung, 27. November 2010. Abgerufen am 2. März 2018.
    Streit um Chopins Herz, Deutschlandfunk, 2. August 2008. Abgerufen am 2. März 2018.



  106. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin vu par ses élèves. Nouvelle édition mise à jour. Librairie Arthème Fayard, Paris 2006, ISBN 978-2-213-62916-2, S. 209–242.


  107. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. Stuttgart, 1999. S. 223.


  108. Thomas Desi: Der „Schlächter von Polen“ und seine Liebe zu Chopin. In: derStandard.at. 26. April 2010, abgerufen am 18. März 2018.


  109. Roman Polanski verwendet diese Szene in seinem in Babelsberg gedrehten Meisterwerk „Der Pianist“ mit Adrien Brody in der Hauptrolle, für die der Schauspieler 2003 einen Oscar gewann.


  110. Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Deutscher Bundestag, 2012. Abgerufen am 12. Februar 2018.


  111. Hanna Kotkowska-Bareja, Pomnik Chopina. (polnisch) Warszawa: Państwowe Wydawnictwo Naukowe. (1970) S. 47.


  112. Rudolf Steglich: Chopins Klaviere. In: Chopin-Jahrbuch 2. Wien 1963, S. 139–160.
    Franz Josef Hirt: Meisterwerke des Klavierbaus. Geschichte der Saiteninstrumente von 1440 bis 1880. Urs-Graf Verlag, Dietikon-Zürich 1981.
    Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Librairie Arthème Fayard, Paris 2010. ISBN 978-2-213-61922-4. S. 229–256. (Durch den Abdruck von Auszügen der Fabrikations- und Verkaufsregister der Firma Pleyel, die heute im Musée de la Musique, Paris, aufbewahrt werden, kann die Geschichte einzelner Instrumente, genauer als es bisher möglich war, beschrieben werden. http://archivesmusee.citedelamusique.fr/pleyel/archives.html).
    Alec Cobbe: Composer Instruments. A catalogue of the Cobbe Collection of keyboard instruments with composer associations. Technical Data compiled by David Hunt. The Cobbe Collection Trust in Association with the National Trust, [Hatchlands Park, East Clandon, Surrey], ISBN 0-9538203-0-0.
    Alec Cobbe, Chopin’s Swansong: the Paris and London pianos of his last performances. The Chopin Society, London and The Cobbe Collection Trust, 2010. (http://www.cobbecollection.co.uk/new-event/).
    Alec Cobbe und Christopher Nobbs: Three hundred years of composers’ instruments: The Cobbe Collection. Boydell & Brewer Ltd, London 2014, ISBN 1-84383-957-1, ISBN 978-1-84383-957-6.



  113. Alain Kohler: La découverte d'un piano Pleyel joué par Chopin. Mai 2015. http://www.musicologie.org/15/la_decouverte_d_un_piano_pleyel_joue_par_chopin.html


  114. Zur Identifizierung des Flügels s. https://www.swissinfo.ch/ger/konzertfluegel-von-frédéric-chopin-entdeckt/5799838


  115. cobbecollection.co.uk


  116. Jean-Jacques Eigeldinger: Chopin et Pleyel. Librairie Arthème Fayard, Paris 2010. ISBN 978-2-213-61922-4. S. 246.


  117. André Delapierre / Thomas Schunke: Chopin à Paris. L'Harmattan, Paris 2004, ISBN 2-7475-5770-7, S. 119.


  118. Ustawa z dnia 3 lutego 2001 r. o ochronie dziedzictwa Fryderyka Chopina., Internetowy System Aktów Prawnych – ISAP (polnisch). Abgerufen am 19. März 2018.


  119. Chopin-Denkmal enthüllt. Der Standard, 25. November 2010, abgerufen am 17. März 2018.


  120. Dramatic Chopin statue unveiled in central Manchester. (englisch). The Polish Heritage Society, September 2011, abgerufen am 17. März 2018.


  121. Chopin. (englisch). inyourpocket.com, Mai 2016, abgerufen am 17. März 2018.


  122. Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010), ISBN 978-87-7871-292-9 (englisch). S. 149 (PDF; 12,3 MB).


  123. Chopin-Rose. Abgerufen am 8. März 2018.


  124. Hannes Fricke: Mythos Gitarre: Geschichte, Interpreten, Sternstunden. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020279-1, S. 139.


  125. Chopin goes to the movies. FF Chopin, (englisch; under supervision of the Fryderyk Chopin Society). Abgerufen am 20. Februar 2018.


  126. Ludwig Kusche, Frédéric Chopin, Süddeutscher Verlag, München, 1960, S. 66–68.


  127. Am 10. März 2011 veröffentlichte der Danziger Fotograf und Galerist Władysław Żuchowski eine Daguerreotypie mit beigefügtem Schriftzug „Frédéric Chopin 1849“, die er aus nicht genannter Quelle in Schottland erworben habe; sie sei mit dem Namen des Fotografen Louis-Auguste Bisson (1814–1876) beschriftet und zeige anscheinend den toten Chopin auf dem Sterbebett. Die Authentizität der Aufnahme wurde bisher nicht bestätigt.


  128. zweisprachige Ausgabe des Textes (polnisch-französisch), artgitato.com, 31. Oktober 2015. Abgerufen am 14. April 2018.


  129. s. Friedrich Niecks: Friedrich Chopin als Mensch und Musiker. Vom Verfasser vermehrt und aus dem Englischen übertragen von W. Langhans. Erster Band. Verlag F. E. C. Leuckart, Leipzig 1890, S. 319.


  130. im. = Abkürzung von imienia (polnisch „des Namens“)= Genitiv von „imię“ (polnisch „der Name“)







Dieser Artikel wurde am 12. April 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.



































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